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Der Israelit · 1897-07-15 · Heft 56 (15.7.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 56 (15.7.1897)
Date
1897-07-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1094 Da nun diese BezirkS-Armeninstitute in allen Bezirken, mit Ausnahme der inneren Stadt, der Mehrheit nach antisemitisch sind, so läßt sich leicht ermessen, in welcher Weise die Gesuche armer nicht katholischer Kinder in Hinkunft werden erledigt werden. Gemeinderath Helbig hat schon während der letzten Budget-Debatte eine Reihe drastischer Fälle angeführt, in welcher Gesuche von Kindern, deren Mittellosigkeit außer jeden Zweifel gestellt war, blos deshalb vom Armenrathe abschlägig beschieden wurden, weil die Bittsteller jüdischer Conftssion waren. Der Stadtrath irrt sich jedoch, wenn er glaubt, daß der Ortsschulrath gar keine Jngerenz in der Frage habe: derselbe ist als Schulbehörde berufen, darüber zu wachen, daß in der Schule Ordnung herrsche und daß der Unterricht keine Störung erleide. Dies würde aber eintreten, wenn mehrere Kinder nicht die nöthigen Lernmittel haben, und in diesem Falle wird der OrtSfchulrath eben beim Landesschulrathe beantragen, daß die Gemeinde zur Beistellung der Lernmittel nach dem Gesetze verhalten werde. Frankreich. ** Paris. (Eine Mil l ionen st iftu ng der Baronin Hirsch) Vor drei Monaten schon hat die hochherzige Frau eine Millionenstifrung ins Leben gerufen und erst vor einigen Tagen hat die hiesige Stadt durch einen bloßen Zufall hievon Kenntniß erhalten. Eine Wittwe, welcher von Seite der hiesigen „Philantrophifchen Gesellschaft" eine JahreSrente auSgefetzt wurde, weigerte sich nämlich, dieselbe anzunehmen, bevor ihr nicht der Name des Spenders bekanntgegeben würde. Die Verwaltung der Gesellschaft sah sich nicht veranlaßt, noch länger Stillschweigen zu beobachten, und so wurde es denn bekannt, daß Frau Baronin Hirsch die jährlichen Zinsen eines Kapitals in der Höhe von dritthalb Millionen Francs als Jahresrente für vierundzwanzig Wittwen bestimmt habe. Die Summe soll alljährlich der „Philantropischen Gesellschaft" überantwortet werden, und die Gesellschaft wird die Spenden zur Vertheilung gelangen lassen. Die Stiftung gilt nur jenen Wittwen, welche einst bessere Tage gesehen und nicht durch eigene Schuld, sondern durch Schicksalsschläge, Armuth und Elend kennen lernen mußten. Rußland. Riga, 2. Juli. (Ueber den jüdischen Landbesitz im Gouvernement Smolensk) bringen die „Mo»k. Wed." einen längeren Artikel. Im Kreise Krassny besitzen die Juden 725 Deffj., im Kreise Duchowschtschina 2785 Dessj., im Kreise Rofflawl 18,300 Deffj., im Kreise Poretschje 63,000 Dessj. und im Kreise BelSk 78,000 Deffj. Zum Schluß weist das Blatt darauf hin, daß die jüdische „Invasion" ausschließlich in den Kreisen mit weißrussischer Bevölkerung stattfindet, während die Kreise mit großrussischer Einwohnerschaft von dieser sozialen Metamorphose unberührt geblieben sind. Palästina. S Beer-Tobia (El-Kastine), 30. Sivan. Für Weizen, Gerste und Wicken ist die Zeit der Ernte gekommen, und seit zwei Wochen herrscht ein fröhliches Leben und eine freudige Arbeitsamkeit, um den Segen einzuheimfen, dessen unsere Bauern m diesem Dorfe zum ersten Male sich erfreuen dürfen. Tag und Nacht wird gearbeitet und beim Klange hebräischer Lieder, die Zion und die Landarbeit im heiligen Lande zum Gegenstand haben, regen sich fleißige Hände, um mit einander zu wetteifern in unermüdlicher Thätigkeik. Hier führen junge Kolonisten die Schneidemaschine durch hohe goldene Saaten, während dort ihr älterer Genosse mit der Sense den Weizen schneidet, der weniger hoch und nicht gerathen ist. Dort, wo auch im vorigen Jahre Weizen gesät war, ist die Ernte spärlicher, während hier üppige Erträge den Fleiß und die Arbeit reichlich lohnen. In jedem Falle ist diese Ernte ein erfreulicher Beweis, daß wir in ferneren Jahren auch auf gute Ernten rechnen können. Das Dreschen findet auf dem Felde selbst statt, und es ist eine Freude zu sehen, wie die Kolonisten selbst nachts sich nicht von ihrem Segen trennen wollen und draußen auf dem Dfchören, d. h. den Getretdehaufen schlafen. Jetzt, wo die Melonen sich der Reife nähern, muß auch stet» ein junger Kolonist auf den Melonenfeldern nächten, um gegebenen Falls die Schakale, die stets eine große Vorliebe für junge Melonen zeigen, von diesen Früchten fernzuhalten. Man kann aber nur wiederholen, daß im Durchschnitte Weizen, Gerste, Wicken und Melonen durchaus gut gerathen sind. Viele Kolonisten haben auch wohlgelungene Versuche mit verschiedenen Anbauten selbst gemacht. So hatte ein Kolonist einen kleinen Versuch mit Flachs gemacht, der vorzüglichen Erfolg hatte. — Wenn ich in meiner letzten Mittheilung über Beer-Tobiah schrieb, daß die Kolonisten das Vorstandskomitee um einen hebräischen Lehrer für ihre Kinder ersucht hätte und daß man die Absicht hätte, nach dem Sukkothfeste ihrem Wunsche nachzukommen , so kann ich jetzt freudig konftatiren, daß die neue Kolonie schon jetzt in der Person des Herrn Kritfchewsky, eines Bruders des jüdischen Armenarztes Dr. Kritfchewsky in Jerusalem einen Lehrer erhalten hat, der in hebräischer Sprache die Kinder in allen in Betracht kominenden Schulgegenständen nach streng pädagogischen Grundsätzen unterrichtet Auch hat ein jüdischer Lehrer au» Rußland sechzig hebräische Bücher für die Jugend gespendet und so den Grundstock einer geeigneten Schulbibliothek gelegt. Die

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