Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 54 (8.7.1897)
- Date
- 1897-07-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1049 Die hiefür zu verwendenden Drucksorten werden wir (nach beiliegendem Formulare) beistellen. Die Mitlheilungen der Vereine werden seitens unseres Armen-Amtes in einem Register systematisch zur Eintragung gelangen, wodurch das umfassende statistische Material, über welches wir bereits heute verfügen, im allseitigen Interesse namhaft vermehrt werden wird. Dieses Register wird den am Verbände theilnehmenden Vereinen zur Einsicht bereit gehalten werden. Es ist zu hoffen, daß sich durch die näheren Beziehungen zwischen unserem Armen- Amte und den verehrlichen Wohlthätigkeitsanstalten alsbald weitere Berührungspunkte ergeben werden zunl Zwecke der Ausgestaltung und Verbesserung der Armenpflege im Schoße unserer Cultusgemeinde. Allfällige Kosten für Copiaturen, Briefporto?c. :c. werden wir auf Verlangen bereitwilligst liquidiren. Indem wir einer geneigt zustimmenden Antwort entgegensehen, bitten wir um eine solche ehethunlichst, damit die geplanten Arbeiten mit Beginn des zweiten Semesters 1897 ins Werk gesetzt werden können. Mit besonderer Hochachtung Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde." Beschlossen wird ferner, die von mehreren hervorragenden Gemeindemitgliedern dem Cultusvorstaudc überreichte Denkschrift betreffend eine Reform der Armenpflege ehestens in Berathung zu ziehen. Rußland. $ Tiflis, 27. Juni. In Folge der Ausweisung der Juden aus Sibirien haben sich bekanntlich mehrere kleinere Gemeinden daselbst entschlossen, in corpore nach dem Kaukasus attszuwandern und sich daselbst neue Heimstätten zu gründen. Da jedoch nicht nur die klimatischen Verhältnisse in dem schon an Persien angrenzenden Kaukasus als in dem so nahe dem Eismeere gelegenen Sibirien, sondern auch die socialen und sprachlichen ganz andere sind — so wird im Kaukasus zumeist nur Persisch und Tscherkessisch, in Sibirien dagegen wieder Russisch und Tartarisch gesprochen — und so den neuen Einwanderern hier große Verlegenheiten bereiten könnten, so hat sich nun zu deren Unterstützung in unserer Gemeinde ein Komitee gebildet, dem Männer aus allen Ständen angehören. Die Mitglieder dieses Komitees gehen nun den neuen Einwanderern mit den nöthigen Rathschlägen zur Hand, bezeichnen ihnen die zu einer Niederlassung am besten geeigneten Ortschaften, versehen sie mit Empfehlungsschreiben :c. So ist es schon gelungen, den Neuangekommenen neue Heimstätten zu verschaffen, wo sie nun hoffentlich dauernd werden bleiben können. Bulgarien. ** Sofia (B lu tb eschulaigung in Bulgarien.) Der TargowSki Veftnik vom 6. Mai, der in Sofia erscheint, veröffentlicht folgende Notiz: Bet Gelegenheit des Osterfestes haben die bulgarischen Bischöfe die Popen versammelt und ihnen Entscheioungen mitgetheilt, die jüngst die heilige Synode über die Anklagen von Ritualmord, den man mit Unrecht den Juden vorwirft, gefaßt hat. Wir erfahren aus sicherer Quelle, daß der Metropolit von Sofia, ein sehr toleranter Mann, den Priestern energisch eingeschärft hat, allen ihren Einfluß zu benutzen, um aus ihren Gemeinden das berüchtigte Vorurtheil zu entfernen, daß die Juden Menschenblutes für gewisse Ritualceremonien bedürfen. Mit Recht glaubt man, daß die anderen Prälaten des Fürstenthums in demselben Sinne und Geiste gehandelt haben, da dies Jahr ausnahmsweise nirgends in ganz Bulgarien eine Anklage wegen Ritualmordes erhoben wurde. ** Namboli, im Juni. Der Metropolit von Sliwno, Monsignore Perwafsi, besuchte in den letzten Tagen unsere Stadt. Die hiesigen kirchlichen Behörden benachrichtigten den Direktor der Alliance- Schule von der bevorstehenden Ankunft und luden denselben ein, sich an dem Festzuge, der dem Prälaten entgegengehen sollte, zu betheiligen, was natürlich geschah. Monsignore Perwaffi ist einer der aufgeklärtesten Prälaten Bulgariens, einer von denen, die aus ihrer toleranten Gesinnung am wenigsten ein Geheimniß machen. Nach den üblichen Vorstellungen ließ Perwassi dem Herrn Direktor Erfrischungen anbieten, und lud ihn zu einem ländlichen Mahle ein. Der Prälat versprach, binnen Kurzem zu der jüdischen Gemeinde von Pamboli zu kommen, um zu wiederholen, daß alle Bulgaren Kinder eines Vaterlandes und denselben Gesetzen unterworfen, und daß alle Menschen ohne Unterschied der Religion Brüder seien. Diese Antwort, in diesem Augenblicke und vor einer Zuhörerschaft, die sich aus den Eivilbehörden von Sliwno und Pamboli, Abgeordneten der Sobranje und vielen Delegirten zusammensetzte, hatte eine große Wirkung. Einige Tage darauf hielt Monsignor Perwaffi eine Rede im israelitischen Club. Vor jüdischen Zuhörern sprach dieser orthodoxe Prälat mit Feiler für die Toleranz und das R>.cht aller Menschen, in Freiheit die von den Vätern ererbte Religion auszuüben. Amerika. ** New Bork. Der „New-Yorker Staats- Zeitung" entnehmen wir folgendes: Die in der jüngsten Jahresversammlung der Mitglieder der jüdischen Wohlthätigkeits- und Waisen-Gesellschaft zur Verlesung gekommenen Berichte waren ungewöhnlicher interessanter Natur. Der Präsident leitete seinen Bericht mit einer kurzen Geschichte der Entstehung und Entwicklung der Gesellschaft bis zur jetzigen Ausdehnung ein. Den Anstoß schien der vereinsamte Zustand eines jüdischen Soldaten gegeben zu haben,