Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 53 (5.7.1897)
- Date
- 1897-07-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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TORTTsW*1 VWMff -T -«MW','ML„lWMMUWWr>'MMWNSWMWMMMWWWWWWWWWW 1030 fortschrittliche Partei in Abstinenz steht, zu danken, daß seine Aeußerung nicht das ^entsprechende lEcho hervorrief. Italien. H Mantua, 15. Juni. Da der Talmud unter den Juden Italiens leider nur wenig und unter den Christen hierzulande selbstverständlich noch weit weniger bekannt ist, so hat es nun unser verehrter Rabbiner Professor Jesaias Levi unternommen ein Werk zu edrren, in dem er die Erhabenheit und Reinheit der Tugend- und Morallehren, die im Talniud enthalten sind, nachweist. Der Titel des Werkes lautet: ,..11 Talmud gindicatu dal professore Isaia Levi" und fand dasselbe hier eine beifällige Aufnahme. Da in Italien nicht nur die wenigen antisemitischen, sondern auch die katholischen Organe oft einen kleinen Feldzug gegen den Talmud organisiren, so werden dessen Gegner jetzt die Gelegenheit haben, sich eine bessere Meinung von der Erhabenheit dieses colossalen Werkes zu verschaffen. R u nl ä n i e n. ** Bukarest („Die Iudenfrage in Rumänien.") Unter diesem Titel publizirt soeben der Deputirte der rumänischen Kammer Bastle M. Cogalniceanu einen Vortrag, den er vor Kurzem in Bukarest gehalten hat. Er führt eine ganze Reihe von Aussprüchen hervorragender Politiker Rumäniens an, welche den rumänischen Antisemitismus als inhuman, ungerecht und unbegründet bezeichnen. Der Verfasser widerlegt die Fabel, daß die Juden im Besitze von beweglichen und unbeweglichen Gütern, den Einheimischen gefährlich werden könnten. Cogalniceanu sieht ein, daß eine vollständige Gleichstellung der Juden aus verschiedenen Gründen nicht allsogleich möglich wäre, weil der Antisemitismus leider sehr tiefe Wurzeln im rumänischen Volke geschlagen habe. Die Aufnahme der Juden in den Verband der rumänischen Nation sollte dafür allmählig und nach gewissen Kategorien erfolgen, und es sollte dies namentlich mit den einheimischen Juden geschehen. Von den 5.3 Millionen der Bevölkerung betragen die Juden 131.016, also 3.7 Perzent, welche somit keme Gefahr für das Land bilden können. Ueber 50,000 Juden haben bereits ihrer Militärpflicht in Rumänien genügt und bei jeder Gelegenheit ihre Pflichten als Staatsbürger erfüllt. Cogalniceanu appellirt an die Großmuth der rumänischen Nation, wie an den Gerechtigkeitssinn des Königs Caro! und fordert die Revision der rumänischen Aerfassung. welche sonst bei dem nächsten europäischen Kongresse von den vorgeschrittenen Mächten aufgezwungen werden dürfte. Letzteres kann Cogalniceanu und jeder billig Denkende mit Recht voraussetzen, denn es ist weltbekannt, daß Rumänien vom Berliner Congreß feine staatliche Unabhängigkeit unter der Bedingung erhalten hat, feinen jüdischen Bürgern die Gleichberechtigung zu verleihen. England. V London Unter den bisher von der Königin angelegentlich des 60jährigeu Regierungsjubiläums Ausgezeichneten, sind 3 Juden. Der Lord Major Sir Faudel Phillips ist Baronet geworden, Major Julian Lev er s o n, Negierungskommissar in Ma nikaland, erhielt den Orden von St. Michael and St. Georg, endlich erhielt der berühmte Gelehrte Dr. Haffkin, der siegreiche Bekämpfer der Pest, den Orden des Indischen Kaiserreiches. Haffkin, der der erste Jude ist, welcher den Orden des Indischen Kaiserreiches erhielt, ist Ihren Lesern bekannt ebenso der Lord Major, Major Leverson ist ein Londoner, der 1853 geboren, in der Militärakademie in Woolwich ausgebildet, sich im egyptischen Kriege von 1882 unb bann bei der Betschuanaland-Expedition 1884/85 auszeichnete. Er genießt einen großen Ruf als Militär. — Die kritisirenden Aeußerungen Zangwills über die Colonisation Palästinas haben einen Sturm der Entrüstung unter der hiesigen Chawawe Zion erregt, denn Herr Zangwill, der alles in allem einmal in einer Colonie gesrühftückt hat, kann kein eigenes Urtheil darüber haben, und in einer so wichtigen Sache hätte eine Person, wie Zangwill, der einen Volksrus genießt, doch vorsichtiger sein und sich nicht zum Mundstück übelwollender Personen aus Jerusalem hergeben sollen, welche der Colonisation grollen, weil sie ihr Interesse schmälert. Herr Lewin Gestein, der bekannte Administrator von Rechowoth, ist Herrn Zangwill im „Jewish Cronicle" in einem offenen Briese entgegengetreten, der nur vielleicht den einen Fehler hat, die Leichtfertigkeit des Herrn Z a n g - will nicht derb genug zu charakterisiren. Vermischtes. Arankfurt a. M (Israelitische Waisenansta l t). Dem 23. Jahresbericht der Israelitischen Waisen anstalt entnehmen wir, daß von den 34 Zöglingen der Knabenabtheilung, die am Schluß des vorigen Jahres sich in der Anstalt befanden, zu Ostern 5 entlassen wurden; einer davon wurde Gärtner, die andern kamen in Geschäfte in die Lehre. Im Herbst verließ ein Zögling die Anstalt, um, mit dem Maturitätszeugniß versehen, sich dem Studium der Medizin zu widmen Neu ausgenommen wurden 5. Die vier Lehrlinge blieben auf Kosten der Schiff-Stiftung in der Anstalt. Die Mädchenabtheilung zählte 19 Zöglinge, welche die Schule besuchen; zwei der Schule entwachsene Mädchen besuchen die Handelsschule auf Kosten der Drerffus-Stiftung. Die Knabenabtheilung, deren Raume bereits unzulänglich geworden sind, erhielt an Geschenken M 15,345, darunter M. 6500 von Freifrau o. Rothschild, M. 1000 von R. R. und M. 600 von Frau Herm. Rothschild; für bestimmte Zöglinge wurden M. 3205 gegeben. Die Jahresbeiträge