Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 55 (12.7.1897)
- Date
- 1897-07-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1069 weg, auf dem sie indeß nicht glücklich waren. Dieser Tage ist nämlich von der letzten Instanz, vom Cnltus- und Unterrichtsministerium, die Entscheidung hier eingetroffen, der zufolge der Recurs der Orthodoxen verworfen wird und bleiben somit deren Bethaus und Talmudschule noch weiter geschloffen. Letztere sollen indeß fest entschlossen sein, von ihren einmal gefaßten Grundsätzen nicht abzuweichen und den Neologen keine Zugeständniffe zu machen. England. London. Am 24. Juni hatte die hiesige jüdische Gemeinde wieder einen schweren Verlust zu beklagen. Sir John Simon, bekannt als Sergeant Simon, einer der letzten Kämpfer aus der Emancipationszeit, starb, wie wir bereits berichteten, in seinem 81. Jahre, nachdem ihm vergönnt gewesen war, die Erfolge seiner Mühen im privaten wie im öffentlichen Lellen noch mit eigenen Augen zu schauen und nach einem thatenreichen Leben ein ruhiges Alter zu genießen. Geboren am 9. Dezember 1818 in Montego Bay auf Jamaica genoß Sir John Simon die erste Erziehung auf dieser Insel, wo sein Vater als einer der bedeutendsten Kaufleute seinen großen Einfluß zu Gunsten einer befferen Behandlung der Negerbevölkerung einsetzte. Im Alter von 14 Jahren kam John nach Liverpool in die Schule und nach einem längeren Erholungsaufenthalte in Jamaica ging er wiederum nach England, um die juristische Karriere einzuschlagen. Dieselbe war damals noch gar nicht den Juden geöffnet und nur Francis Goldsmid, der zehn Jahre älter war, hatte bis dahin die Aufnahme in das Advokaten- Kollegium erreichen können. Auch John Simon wurde sie verweigert und er ging, nachdem er sich im Jahre 1843 verheirathete, mit seiner jungen Frau nach Jamaica zurück, wo er sich der Advokatur widmete. Da aber das Klima dort seiner Frau nicht zusagte, so kehrte er nach England zurück und ließ sich 1849 in Liverpool nieder, wo er bald einer der gesuchtesten Advokaten wurde, und im Jahre 1856 ging er nach London. Hier wurde er 1864 Sergeant of Lord, Anwalt ersten Ranges, eine heut nicht mehr bestehende Würde und vier Jahre später trat er in das Parlament ein, und schloß sich der liberalen Partei an. 20 Jahre saß er im Parlament und er trat dort gemeinsam mit Sir Francis Goldsmid bei jeder Gelegenheit für die Vertheidigung der Juden in England, wie im Ausland ein. Sein Werk in erster Linie war die große Versammlung im Mansion House, ebenso energisch trat er auch gegen den Führer seiner eigenen politischen Partei, gegen Gladftone auf, als dieser sich weigerte für die Juden in Rumänien einzutreten, weil die Juoen in Sheffielo konservativ gestimmt hatten. 1886 erst erhielt Sir John Simon die Ritterwürde und schon 1888 trat er von der Bewerbung um das Abgeordnetenmandat zurück, weil sein geschwächter Gesundheitszustand ihm Ruhe aufzwang. Seitdem ist er selten in der Oeffentlichkeit aufgetreten, doch behielt er seine große persönliche Beliebtheit und sein Ansehen in der liberalen Partei. Von der ungemeinen Liebe und der hohen Stellung, die er sich erworben, gab die Betheiligung bei seinem Begräbniß einen Beweis, an dem die Spitzen der jüdischen Gemeinde theilnahmen. Amerika.? New-Uork. Seit einigen Jahren haben sich die Ferienkolonien hier auch sehr eingebürgert. Das „Sanatorium kor Hebrew Children“ hat einen großen Erfolg im vorigen Jahr zu verzeichnen gehabt, es wurde ihm möglich acht Mütter und 18 Kinder in die Kolonie aufzunehmen, während 3934 Mütter mit 8675 Kindern an den zahlreichen Tagesausflügen theilnahmen. Für alle diese Unternehmungen wurden ca. 45,000 M. verausgabt, ungerechnet die reichen Spenden in Nahrungsmitteln die dem Comite zufließen. Wie sehr man hier bemüht ist, den arbeitenden jüdischen Klaffen verständige Erholung zu verschaffen, dafür spricht auch die Thatigkeit des Sozial-Comit4s der Educational Alliance, welche während der letzten Saison 26 Unterhaltungsabende mit einem Kostaufwande von ca. 6000 M. veranstaltete, außerdem eine Kunstausstellung im jüdischen Viertel, die von mehr als 110,000 Personen besucht wurde. Trotzdem die Gemälden rc. von reichen, jüdischen Mäcenen geliehen waren, verursachte dieselbe doch noch eine Ausgabe von ca. 4000 Mk. Statistisches. ** Berlin, 15. Juni. Die üreuzzeitung — wohlgemerkt: die Kreuzzeitung — brachte dieser Tage eine höchst interessante statistische Arbeit von Profeffor Dr. G emß über die „Frequenz der höheren Lehranstalten Preußens im Schuljahr 1895/96". Die Zahlen, die in dieser Artikelserie über die jüdischen Schüler an den höheren Lehranstalten Preußens angegeben werden, sind ein beredter Protest gegen die antisemitischen Klagen, die von einem Ueberhandnehmen des jüdischen Elements in diesen Anstalten faseln. Profeffor Gemß berichtet: Von den 138 803 Schülern zu Ostern 1893 waren 97 805 - 70,5 pCt. evangelisch, 28 836 — 20,77 pCt. katholisch, 341 — 0,2 pCt. dissidentisch, 11821 — 8,6 pCt. mosaisch. Für Ostern 1896 stellte sich das Verhältniß hingegen folgendermaßen : Wenn auch die Zahl der Evangelischen auf 98 589 stieg, so ist bei der Gesammtzahl von 141 584 doch