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Der Israelit · 1897-07-08 · Heft 54 (8.7.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 54 (8.7.1897)
Date
1897-07-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1051 Weiherede, in welcher er auf die Bestimmung de§ Gotteshauses hinwies. Auf fämmtliche Theilnehmer machte die Rede einen tiefen Eindruck. Nachmittags fand ein Mahl statt, an welchem außer einer Anzahl von Gemeinde-Mitgliedern, der Bürgermeister, der Stadtrath u. v. a. theilnahmen. Der Herr Regierungspräsident, Graf Clairon de Houffonville, welcher sein Erscheinen zugcsagt hatte, mußte in letzter Stunde wegen dienstlicher Verhinderung abtclegra phieren. Den Schluß des Festes bildete ein Fcstball, welcher die Theilnehmer bis zum frühen Morgen vereinigte. Pesth. Der gelehrte Direktor des Budapester statistischen Bureau's, der schon von so vielen gelehrten Gesellschaften des In- und Auslandes geehrt und ausgezeichnet wurde, i l dieser Tage vom „Hygienischen Verein" in Petersburg zu:n Ehrenmitgliede erwählt worden. Ob dieser hervorragende russische Verein weiß, daß Körössi Jude ist, ist nicht bekannt; Thatsache jedoch ist cs, daß diesem Verein auch einige Großfürsten als Ehrenmitglieder angehören. Feuilleton. Air NrirssgelMie« des Me» Moslhe Gerst». Nacherzählt von Arnold Mann. (t Um nun das Folgende zu verstehen und in seiner wahren Bedeutung zu würdigen, müsset Ihr über eine Handlungsweise im Klaren sein, die in kleinen Orten hierzulande fast schon zu einer festen Sitte sich gestaltet hat, und die dem Urquell des Neides und der Scheelsucht entsprungen, schon so manches Glück vernichtet, so manches Weh und Ungemach über unschuldiges Wesen verhängt hat. Kaum ein einziges Verlöbniß nämlich wird eingegangen, ohne daß die Stimme der Verleumdung mißtönig hineinschallt in den stillen Frieden. Immer finden sich Menschen, die ihrem Nächsten das Glück mißgönnen, das ihm widerfahren, und die mit gierigem Eifer bemüht sind, es ihm gründlich zu vergällen, wo nicht, es gänzlich zu zerstören. Der Vernünftige zwar wird bei all diesen Versuchen alsbald erkennen, woher der Wind weht und wird alle verleumderischen Versuche an dem Panzer seiner unerschütterlichen Treue abprallen lassen. Und dennoch, dürfen wir uns darüber wundern, wenn ein ahnungsloses Gemüth, dem die Schlechtigkeit der Welt ein unbekanntes Gebiet ist, die Lüge nicht von der Wahrheit zu scheiden vermag und zu glauben geneigt ist, wo zweifeln Pflicht wäre? In K., dem Wohnorte von Elias Friedmann's Vater, hatte die Ankunft des jungen Amerikaners, einen förmlichen Aufruhr unter der heirathslustigen weiblichen Jugend, wie unter den betheiligten Müttern hervorgerufen. Den galt es festzuhalten. So was kommt nicht alle Tage! Da war die dicke Frau Krämer mit ihren drei Töchtern. Wie ein Feldherr seine Soldaten, so wollte fie ihre Mädchen ins Gefecht schicken. Eine würde doch den hübschen Amerikaner zu erobern wissen. Da war der kleine Herr Lehmann mit feiner einzigen Tochter, an deren Versorgung er schon beinahe verzweifelte. O, wie lebte seine Hoffnung wieder aus, als der schlanke Elias Friedmann in K. zu bleiben schien! Wie lief er tagtäglich zu ihm hin, unterwürfig seine Dienste und seine Hilfe anbietend, wenn Elias irgend eines Rathes bedurfte! Wie wurde der kleine Mann, der sonst überall das große Wort führte und über alle Personen seiner Bekanntschaft Herzog, wie wurde er da so still und demüthig; galt es doch, feine Tochter, feine geliebte Rosa unterzubringen! Man kann fich somit die ganze Schwere de» Stimmungsrückschlags vorstellen, der in K. Platz griff, als dort die Verlobung Elias Friedmann's mit Dina Rosenstock bekannt wurde. Die dicke Frau Krämer zog ihre Truppen verzweifelt aus dem Gefecht zurück und der kleine Herr Lehmann fpie Gift und Galle gegen den hergelaufenen Ausländer, der nichts kann und nichts gelernt hatte, wie gegen David Rosenstock, über dessen Herkunft er schweigen wolle. Wieder war es Mai geworden. Der Frieden war geschlossen und die Truppen begannen das Feindesland zu verlassen und auf heimatblichen Boden zurückzukehren. Wieder war es einer jener herzerquickenden Maientage, an dem im verflossenen Jahre die Aussicht auf Elias Liebe zum ersten Male vor Dina'S beglückter Seele auftauchte, und wieder ging Dina's Weg die Lieberlsruhe hinan, an ihrer Seite Therese, die treue Gefährtin und geschickte Trösterin. O, wie oft hatten sie im Spätsommer vorigen Jahres das trauliche Plätzchen ausgesucht, wie oft im Schalten der kräftigen Eichen Stunde um Stunde verplaudert. Und nun wollten sie Abschied nehmen von der liebgewordenen Stätte, die so manchen stillen Mädchenseufzer, aber auch manchen Laut der Glückseligkeit erlauscht hatte. Was sollte auch Therese noch länger bei Dina; ihr Amt war erfüllt, ihre Aufgabe erledigt. Gram und Sorge hatte sie von der Seele der Freundin gescheucht — o, und jetzt waren die trüben Stunden vorüber, die ihre Thätigkeit in Anspruch nahmen, jetzt jauchzte ja Dina's Seele wicder auf in der Erwartung des Geliebten — was sollte sie da noch, deren Herz, von Männerliebe unberührt, der Freundin Glückseligkeit nimmermehr mitzusühlen vermochte. „Ich habe heute früh einen Brief von meiner Mutter bekommen," begann Therese nach einem langen Schweigen, in dem so recht die Wehmuth des Abschieds zum Ausdruck kam. „Nun, geht es ihr gut?" fragte Dina tbeilnahmsvoll. „Gott fei Dank ja," erwiederte Therese, „es steht aber noch mehr in dem Brief." „Und was, wenn ich fragen darf?" sagte Dina.

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