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Der Israelit · 1897-07-15 · Heft 56 (15.7.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 56 (15.7.1897)
Date
1897-07-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1091 Versammlung des ersten Tages zur Berathung zusammen. Nach einer halbstündigen Pause ergriff Herr Dr. Samuel das Wort zu seinem Vortrage: Die Behandlung der biblischen Wunder im Religionsunterricht. Reichen Beifall zollten die Hörer dem Redner für seine glänzenden Ausführungen. Von einer Debatte wurde -mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit abgesehen. Herr Dr. Samuel wird jedoch einem Wunsche der Konferenz zufolge den Vortrag durch den Druck weiteren Kreisen zugänglich machen. Nachdem noch Aachen als Ort und der zweite und dritte Psingsttag 1898 als Zeit der nächsten Konferenz bestimmt wurden, schloß der Vorsitzende die Versammlung des ersten Tages. Der Abend vereinigte als Konferenztheilnehmer und zahlreiche Lippstädter Damen und Herren zu einem fröhlichen, geselligen Mahle, bei dem noch manches gute Wort gesprochen wurde. Am 2. Tag begannen die Verhandlungen mor- 1/g9 Uhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung erbat sich Spier—Bocholt das Wort, um die Erklärung abzugeben, daß er mit mehreren Konferenzmitgliedern den von Herrn Dr. Samuel in seinem Vorträge vertretenen Standpunkt nicht theilen könne. Baum—Rheine erstattete alsdann den Bericht über die Verhandlungen der schon erwähnten Einigungskommifsion. Die Ausführungen des Referenten, der die einstimmige Annahme der Einigungsvorschläge seitens aller Kommissionsmitglieder besonders hervorhob, erweckten den lauten Jubel der Versammlung. Ist doch dadurch jener unerquickliche Streit, der beinahe drei Jahre gedauert, endgültig beseitigt. Die Versammlung nahm einstimmig die Kommissionsvorschläge an. Hoffentlich wird die nächste Versammlung des Cölner Vereins dem Friedenswerke dadurch die Krone aussetzen, daß auch sie gleich der Lippstädter Versammlung den Vorschlägen rückhaltslos zustimmt. Punkt 4 „Ergänzungswahl des Vorstandes", vom ersten auf den zweiten Verhandlung«tag verschoben, entfesselte eine längere Debatte. Aus der Urne gingen als wiedergewählt die Herren Goldstern—Grevenbroich und Levi—Neuß, als neugewählt Liepmannssohn—Minden und als Stellvertreter die Herren Hermanns—Cöln, Wetzstein—Elberfeld und B a um—Rheine hervor. Treu—Münster wurde per Akklamation zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Aus der Debatte über „die Anstellung, Pensionierung und Versorgung der Hinterbliebenen der Lehrer" (auf Wunsch des Verbandsvorstandes) ging hervor, daß es am zweckmäßigsten wäre, wenn der Verband dahin wirken würde, daß die jüdischen Privatschulen in öffentliche umgewandelt werden könnten, denn alsdann sorgt der Staat für feste Anstellung, Pensionierung und Versorgung der Hinterj bliebenen der Lehrer. In Rheinland und Westfalen — so berichtet College Spier—Bocholt — sind unter 231 Stellen 107 Religionslehrerstellen, 46 öffentliche Schulen, 35 Privatschulen mit weniger als 15 und 43 mit mehr als 15 Kindern; alfo nur etwa 20% der angestellten Lehrer wirken an öffentlichen Schulen. Es ist aber eine Ehrenpsiicht jeder Gemeinde, ihren Lehrer für alle Fälle vor Roth und Entbehrung zu schützen, sei es durch Einkauf in eine Lebens- oder Rentenversicherung, wozu sowohl Gemeinde als auch Lehrer einen Theil der Kosten tragen könnten, oder sei es durch Pensionierung seitens der Gemeinde; hier müßte der Lehrerverbandsvorstand die Hebel einsetzen. Erwähnt sei noch der Vorschlag des Collegen Fröhlich—M.-Gladbach, der vorhandene Fonds der Lachmannschen Erben solle möglichst erhöht, unter staatliche Garantie gestellt und von den Zinsen desselben die nicht genügend leistungsfähigen Gemeinden in die Lage gebracht werden, das sogen. Grundgehalt nach dem Gesetz vom 3. März 1697 besser zahlen zu können. Bei dem Wohlwollen der Regierung wird eS nicht schwer fallen, auf diese Weise die Privatschulen eher in öffentliche zu verwandeln. College Nußbaum—Viersen erfreute alsdann die Versammlung durch seinen kurzen, gediegenen Vortrag: Der Gesinnungsunterricht in der jüdischen Schule, der mit lautem Beifall ausgenommen wurde. Nachdem die Vorträge für die nächstjährige Konferenz festgestellt waren, nämlich 1. der Religionsunterricht an den höheren Schulen, Ref. Ei che ngrün—Wolfenbüttel, Corres. G ol dschm idt— Brakel; 2. über jüdische Schülerbibliotheken, Ref. M e y e r—Lünen, Corref. R o t h s ch i l d—Wattenscheid, nahm der Vorsitzende das Wort, um seinen Dank auszusprechen allen denen, welche mit so großem Interesse den Verhandlungen folgten, sowie denen, welche beigetragen haben, eine so nutzbringende Konferenz abhalten zu können. Wenn bloß die Einigung der drei in Rheinland und Westfalen bestehenden Lehrervereine erzielt worden wäre, so bemerkte der Herr Vorsitzende, könnte die diesmalige Versammlung als eine der bedeutendsten und segensreichsten gehalten werden. Mit einem begeistert aufgenommenen dreifachen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser schloß er die schön verlaufene Versammlung. Löb—Cöln als einer der ältesten Konferenztheilnehmer dankte im Namen der Versammlung dem Vorstande, ganz besonders aber dem Vorsitzenden, Herrn Hauptlehrer Graf, für seine ruhige, umsichtige und zielbewußte Leitung der Konferenz und des Vereins. Auf fröhliches Wiedersehen in der alten Kaiserstadt Aachen zu Psingsten kommenden Jahres! Die Schriftführer: D u b l o n—Dülmen. Lilienfel d—Steele.

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