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Der Israelit · 1897-07-08 · Heft 54 (8.7.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 54 (8.7.1897)
Date
1897-07-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXLHAH Jahrgang. Jfö Der Israelit^ Em Genlrat-Hrgan für das orthodoxe ZudenIHum. Begründet von Dr fe^mann in HMstnz Donnerstag, den 8. Juli 5857 (1887). Leitender Artikel. Sprüche der Wäter. Sechstes Buch. XXI. Mainz, 7. Juli. vir-ib a»o nwni „W e r für seine Worte einen Zaun mach t." Unter den verschiedenartigen Erklärungen, welche die Worte unserer Boraita gefunden haben, leuchtet die kurze Erläuterung Raschis b"itt so sehr hervor, daß nach einigem Nachdenken, eine andere Auffassung, als die dieses unerreichten Erklärers des Talmud, fast unmöglich erscheint. Raschi bemerkt zu unserer Stelle: bin in-i '-in ToynS rrxbnox x'Bvi ö’jb> „Er besitzt gründliche Beweise für seine Worte und bringt Belege um die Worte seines Lehrers den Menschen gegenüber zur Geltung zu bringen." :»d heißt Zaun und Schutzmauer. So auch in folgenden bekannten Aussprüchen in übertragener Bedeutung isv nimb „Machet (durch Vorbeugungsgesetze) einen Zaun um die Thora" np’nt? rraorb a«n „Eine Schutzmauer für die Weisheit ist das Schweigen" nmnh ra mco „die Maffora ist eine Schutzmauer für die Thora," iwvb j”o nntrj/c „Die Zehnten sind ein Schutz für den Neichthum." Nach diesen Analogien kann an unserer Stelle ris-ri» a«o nichts Anderes bedeuten als eine Schntzmauer, einen Zaun für die eigenen Worte. Der Jünger der Thora soll sich bemühen ft.r die Worte des Lehrers, die er weiter zu verbreiten hat, durch unumstößliche Gründe und Beweise eine Schutzmauer zu errichten; neue Erklärungen des vom Lehrer überlieferten Thorawortes soll er nicht eher als Wahrheit mittheilen, bis er genau Gründe und Gegengründe erwogen hat und so sich und seine Worte vor Widerlegung nach Möglichkeit geschützt hat. Eine zweifache Gefahr droht demjenigen, der das von Anderen ihm anoertraute oder selbst gefundene, geistige Gut vorschnell der Oeffentlichkeit übergiebt. Wer einen neuen Gedanken den Genoffen oder gar der großen Menge mittheilt, muß erwarten, daß das Neue, noch nie Gehörte nach Möglichkeit bestritten wird und dann erst Anerkennung findet, wenn es alle Kämpfe siegreich bestanden hat. Wer nun ungenügend gerüstet auf dem Kampfplatze erscheint, wird geschlagen und mag seine Sache auch die Beste und Richtigste sein. Wenn der Thorajünger in einem solchen Geisteskampfe besiegt wird, so wird er nicht nur darüber zu klagen haben, daß das Wort feines Meisters keine Anerkennung findet, nein, auch er wird sich leicht überzeugt halten, daß der so siegreich bekämpfte Lehrsatz unrichtig ist. Das Wahre und Gute, das er vom Lehrer vernommen, geht so nicht nur der Welt, es geht ihm selbst verloren. Und die Ursache dieses großen Verlustes ist nur darin zu suchen, daß er selbst durch Aufsuchen von Gründen, Beweisen und Belegen, durch Nachdenken über die Widerlegung aller möglichen Einwände sich nicht das Rüstzeug verschafft hat, das ihm und seiner Meinung zum Siege verhelfen muß. Wer die Lehre des Meisters schutzlos läßt und wehrlos sie sich entreißen läßt, der verliert leicht den besten Theil desjenigen, was er im Lehrhause empfangen hat, und muß darauf verzichten unter die gezählt zu werden, welche die Thora für sich erworben haben. Während die jetzt geschilderte Gefahr meist nur den jüngeren Schüler bedroht, so erwächst aus der vorschnellen Veröffentlichung einer Lehrmeinung, nach anderer Seite gerade für den gereiften und anerkannten Gelehrten eine noch größere Gefahr. Läßt sich die Welt von der Jugend nicht gern etwas sagen, so ist sie um so geneigter ohne lange Untersuchung auf die Worte des Alters zu schwören. Ist der Mittheilende ein scharfsinniger,

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