Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 53 (5.7.1897)
- Date
- 1897-07-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1034 unserer heiligen Lehre gehörte, wie wir dieses aus den Schilderungen des Direktor Hirsch kennen gelernt haben! Und so kann es auch kommen, allerdings zum Schmerz des Herrn Dr. S. und Consorten, daß das Begriffsvermögen der Königsberger Gemeinde wieder aufgefrischt wird, daß dort nicht mehr Namenjuden, sondern Thatjuden leben werden und auch dort sich das Prophetenwort erfüllt: ♦ enw nwwi tsdpoi i^n -prc *ipx rw mw Ieitung-nachrichte« und Eorresponderrze« Deutschland. R. Berlin, 27. Juni. In der heutigen, letzten diesjährigen Sommersitzung oer Repräsentanten der jüdischen Gemeinde theilre der Vorsitzende zunächst mit, daß für da» Erziehungshaus in Pankow die Herren Rechtsanwälte F e l i x Makow er und Eisner als Stellvertreter in das Curatorium gewählt sind. Zum stellvertretenden Caffenkontroleur, während der Ferien wurde Herr Profeffor Baginsky ernannt. In die gemischte Commission zur Berathung über den Handel mit Koscherfleisch werden die Herren Joseph Fränkel, Direktor Isidor Sachs, Gustav Löwenberg und Bernhard Sachs gewählt. Zur Renovirung des früheren Siechenhaufes werden 4278 M. 64 Pfg. bewilligt, zur Herstellung eines Fahrstuhles im Krankenhause 12,000 M., zur Errichtung elektrischer Beleuchtung in der Synagoge Kaiserftraße 3,500 M. gewährt. Es folgen Rechnungsabschlüsse, die sämmtlich dechargirt werden. — Unserer Repräsentanten wünschen wir glückliche Reise und fröhliche Heimkehr. —? Berlin Wieder einmal macht die Judenmlssion von sich reden. Sie hat am J8. Juni ihr alljährliches Fest abgehalten und über ihre Erfolge Bericht erstattet. Die Berliner Judenmission hat nicht sehr viel zu berichten, in Berlin arbeitet für sie der Pastor Biding, in Posen der getaufte Jude Levin, in Czernowitz Gottlob, ebenfalls ein getaufter Jude, während man für Breslau, wo früher auch eine Missionsstation war, keinen geeigneten Mann finden konnte. Im Ganzen hat sie im Laufe des Jahres 1896 glücklich 18 Juden gelaust, wieviel davon aus Ueberzeugung? Es ist immer gut diese Herren im Auge zu behalten, besonders den Herrn Levin in Posen, den es beliebt in jüdischen Kreisen sich als Jude auszugeben! Metz. Lothringen, 25. Juni. Da ich leider nicht in der Lage bin, in religiöser Beziehung Erfreuliches aus der hiesigen, uralten israelitischen Gemeinde, die in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts noch als bropn cmc tj? allgemein bekannt war, Jhn-m nlittheilen zu können, so will ich den Lesern Ihres geschätzten Blattes den ältesten Mann der hiesigen Stadt, den Pfründner im hiesigen israelitischen Hospital, Herrn Lion Eisenstein vorführen, der am 4. October d. I. ein Alter von 102 Jahren erreicht, verhältnißmäßiq noch rüstig und geistig sehr rege ist. Wenn in seiner Gegenwart Ereignisse aus der Vergangenheit zur Sprache kommen, dann greift er in die Erzählungen seiner viel jüngern Hausgenossen hier und da richtigstellend ein, ein Beweis für für die Gedächtnißftärke, deren er sich erfreut. Dann pflegt er auch schmunzelnd zu erzählen, daß ihm die Beiträge, welche er früher für seine Unterbringung im Spital zahlen mußte, seit dem Tage, an welchem er 100 Jahre alt geworden war, erlassen worden sind. Wenn ich vor fünfzig Jahren das hundertste Lebensjahr erreicht hätte, wäre ich heute ein reicher Mann. Sorget dafür, so schließt er gewöhnlich lächelnd diese Erzählung, sorget dafür, daß auch Ihr 100 Jahre alt werdet, damit auch I >r ein sorgenfreies Leben führen könnt. Wenn er von seinem hohen Alter spricht, pflegt er auch zu sagen, nächst G. habe er sein hohes Alter seinen frommen Eltern, deren einziger Sohn er war, zu verdanken, die, so oft sie sein Alter erwähnten, stets hinzugefügt haben, n:p ontw rw:. Uebrigens besaß die hiesige Stadt vor Kurzem eine alte Jungfrau, Fräulein Jeanne Lefcvre, allbekannt unter dem Namen „Mademoiselle Leanne," die am 7. Juni d. I. im Alter von 99 Jahren und drei Monaten gestorben ist, vor einigen Monaten noch rüstig war und ihre kleine Haushaltung ohne fremde Hilfe besorgen konnte. Oberehnheim t. E, 25. Juili. Gestern vor acht Tagen trug sich auf dem hiesigen Viehmai kt ein trauriger Fall zu. Unser Glaubensgenosse, der 52 Jahre alte I. Bader aus Dambach, Vater von 13 Kindern, stürzte plötzlich vom Herzschlag getroffen, todt zu Boden. Sein Neffe, Ch. Levy aus Mutzig, in dessen unmittelbarer Nähe dieses plötzliche Unglück sich ereignete, fiel vom Schrecken bewältigt neben der Leiche des Onkels hin, und man glaubte. auch ihn habe das Schicksal des unglücklichen Onkels ereilt. Erst nach langer und geraumer Zeit waren die Wiederbelebungsversuche von Erfolg begleitet. Nachmittags wurde der Verstorbene nach Dambach überführt, in seine Wohnung gebracht, wo die untröstliche Gattin, der man vorher schon die traurige Nachricht mitgetheilt hat, ohnmächtig zu Bette lag und die unglücklichen Kinder in herzzerreißender Weise den todten Vater empfingen. Freitag Vormittag fand die Beerdigung unter großer Betheiligung statt. Die Leichenrede hielt der Rabbiner von Baar im Hause des Verblichenen. An demselben Tag, fast zur selben Stunde brach über eine achtbare Familie in Osthofen ein noch schrecklicheres Unglück ein. Jakob Dreysuß, 64 Jahre alt, der länger als zwanzig Jahre an