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Der Israelit · 1897-07-05 · Heft 53 (5.7.1897) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 53 (5.7.1897)
Date
1897-07-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1029 Der Saal war dicht gedrängt von Gästen, jüdischen und christlichen Glaubens, besetzt. Am Samstag Abend um 9xf2 Uhr begann das Festbankett und lange schon hatte die sternenhelle Nacht dem Tage den Platz geräumt, als die letzten Gäste sich entfernten. Möge dieses herrliche Fest noch lange in der Erinnerung der Bewohner unserer Stadt leben und dadurch das Band der Eintracht unter den verschiedenen Konfessionen Hierselbst sich noch fester knüpfen. Stratzburg i. <£♦, 25. Juni. Ein Aussehen erregender Fall, der sich Anfangs dieser Woche im hiesigen Bürger-Hospital ereignet haben soll, bildet das allgemeine Gespräch der hiesigen jüdischen und nichtjüdischen Bevölkerung. Ein armer, kranker polnischer Jude, der im hiesigen jüdischen Krankenhause keine Aufnahme fand, und gezwungen war, in dem hiesigen städtischen Bürger-Hospital sich aufnehmen zu lasten, ließ, da er sein Ende herannahen fühlte, den Herrn Oberrabbiner bitten, so schnell als möglich zu ihm kommen, um ihm die tw vorzusagen, damit er wenigstens als hi,t sterbe; da aber der Herr Oberrabbiner zu lange auf sich warten ließ und der Todesengel nicht gewillt war, noch länger in dem Bürger- Hospital zu verweilen, um die Ankunft des Herrn Oberrabbiners abzuwarten, so übernahm ein zufällig anwesender protestantischer Pfarrer die dem Oberrabbiner obliegende -wn nH'n-Pflicht, und er soll dem sterbenden htt nicht nur das Sündenbekenntniß, sondern sogar die msp vorgesagt haben. So lautet das allgemeine Tagesgespräch hier. Ob sich die Sache wirklich so zugetragen hat, werde ich ich Ihnen in meinem nächsten Brief mittheilen. Aus Bayern. In unserer Zeit, da man allseitig bestrebt ist, dem Handwerke recht viele Kräfte im Judenthum zuzuführen, dürfte eine Entscheidung der Generaldirection der Kgl. Eisenbahnen von allgemeinem Jntereste und für die betheiligten Kreise von Wichtigkeit sein. Für die bayrischen Eisenbahnen sind sog. Arbeiterfahrkarten eingeführt mit sehr geringen Tarifsätzen, für Arbeiter beabsichtigt, welche die ganze Woche auswärts arbeiten, also mit Beginn derselben zum Arbeitsorte, am Wochenschluß zum Heimathsort? fahren. Die Karten lauten natürlich auf Montag und Samstag. Der Sohn des jüdischen Handelsmannes R. in U., der als Spengler bei einem Meister in N. arbeitete, wollte nun die am Montag gelöste Fahrkarte zur Rückfahrt benutzen, da er als frommer Jsraelite am heiligen rotr weder arbeitet noch fährt, wurde jedoch vom Kgl. Bahnamte znrückgewiesen und ihm bedeutet, die Karte berechtige nur zur Fahrt am Samstag. Der Vater des Knaben wandte sich beschwerdeführend an das Kgl. Oberbahnamt Bamberg, wurde jedoch auch hier abgewiesen. Nun wurde ein Gesuch an die Generaldirektion eingereicht und in demselben besonder» betont, daß es sicher nicht im Sinne der hohen Behörde liege, sämmtliche Bekenner einer Konfession von vornherein von der Wohlthat der Einrichtung der Arbeiterfahrkarten auszuschließen. Die Kgl. Generaldirektion hat nun im Sinne des Gesuchstellers entschieden und da» Kgl. Bahnamt N. angewiesen, den Spenglerlehrling R-, wenn sonst nichts vorliege, unbeanstandet am Freitag auf seine Karte hin zur Fahrt zuzulasten. Interessant wäre es nun, zu erfahren, in welcher Weise in anderen Gegenden des Reiches derartige Bestimmungen interpretirt und gehandhabt werden. Jedenfalls haben wir alle Ursache, dankbar anzuerkennen, daß die oberste Centrale des bayr. Verkehrswesen einer engherzigen, pedantischen Auffassung entgegentritt und die Interessen der jüdischen Arbeiterschaft denen anderer Glaubensbekenntnisse gleich hoch hält und beachtet. —A.— O e st e r r. - ll n g a r. Monarchie. ** Wien, 25. Juni. (Wiener Gemeinderath.) Eine kleine confefsionelle Debatte brachte in die sommerliche Monotonie der heutigen Gemeinderathssitzung ein wenig Leben. Die Gemeinde wurde zur Abwechslung wieder einmal zu einer — wenn auch nur vorschußweisen — Beitragsleistung für die Hand- und Zugarbeiten bei einem Kirchen- und Pfarrhofbau herangezogen. Gemeinderath Brunner wies daraus hin, daß dieser unerträgliche Zustand nur dann ein Ende fände, wenn sich die katholischen Pfarrgemeinden endlich einmal in gesetzmäßiger Weise constituiren würden. Es sei aber ganz merkwürdig, daß nur die katholische Kirche von dem ihr zustehenden Rechte, ihre Angelegenheiten autonom zu verwalten, keinen Gebrauch mache und lieber bei jedem Kirchenbau mit dem Klingelbeutel betteln gehe. Dr. Porzer suchte zur Widerlegung Brunners das älteste Requisit der clericalen Polemik hervor und reclamirte für die Kirche wieder einmal die Einkünfte aus den Friedhöfen und Leichenbegängnissen; er denkt offenbar nicht daran, daß gewisse communale Finanzkünstler in dem Falle, als sie auf die genannten Einnahmen verzichten sollten, gleichfalls zum Klingelbeutel greifen müßten. Die Farbe gab Dr. Lueger der Debatte, indem er vom Bürgermeisterstuhle aus in zarter Weise auf die „Confiscation der Judengüter" anspielte. Eigentlich solle ein solches Benehmen im Hinblicke auf die noch unvergeffene Carricre des Herrn Bürgermeisters nicht Wunder nehmen; die Thatsache aber, daß der Vorsitzende einer Körperschaft von der Bedeutung des Wiener Gemeinderathes, so allen Begriffen von Objectivität und Würde Hohn spricht, ist so vereinzelt, daß sie selbst im Zusammenhalte mit der Person Lueger's die schmerzlichste Entrüstung hervorruft. Der Herr Bürgermeister hat es nur dem Umstande, daß die

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