Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 56 (15.7.1897)
- Date
- 1897-07-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1096 glaubenS ist es uns gestattet, gewaltsam oder vorzeitig den Uebergang des heiligen Landes in den politischen Besitz des jüdischen Volkes herbeizuführen, ohne daß der Messias gekommen wäre n:trn* nran. In den Bestrebungen Herzl's und seiner Anhänger, meistens Leute, die vor dem Emporwuchern des Antisemitismus nichts wußten und nichts wiffen wollten von jüdischer Art und jüdischer Sitte, Leute, die beleidigt waren, wenn man sie als Juden anredete, in deren Bestrebungen liegt eine gewaltige Verkennung des Wesens und der weltgeschichtlichen Aufgabe des Judenthums. All' das Unglück, all' der Hohn, all' die Schmach, all' die Schrecken und Verfolgungen werden reichlich ausgewogen durch das unendliche Glück, welches uns die Gotteslehre und die Gottesgebote verleihen. Deshalb wollen wir, mag nun die Mode oder der Zeitgeist wider oder für Zion sich wenden, geduldig und ergeben alles Schmerzliche, das uns die Verbannung bringt, ertragen bis zu dem Zeitpunkte, da der allgütige Vater Seine über den ganzen Erdboden zerstreuten Kinder in das so schmerzlich vermißte Elternhaus zurückruft. So lange auch wollen wir unserem heiligen Gesetze gemäß nach Kräften fördern, das Wohl der Länder, die uns zur zweiten Heimath geworden, auch wenn die Strömung in einzelnen derselben uns nicht günstig ist. Unsere Freude und und unser Glück liegen ganz wo anders als in der Werthschätzung der Menschen. Wo wir sie suchen und finden, das sprechen wir täglich in unserem Gebete aus in den Worten: vb (pji Dvun fe i:x*otp unto 7ns .1:2010 ms: cbiy "ni mit imr „Gelobt fei unser Gott, der uns erschaffen hat zu Seiner Ehre, der uns gesondert hat von den Irrenden, der uns gegeben hat eine Lehre der Wahrheit, der ewiges Leben gepflanzt hat in unsere Mitte." pädagogisches. Ptttin Irmlitls-ttElMkitorlchrer für Min»» Mt AeWki. 42« Jahresversammlung in Lippstadt am 8. und 9. Juni 1897. Die Hauptkonferenz des Verein», bei welcher zugleich für die Mitglieder der Unterstützungskaffe desselben die statutenmäßige Generalversammlung abgehalten wurde, eröffnete der Vorsitzende, Herr Hauptlehrer Graf—Essen, am ersten Sitzungstage Nachmittag« gegen 3 Uhr mit herzlichen Begrüßungsworten. Er konstatirte da» Blühen des Verein» und seiner Kaffe. Die» zeige sich vorzugsweise in der Zunahme der Mitgliederzahl, in den wiederbelebten Bezirk-konferenzen, welche gern besucht werden, sowie in den wachsenden Einnahmen der Unterstützungskaffe. Er gedenkt ferner in warmen Worten der Herren Rabbiner Dr. F r a n k—Cöln und Dr. Samuel- Effen, die stet» und überall die Ziele und Zwecke unsere» Vereins thatkräftig unterstützen und fördern. Herr Rabbiner Dr. Cohn—Bonn sendet im Namen de» rheinischen Rabbiner-Verbande» ein Begrüßungstelegramm. De» Unterrichtsminister» Excellenz Dr. Bosse wird durch eine Depesche seiten» de» Verein» gedacht. Vor Eintritt in die Tagesordnung wünscht ein Mitglied der Versammlung, dem offiziellen Jahresbericht auch den Bericht über die Konferenz beigefügt zu sehen, welche Anregung zum Beschluß erhoben wird. Hierauf erstattete der Vorsitzende den Kaffenbericht, der ein glänzende» Bild de» Stande» der Kaffe gibt. Warmer Dank gebührt Herrn Graf, der e» durch rastlose Thätigkeit verstanden hat, in der verhält» ißmäßig kurzen Zeit von *U Jahren, in der er die Geschäfte de» Vereins führt, rund 10,000 M. dem Fonds der Unterstützungskaffe zuzufahren. Am 5. Juni 1897 betrug da» Vermögen 91,955,65 M. Seitens der neuen israelitischen Gemeinde in Lipvstadt, deren Vorstandsmitglieder mit grobem Jntereffe den Berathungen folgten, wurde der Kaffe der Betrag von 100 M. überwiesen, wofür auch an dieser Stelle herzlichst gedankt sei. Der D.-J. L.-B. hatte wieder 150 Dt. als Beitrag zu den Reisespesen der Konferenz überwiesen. Der VI. Nachtrag zu den Statuten de» Verein» israel. Elementar-Lehrer, wonach jedes Mitglied außer dem Eintrittsgelv von 15 M. einen Jahresbeitrag von 6 M. zahlt, unabhängig davon, ob e» bei seinem Eintritt unter oder über 30 Jahre alt ist, erhielt unterm 8. März l. I. die ministerielle Genehmigung. Möchten doch alle Lehrer für die Kaffe arbeiten und die Gdmeindemitglieder für dieselbe interessiren! Den wichtigsten Theil der Berathung bildete Punkt 2 der Tagesordnung: Bericht der Einigurn»- kommission über die Verhandlungen mit der Kommission des Cölner Vereins. Liepmannssohn— Minden referirte über die in Elberfeld gepflogenen Verhandlungen und gab in längerer, kerniger Ausführung ein Bild derselben. Brausender Beifall lohnte den Redner. An der sich nun über die Einigung entspinnenden Debatte nahmen Herren au» beiden Lagern da« Wort. Alle betonten immer und immer wieder ihre Frieden»liebe, alle wünschten sehnlichst eine Vereinigung des Effener mit dem Cölner Verein. Auf Antrag des Kollegen Levi—Neuß wurde deßhalb eine Kommission ernannt und in dieselbe für den Cölner Verein die Herren Gut—Cöln, Spier— Bocholt und Spier—Wesel, für den Effener Verein die Herren G r a f—Effen, G 0 ldstei n—Grevenbroich und LiepmannSsohn—Minden, sowie al« unparteiische Herr Rabbiner Dr. Samuel—Effen und als deffen Stellvertreter Herr Baum—Rheine delegirt. Die genannten Herren traten nach Schluß der