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Der Israelit · 1897-07-08 · Heft 54 (8.7.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 54 (8.7.1897)
Date
1897-07-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1047 widersprechen den messianischen Verheißungen des JudenthumS, wie sie in der heiligen Schrift und den späteren Religionsquellen enthalten sind. 2. Das Judenthum verpflichtet seine Bekenner, dem Vaterlande, dem sie angehören, mit aller Hingebung zu dienen und dessen nationale Interessen mit ganzem Herzen und mit allen Kräften zu fördern. 3. Mit dieser Verpflichtung aber stehen nicht in Widerspruch jene edlen Bestrebungen, welche auf die Colonisation Palästinas durch jüdische Ackerbauer abzielen, weil sie zur Gründung eines nationalen Staates keinerlei Beziehung haben. Religion und Vaterlandsliebe legen uns daher in gleicher Weise die Pflicht auf, alle, denen das Wohl des Judenthums am Herzen liegt, zu bitten, daß sie sich von den vorerwähnten zionistischen Bestrebungen und ganz besonders von dem trotz aller Abmahnungen noch immer geplanten Congreß fern halten." Frankfurt <t. M , im 3uli. Ein bekannter jüdischer Professor in der Schweiz hat dieser Tage in einciu Wiener Blatte seiner Verwunderung darüber Ausdruck verliehen, daß dem noch lebenden Philosophen Nietzsche die Auszeichnung widerfahren, von einer Verlagsbuchhandlung unter die Klassiker der Philosophie eingereiht zu werden. Er knüpft daran die Bemerkung, daß unser Zeitalter einem Fanatismus der Raschlebigkeit verfallen sei. Die literarischen Moden brausen mit einem Ungestüm an uns vorüber, als brächten wir unser kurzes Leben in einem Blitzzug zu. Bis vor einem halben Jahrhundert fuhr matt aud) geistig noch m.t der Thurn und Taxis'schen Post. An den Stationen: Sturm und Drang, ClassicismuS, Romantik machte man gemüthlich Rast, um die gesammelten Eindrücke in sich zu verarbeiten, um sie durchzuleben. Ebenso haben Leibuiz, Kant, Fichte, Schelling und Hegel ganze Generationen in Athem gehalten, gedanklich durchdrungen und gesättigt. Heute rasen wir mit Blitzeseile an ge'.stigen Strömungen vorüber: Naturalismus, Verismus, Symbolismus, Prärafaelitenthum, Märchensymbolik u. f. w. heißen die Stationen, an denen wir letzlichr^orübergehuscht sind. Vielmehr als die Namen haben wir von dieser Jules Verne'schen Reise um die Weltliteratur in 80 Tagen nicht zu^ückbehalren. Kaum haben wir angefangen, unser Bewußtsein auf eine literarische Bewegung einzustellen — ein Pfiff der Lokomotive, das Bild ist vorbei. Die Scenerie hat gewechselt. Nicht anders ergeht es den übrigen Künsten, wenngleich das Tempo hier naturgemäß ein etwas gedämpfteres ist. Eine nervöse Ueberreiztheit des öffentlichen Urtheiles, ein athemloses Sichüberschlagen bilden auch hier die traurigen Symptome abwärtsgehenden geistigen Lebens. Auch in religiöser Beziehung wechseln die Moden im Sturm und was heute für religiös gilt, wandert morgen in die Rumpelkammer der vergangenen Saison. Heute Egidy, morgen ethische Kultur u. s. f. Das Judenthnm mit seiner ewig unwandelbaren Lehre hat die Jahrtausende hindurch allen Strömungen unerschütterlich Stand gehalten und auch den Galoppmarsch in unserem Jahrhundert unberührt an sich vorübersausen lassen. Die steilen Höhen seines Talmuds sind vor dem Anschwarm religiöser Salontyroler geschützt und keine deutschen Gebetbücher, weder der Zionismus, noch dessen Antipoden, die den Messias ausrotten wollen, vermögen eine Zahnradbahn zu bauen, um hinaus zu gelangen zu den Höhen unsrer Lehre. Das wahre Judenthnm uno seine Bekenner, das gemeinhin mit dem Namen Orthodoxie bezeichnet wird, sieht mit der größten Ruhe den Bemühungen dieser kleinen Geister zu und kaum, daß ihm deren Treiben ein mitleidiges Lächeln abringt. Etwas Anderes aber ist es mit der Ausübung der uns von Gott gebotenen heiligen Gesetze; in dieser Beziehung können wir niemals genug thun, und wenn Gefahr vorhanden ist, daß hierin Gleichgiltigkeit, Lässigkeit und JndifferentiSmuS eintritt, dann ist je raschere und intensivere Thätigkeit desto lobenswerther. Von dieser Ueberzeugung geleitet, haben vor länger als einem Jahrzehnt die hervorragenden Führer der gesetzesireuen Judenheit die„FreieVereinigungfürdieJnteressen des orthodoxen Judenthums" gegründet. Der Deutsch-Jsr. Gemeindebund war damals mächtig im Aufblühen begriffen, seine destructiven Tendenzen wirkten zersetzend in Stadt und Land und die „F. B." sollte ihm einen mächtigen Schutzdamm entgegensetzen. Leider konnte sich diese Vereinigung nicht so entwickeln, wie es in dem Plan jener großen Männer gelegen. Theilweise hohes Alter, theilweise körperliche Leiden verhinderten diese dem Unternehmen den nöthigen Aufschwung zu geben, und deren Nachfolger konnten trotz aller Mühe und allen Eifers es Jahre lang nicht fertig bringen, daß weitere Kreise für die Sache Interesse gewannen. Um so erfreulicher ist es, daß in neuester Zeit die „F. V." wieder zu neuem kräftigen Leben erwacht ist. Nachdem wir bereits zu Beginn dieses Jahres in der glücklichen Lage gewesen, von der wieder aufgenommenen Thätigkeit derselben berichten zu können, liegt uns heute wiederum ein stattliches Heft vor, das Mittheilungen des geschäftsführenden Ausschusses an die Vereinsmitglieder enthält. Gehen wir auf den Inhalt dieser Mittheilungen etwas näher ein, so finden wir al« ersten Punkt „Berücksichtigung des orthodoxen Judenthums von Seiten der staatlichen Behörden." Es handelt sich dabei gewöhnlich um Dispens von Arbeiten an Sabbaten, Festtagen und bei Familientrauer, sowie in Verabreichung von ritueller Kost bei

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