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Der Israelit · 1897-07-05 · Heft 53 (5.7.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 53 (5.7.1897)
Date
1897-07-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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I -1 'n 1028 der Kolonie Maskereth - Bathjah (Ekron) werden Bäume und Pflanzen, sowie die während der Ausstellung erfolgenden Nachsendungen verbleiben. Um meinen Bericht nicht noch weiter auSzudehnen, werde ich in kürzester Zeit eine Fortsetzung bringen. Der Blumenflor der übrigen Ausstellung zeigt sich jetzt in ihrer größten Pracht. Der Fremdenzufluß, veranlaßt durch die in voriger Woche ftattgehabte Landwirthschaftliche Ausstellung, ist ganz enorm, er wird auch für das hier besprochene Unternehmen jedenfalls von Vortheil sein. — Hachenburg, 23. Juni. Eine erhebende Feier fand am Freitag, den II. und Samstag den 12. v. MtS. in unserer israelitischen Kultusgemeinde statt. Schon lange wurde das Bedürfniß in unserem engen Kreise empfunden, die dumpfen und engen Betfäle mit einem ansprechenden Golteshause zu vertauschen. Die erste Anregung zum Entschlüsse eines Synagogenbaues gab unser früherer Bezirksrabbiner, Sr. Ehrwürden Herr Dr. G o l d s ch m i d t, jetzt Großherzoglicher Stadtrabbiner in Offenbach a. M. durch eine zündende Rede. Das zielbewußte Vorgehen wurde von seinem Nachfolger, dem jetzigen Bezirksrabbiner, Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. E. Landau, durch das lebendige Wort und zu Herzen gehende Briefe von seinem Rabbinatssitze Weilburg aus fortgesetzt. Im Frühjahre vergangenen Jahres wurden die auf fruchtbaren Boden gefallenen Ermahnungen und Belehrungen in die Thal umgesetzt und im Frühjahre dieses Jahres ging der Neubau dieser Andachtsstätte seiner Vollendung entgegen. In unserer altehrwürdigen naffauischen Stadt, wo der Judenhaß fast keine Nahrung findet, waren an den Tagen der Weihe die Häuser der hiesigen Bürger auf das reichlichste decoriert, von der alten bis zur neuen Synagoge wurde eine Baumallee künstlich angelegt. Freitag um 4 Uhr nachmittags fand der Abschiedsgottesdienst in der alten Synagoge statt. Darauf hoben die Thorarollenträger die Thorarollen aus dem heiligen Schreine der alten Synagoge und trugen sie nach der Straße, wo ihrer der himmelblaue Baldachin wartete. Darnach hielt Herr Rabbiner Dr. E Landau eine ergreifende Abschiedsrede, in welcher er die Gemeinde ermahnte, ihren angestammten Väterglauben auch fernerhin zu bewahren. Nach Beendigung der Abschiedsfeier bewegte sich der wohlgeordnete Festzug nach der neuen Synagoge. Voran schritt ein Theil der Kapelle des 80. Infanterie- Regiments unter Leitung des hervorragenden Kapellmeisters und Komponisten Münch -Wiesbaden. Ihr schloß sich die israelitische Schuljugend, die Schlüsselträgerin Fräulein Seewald an, begleitet von zwei Ehrendamen. Dann folgten die jüdischen Kultusbeamten: Rabbiner, Lehrer und Kantor, die Spitzen der Kreis- und Stadtbehörde, und die Ehrengäste. Unter den letzteren bemerkten wir auch den evangelischen Geistlichen, Herrn Dekan Naumann und den katholischen Pfarrer Herrn I oft, beide Männer, welche die allgemeine Liebe ihren Psarrkindern von der Kanzel herab warm und unermüdlich ans Herz legen. Auch sehr viele der übrigen Beamten, sowie eine große Anzahl der Bürger Hachenburgs beehrten uns durch ihre Betheiligung am Festzuge. An der Mündung der Judengasse, in welcher sich die alte Andachtsstätte befindet, in der Kölner Straße nach der neuen Synagoge war ein Triumphbogen errichtet worden, mit dem jüdischen Wappen, dem ->n jjb geziert. Desgleichen ein solcher am Eingänge des Alcxanderringes, den der Festzug ebenfalls berührte und woselbst die neue Synagoge steht. An der neuen Betftätte angelangt, überreichte die Schlüsselträgerin dem Vertreter des beurlaubten Herrn Landrath B ü ch t i n g, Herrn Regierungsassessor Pah lke, den Schlüssel zum Haupteingange der neuerbauten Synagoge. In der kurzen, aber inhaltsreichen Ansprache erwähnte Fräulein Seewald unter anderem, daß die Aufgabe der Belehrung in dem Gotteshause sein müßte, Glauben und Vaterlandsliebe zu verketten. Darauf übergab Regierungsassessor Pahlke dem Herrn Rabbiner den Schlüssel, indem er einige herzliche Worte an ihn richtete. Herr Dr. Landau öffnete darnach die Thüre des Gotteshausesu nter tief empfundenen Worten und die Menge zog ein, während die Musik einen Choral intonierte. Nachdem das Publikum die Synagogensitze eingenommen hatte, erscholl der Ma larnvu-Gesang von dem unter der Leitung des Herrn Dirigenten Lehrer G ö r tz gut geschulten Synagogenchor. Die Leistungen des genannten Herrn verdienen ganz besondere Anerkennung. Der Kantor, Herr Lehmann—Weilburg erntete durch seinen gefühlvollen Vortrag, sowie durch seine wohlklingende Stimme reichen Beifall. Erwähnenswerth ist die Feftpredigt des Herrn Rabbiner an jenem Freitag Abend. Er sprach über den Zweck des Gottesdienstes und die Bedeutung der in der Synagoge sich befindlichen symbolischen Dinge. Um 1/a 7 Uhr am Samstag Morgen begann der Frühgottesdienst und um 9 Uhr der Hauptgottesdienst unter Mitwirkung des Synagogenchors. Die Festpredigt des Herrn Rabbiners enthielt ernste Betrachtungen über das, was unserer Gemeinde noth thut. Der gemüthliche Theil der Festlichkeit fand in dem geräumigen Saale des Herrn Gastwirth Friedrich statt. Fräulein Mathilde Kahn gebührt unter den Leistungen im Festsaale unstreitig den Löwenantheil. Sie verstand es, den Prolog gefühlvoll vorzutragen. Ihre Vortragsweise zeigte tiefes Verftändniß und stark ausgeprägten ästhetischen Geschmack.

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