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Der Israelit · 1897-07-08 · Heft 54 (8.7.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 54 (8.7.1897)
Date
1897-07-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1046 geistreicher Mann, so wird der Zuhörer durch die Schärfe der Dialektik, durch den Esprit geblendet und nimmt rückhaltslos aus seinen Händen, was immer er bietet. Einem solchen Meister droht die große Gefahr, daß er durch seine Berühmtheit, durch seine Geistesgaben der Welt Unwahres als Wahrheit ausdrängt, nvx mpn b& *cr,rr „Das Siegel des Heiligen, gelobt sei Er, ist Wahrheit." Die Wahrheit muß auch dem Forscher im Gottesgesetz das Höchste sein. Der bedeutende, hervorragende Mann soll keine Ansicht als Wahrheit aussprechen, bevor er nicht unverdrossen eine Mauer um sein Wort aufgeführt hat und durch gewissenhafte Untersuchung festgestellt hat, daß sein Schutzwall ein fester, unzerstörbarer ist, der den heftigsten und gewichtigsten Angriffen gegenüber stehen bleibt, und das, was er schützen soll, auch sicher bewahrt. Gerade derjenige, welcher wegen seines Ansehens und seines Geistes fremde Angriffe nicht zu fürchten und nicht zu erwarten hat, muß, wenn er gewissenhaft ist, jede mögliche Probe auf die Richtigkeit und Wahrheit seiner Worte machen. Von dem Tana Rabbi Jose wird das «r gerühmt, daß jede Ansicht und Lehre, die er mittheilte durch unwiderlegliche Beweise fest begründet war, und er ist es, der durch die Höhe seines Ansehens bei den wahren Kennern der Thora, durch seine bewundernswerthen Charaktereigenschaften eine herrliche Illustration für das Gewicht des Boraitawortes bietet, das wir hier zu erklären unternommen haben. i:: xmr rutrcn cpc '.moa na^n rar pw'n heißt es von ihm: „Wie Rabbi Jose, wird entschieden, überall in der Mischna und Boraita seinen Genossen gegenüber, weil seine Worte auf gewichtigen Beweisen beruhen." Diese Eigenschaft, nichts zu sagen, was er nicht unwiderleglich beweisen konnte, zeigte er auch im gewöhnlichen Leben. Rabbi Jose konnte sich rühmen: ^™b t*thi t^ex xv -e-e. „Wenn ich über Jemanden etwas gesagt hatte und der Betreffende fragte mich, ob ich dieses von ihm gesagt hätte, so hatte ich nie nöthig mein Wort zrcrückzunehmen, weil ich von Anfang an nur die Wahrheit gesagt hatte." Rabbi Jose war so durchdrungen von der Ueberzeugung, daß ein wahrer Thoragelehrter nur nach ernster, gewiffenhafter Ueberlegung und Prüfung eine Behauptung aufstellen würde, daß er den Worten seiner großen Genossen im Lehrhause unbeschränktes Vertrauen schenkt. Von ihm wird uns der Ausspruch mitgetheilt: raatra :x jnv ’ian nn bv war xb *e'E r6iy m pr6 nbr nsn -h oneix ax jrrr ’JW. „Solange ich lebe habe ich nie den Worten meiner Genossen entgegengehandelt. Ich weiß von mir selbst, daß ich kein Kohen bin; wenn jedoch meine Genossen mir sagen würden, gehe mit hinauf zum Prrestersegen, so würde ich hinaufgehen." Wenden wir uns von diesem erhebenden Bilde aus einer großen Vergangenheit unserer schnelllebenden, eilig sprechenden und schreibenden Zeit zu. Kann man heute noch so fest auf die Worte der zeitgenössischen Lehrer der Thora bauen, wie es Rabbi Jose seinen Zeitgenossen gegenüber gethan hat? Ja; die wahren Thoragelehrten haben sich die Charakterfestigkeit der Alten bewahrt. Das rc-6 wa mwm wird heute noch von all denen befolgt, welche die Worte des Talmud heilig halten und die sich selbst an ihnen erziehen und bilden. Und G. s. D. bis in die jüngste Zeit herab hat es solche Männer gegeben, sie finden sich noch unter den Lebenden und jiAx ab ^xiL" es wird stets solche wahre Lehrer der Thora geben. Einen modernen Ausdruck für unser -"v nnrn erinnern wir uns in einer der polemischen Schriften Rabbiner S. R. Hirsch's gelesen zu haben. Rabbiner Hirsch sagt dort von sich ungefähr Folgendes. „Viel habe ich in meinem Leben gedacht, nur Weniges davon ausgesprochen; Manches habe ich gesprochen, nur Weniges davon niedergeschrieben; Manches habe ich geschrieben, doch nur einen kleinen Theil davon durch den Druck der Oeffentlichkeit übergeben. Jude bleibt Jude. Derjenige, der den Ehrenman des Jehudi in Wirklichkeit verdient, unterscheidet sich in den Grundsätzen, die sein Leben bestimmen, auch wenn er unser Jahrhundert ziert, nicht von dem großen Vorbildern unseres Volkes, die in fernen Zeiten und in fernen Ländern lebten. Auf vorschnell ausgesprochene Gedanken, auf blendenden und verwirrenden Redensarten bauten der Unglaube und dieReform im Judenthum ihr Zerstörungswerk auf. Dem wuchtigen Anstoß der unbesiegbaren Wahrheit können sie nicht Stand halten, ’xp xd xiptr *xp xcnp. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten uud Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 6. Juli. Der geschästsfübrende Vorstand des Rabbiner-Verbandes in Deutschland, die Herren Dr. Dr. Maybaum—Berlin, Horooitz—Frankfurt, Gutmann—Breslau, Auerbach—Halberftadt, Werner—München ersuchen uns um Abdruck folgender Erklärung: „Durch die Einberufung eines Zionisten-CongresseS und ourch die Veröffentlichung seiner Tagesordnung sind so irrige Vorstellungen über den Lehrinhalt des Juventhums und über die Bestrebungen seiner Bekenner verbreitet worden, daß der Unterzeichnete Vorstand des Rabbiner-Verbandes in Deutschland es für geboten erachtet, folgende Erklärung abzugeben: 1. Die Bestrebungen sogenannter Zionisten in Palästina einen jüdisch-nationalen Staat zu gründen.

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