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Der Israelit · 1897-07-08 · Heft 54 (8.7.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 54 (8.7.1897)
Date
1897-07-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1050 welcher im Cily-Hospital auf dem Krankenbett seiner letzten Stunde entgegen sah und von seinem Glaubensgenossen umgeben zu sein wünschte. Die Gesellschaft wurde thatsächlich im Jahre 1822 unter dem Namen der „Jüdischen Wohlthätigkeits - Gesellschaft" gegründet, von welcher der bekannte Major Mordecai M. Nouh Präsident zwischen den Jahren 1842 bis 1851 war und die später mit der deutschen Wohlthätigkeits-Gesellschaft, welche im Jahre 1845 in's Lebeen gerufen wurde, verschmolzen, welche Verschmelzung im Jahre 1859 vollzogen ward. Im Jahre 1850 wurde dann ein kleines Haus in der 29. Straße für ein Waisenasyl in Miethe genommen. Heute befinden sich in der Anstalt 823 Kinder, 478 Knaben und 345 Mädchen. Daß die Erziehung eine ausgezeichnete ist, zeigt sich durch die achtunggebietende und nützliche Stellung, welche viele der früheren Zöglinge in der Gesellschaft einnehmen. Sie sind unter den Kaufleuten, den Handwerkern, den Mechanikern, den Buchhaltern, den Stenographen und anderen nützlichen Gewerben zu finden. Eine Zahl der jüngst entlassenen Schüler erhalten ihre weitere Ansbildung in dem jüdisch-technischen Institut, andere haben sich dem Ackerbau gewidmet, mehrere qualificirten sich al« Theologen, wieder andere nehmen als Schüler an den Hochschulen und Universitäten zufriedenstellende Plätze ein. Wie weit die Hilfe, welche das Institut gewährt, in das gesellschaftliche Leben eingreift, ist am besten beleuchtet durch die interessante Schilderung, welche der Superintendent Dr. Baar in seinem Bericht liefert. Er führte da das Beispiel einer Wittwe an, welche einen Sohn und zwei Töchter in der Anstalt hatte. Von diesen erhält der erftere einen Wochenlohn von 20 Dollar als Zuschneider und die Mädchen einen Lohn von 14 Dollar, so daß die Familie jetzt ein ergiebiges Auskommen hat und in der denkbar glücklichsten Lage ist. Eine andere Wittwe, die einen Sohn und eine Tochter in der Anstalt hatte, ist wieder mit ihren Kindern vereinigt, die zusammen einen Wochenlohn von 35 Dollar erhalten, und so viele Beispiele. Anschaulich schildert der Superintendent die praktische Erziehung, die den Mädchen gewährt wird. Außer der Küche geschieht fast die ganze Arbeit der Anstalt durch die Mädchen. Im Ganzen finden etwa drei Dutzend Bedienstete Verwendung in der Anstalt mit ihren 823 Kindern. Diese Mädchen machen die 600 Betten, ehe sie zum Frühstück kommen, sie halten das Speisezimmer in Ordnung und kleiden die 300 kleineren Kinder an, ehe sie in die Schule gehen. Indessen bei aller Nützlichkeit, welche das Institut gewährt, hat die Zahl der beitragenden Mitglieder im vergangenen Jahre abgenommen, was zweifelsohne den harten Zeiten zuzuschreiben ist. Aber trotzdem führte Herr Jacob H. Schiff in seiner Ansprache nach Verlesung der Berichte Klage über die! mangelhafte Betheiligung der jüdischen Bevölkerung an den Liebeswerken, welche in den öffentlichen Anstalten ihre Bestätigung finden. Man hört so oft die Klage, meint Herr Schiff, daß die Juden New-Aorks übermäßig belastet wären in der Erhaltung der öffentlichen Anstalten. Es sei aber nicht so. ES fei eine Verleumdung, behaupten zu wollen, daß die 350,000 Israeliten der hiesigen Stadt nicht imstande wären, die Sorge für die Unglücklichen zu übernehmen, die der Hilfe bedürfen. Der Wehruf kommt nicht aus dem Munde derer, welche mit dieser Klage sich ihrer Pflicht zu entziehen suchen. Wenn all diejenigen, welche zur Erhaltung cer Anstalten beizutragen imstande sind, der Verpflichtung, welche sie ihrer Religion schulden, Nachkommen würden, so würden keine Klagen zu führen sein. Uebrigens waren die Ausgaben im vergangenen Jahre ungewöhnlich groß, da der neue Anbau eine Ausgabe von 75,000 Dollar erheischte, so daß mit dem Beitrag von 30,000 Dollar an die Vereinigten Wohlthätigkeits-Gesellschaften, 30o0 Dollar an das Technische Institut die Gesammt- Ausgaben für das vergangene Jahr auf beinahe 226,000 Dollar sich bezifferten. Vermischtes. Berlin. Eine vom verstorbenen Geh. Kommerzienrath Gerfon von Bleichröder testamentarisch angeordnete, mit einem Kapital von einer Million Mark dotirtc Ststtung, die zu Ehren seines Vaters den Namen Santuel Bleichröder« Stiftung führen soll, ist jetzt ins Leben getreten. In diesen Tagen ist den Testamentsvollstreckern der landesherrliche Erlaß vom 12. Mai d. I. zugestellt worden, wonach der Samuel Bleichröder-Stiftung zu Berlin die Genehmigung ertheilt und ihr auf Grund des Statuts vom 26 November 1896 die Rechte einer juristischen Person verliehen worden. Zweck der Stiftung ist bedürftigen lungenkranken Personen, die nicht als unheilbar zu erachten sind, ärztliche Behandlung und Pflege in einem Krankenhause unentgeltlich zu gewähren. Die Zulassung geeigneter Kranken ist weder durch Alter. Geschlecht noch religiöses Bckenneniß beschränkt. Das Stistungskapital beträgt eine Million Mark, wozu die feit dem Tode des Erblassers, dem 19 Februar 1693 lausenden und bis zu Beginn der Stiftungsthätigkeit anzusammelnden Zinsen treten. Das Krankenhaus soll allen Anforderungen der Wissenschaft und Erfahrung entsprechend eingerichiet und mustergilrig erhalten werden. Es wird zunächst für 20 Betten gestimmt. Aritzlar, 2. Juli. Eine erhebende Feier fand am 30. Juni Hierselbst statt. Galt es doch das neuerbaute Gotteshaus zu weihen. Schon früh hatte sich eine sehr große Anzahl Fremder in Fritzlar eingefunden, um an der Feier thcilzunebmen. Nachdem Herr Landrabbiner Dr. Prager aus Eassel einige Abschiedsworte in der alten Synagoge gesprochen, fand um 1 Uhr der Festzug statt. Unter dem Vorantritt des Musik- und Synagogen-Ehores bewegte sich der Zug mit den Thorarollcn durch die, mit Flaggen, Guirlanden und Tannenbiuimen geschmückten Strotzen nach der neuen Synagoge. Die ganze Stadt hatte Guirlanden- und Flaggen schmuck angelegt, ein Beweis, welche Eintracht zwischen den verschiedenen Eonfessionen hier herrscht. In der neuen Sunagoge angelangt, hielt Herr Landrabbiner Dr. Praaer eine

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