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Der Israelit · 1897-07-05 · Heft 53 (5.7.1897) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 53 (5.7.1897)
Date
1897-07-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1032 keinen anderen Ausweg, als sich zu ihrer ältesten verherratheten Tochter zu begeben, die in Warschau lebte, während Therese beschloß, in Deutschland zu bleiben und sich durch ihre eigene Kraft weiter zu helfen. Sie hatte bei Rosenstock eine liebevolle Aufnahme gefunden; hier warf sie sich mii überaus emsigem Fleiße auf die Erlernung moderner Sprachen, deren Kenntniß ihr später zum Lebensunterhalt dienen sollte. So wurde Therese Erzieherin, ein Beruf, in welchem sie sich recht wohl fühlte. - Zur Zeit, als der Krieg ansbrach, war Therese Baum Erzieherin bei einer Familie in K., demselben Städtchen, in welchem Elias Friedmann's Vater gelebt hatte. Es kostete David Rosenstock Mühe genug, Therese zur Aufgabe ihrer dortigen Stellung zu bewegen. Rur durch das Versprechen eines bedeutenden Honorars brachte er es zu Stande, daß Therese ihre immerhin sichere Stellung verließ und die doch wohl nur bis zur Beendigung des Krieges währende bei Rosenstock annahm. Therese Baum war eine überaus innige Natur; sie schenkte ihre Freundschaft nicht vielen, aber wo sie Freundin war, da war sie es mit der ganzen Gluth ihrer Seele, mit einer tiefen Anhänglichkeit, der das geliebte Wesen über alles ging. Es lag etwas Schwärmerisches in diesem Freundschaftsgefühl. Andererseits war Therese wieder gegen Personen, die sie nichts näher angingen, von einer Herbheit, die fast dis zur Unnahbarkeit ausartete. So war es auch gekommen, daß Therese bald in das dritte Jahrzehnt ihres Lebens eintrat, ohne daß sie sich einem Manne genähert oder tiefer für einen empfunden hätte, obwohl es ihr bei ihrem unstäten Beruf, der sie bald nach Norden, bald nach Süden führte, an Gelegenheit nicht fehlte, sich einem männlichen Wesen anzuschließen. Die Männer hatten sie gleichgültig gelassen, sei es nun, daß jene durch Theresens beinahe abstoßendes Wesen vor ihr zurückschracken, oder daß ihr das Ideal eines Mannes, wie sie es nach aller Mädchen Art im Herzen trug,noch nicht begegnet war. Sie haßte nichts so sehr am Manne als Blasiertheit, Trockenheit, als jenes stillarrogante Wesen, in welchem sich schweigend und doch so deutlich die innige Vertrautheit mit allen Freuden des Lebens ausdrückt. So war die Mehrzahl der Männer gewesen, die Theresens Weg gekreuzt halten, von den Unwissenden und Ungebildeten, mit denen sie zusammengetroffen war, ganz zu schweigen. Therese war eine förmliche Männerfeindrn geworden; ihr Herz schien sich verhärtet zu haben. Der Umgang mit Therese schien in der That lindernd auf Dina Rosenstocks düstere Gemüthsstimmung einzuwirken. Therese verstand es meisterhaft, Dina zu zerstreuen, ihr Jntereffe auf allerlei Gegenstände hinzulenken und so allmählich das verzehrende Angstgefühl, von welchem Dina's ganzes Wesen erfüllt war, in eine still-vertrauende Hoffnungsfreudigkeit zu wandeln. Dieses Gefühl wuchs mit der Aussicht auf Beendigung des Krieges und mit den fortgesetzt guten und zufriedenstellenden Nachrichten, die von Elias eintrafen. Er war mancher Gefahr glücklich entronnen; der Geist seines seligen Vaters schien in der That schützend über seinem Haupte zu schwellen, ein Gedanke, dem er häufig genug Ausdruck gab und mit dem er die Versicherung verband, daß auch das Bild Dina's in allen bangen Stunden aufmunternd und belebend vor seine Seele trete. (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 9. Juli, 9. Thamus. Sabbat-Anfang in Mainz 8 Uhr — Min. Samstag, 10. Juli, 10. Thamus, Ni 'j 'D npn. Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt a. M. 9 Uhr 35 Min. — Berlin 9 Uhr 20 Min. — München 9 Uhr 03 Min. — Hannover 9 Uhr 34 Min. — Stuttgart 9 Uhr 23 Min. — Prag 9 Uhr 05 Min. — Straßburg 9 Uhr 20 Min Mittwoch 11. Julii, 11. Thamus, s"d myn ’sn. Der sraelit" erscheint wöchentlich ivelmal, Montage and Donneret**», jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbitytfl oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Fachhandel verkehrt kvrch «. />t»l»»lker, stohplatz 1«. — Inserate 25 Pfennig die 4spattige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im ReelametheÜ 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reich S-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franeo einzufenden. Ciae MstckseadUstg »au a» die «-datttou eingesandten Marrrrseripter, findet nicht statt, man ditttt deShald, stch von allen Einsendungen eine Eopie rurüikzudehatten. Jutzatt <cha«ptblatt). Leitender Artikel: Die Karlsruher Friedhofsfrage. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Hamburg. Hachenburg. Straßburg i. E. Aus Bayern. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Italien: Mantua. Rumänien: Bukarest. England: London. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Kriegsgeschichten des alten Mosche Gerson. Nacherzählt von Arnold Mann. (Fortsetzung.) Autzatt der erste« Beilage r Leitender Artikel: DaS Begriffsvermögen der Israelitischen Gemeinde zu Königsberg. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Metz. Oberehnheim i. E. Aus Württemberg. Griechenland: Korfu. Amerika: New-Aork. Persien: Teheran. — Getreu bis in den Tod. Von Maurice Macon. (Schluß.) Pädagog. Vellage. „Verein israelit. Lehrer Mitteldeutschlands." Protokoll über die am 26. und 27. Mai 1897 zu Gotha im Gasthof „zum Schützen" abgehaltene Konferenz. Verantwortliche Redactton: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wtrth'schen Hofbuchdruckerei-Actten-Gesellschast in Mainz. Hlerr« eins Beilage«.

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