Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 53 (5.7.1897)
- Date
- 1897-07-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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102t Gemeinde, die Ahnen des Kerns der ganzen heutigen Karlsruher Judenschaft, sie fühlten, sie dachten, sie lebten und lehrten in derselben Treue zum Religionsgesetze, wie es die Mitglieder der Religionsgesellschaft für sich unv ihre Kinder anstreben! Jeder jüdische Verein in Karlsruhe, ganz gleich, ob er der Thorapflege oder den Werken der Wohlthätigkeit gewidmet ist, er sammle seine Mitglieder, er trete bittend und sich beschwerend vor die Stadtväter hin. Jeder einzelne Karlsruher israelitische Familienvater setze, wenn dieses nöthig wird, seinen Namen unter eine Bittschrift, daß man ihm den Kummer und den tiefen Schmerz ersparen möge, die Stätte hoher Verehrung, den Olt, der soviel Liebe, soviel Wißen, soviel Heiliges birgt, zerstört zu sehen. Auch außerhalb der Stadt Karlsruhe wird kein wahrer Jehudi sein, der die Schritte der Karlsruher Brüder zur Rettung ihres Friedhofes nicht mit warmer Theilnahme begleitet. Der Ruf allein: „Das Grab des unsterblichen Verfasiers dieses tooru pip, die Ruhestätte des allverehrten Lehrers von ganzJörael, ist inGefahr", wird genügen,daß man allenthalben ängstlich auf den Erfolg der Vorstellungen, Gesuche und Bittschristen der Karlsruher Glaubensbrüder blickt. Der alte israelitische Friedhof inKarlsruhe darf nicht aufgelassen werden. Es wird dieses nicht geschehen, wenn die Mitglieder der Karlsruher israelitischen Gemeinde ihre Pflicht thun. Möge der Allgütige den Schritten unserer Glaubensbrüder Erfolg verleihen, möge Er sie Gnade finden laßen in den Augen der Leiter ihrer Stadt. .ros Zeititirgsttachrichterr und Korrespondenzen. Deutschland. ER. Berlin, l. Juli. Alte Recepte! 2l Herren versandten in diesen Tagen ein Circular an die Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde des Inhalts, man wolle dem Vorstande einen Antrag unterbreiten, er möge neben dem Sabbat-GotteSdienft eine feierliche Andacht mit Predigt an den Sonntagen in den Synagogen einrichten. — Ich gehöre nicht zu denen, welche ernstem Wollen schlechte Motive unterlegen, bemerke aber, genau so hat vor 5t) Jahren die hiesige Reformgemeinde angefangen. Neben dem Sabbat-Gottesoienst wurde ein feierlicher Sonntags-Gottesdienst eingerichtet und später der Sabbat- GotteSdienft gänzlich beseitigt. Auch irren die Herren Antragsteller, wenn sie behaupten, daß die Synagogen am Sabbat leer sind; in der alten Synagoge findet man, falls gepredigt wird, kein Plätzchen. Mögen jüdische Eltern dafür Sorge tragen, daß ihreKinder etwas lernen, ganz besonders auch die königliche Kunst des Entsagens, daß nicht Ehrsucht, Neid und Lüsternheit unter ihnen Platz greifen. Möge man sich hüten jene schmachvolle Zeit wieder heraufzubeschwören, in welcher ein David Friedländer zur Erhaltung des Judenthums Brücken für den Uebertritt zum Chriftenthum bauen wollte. Dem Judenthum ist die sogenannte Kirchlichkeit fremd. In dieser verwirrten Zeit wolle man doch das Wort des Propheten Jesaias beherzigen: „Suchet den Ewigen, da er sich finden läßt, rufet ihn an, da er nahe ist. Es verlaffe der Frevler seinen Weg und der Mann der Unthat sein Gedanken und kehre zurück zum Ewigen und er wird sich seiner erbarmen und zu unserem Gotte, denn reich ist er im Vergeben. Denn soviel die Himmel höher sind als die Erde, so sind meine Wege höher, denn eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken. —" Hamburg. (Von der Hamburger Gartenb au-Ausstellung.) „Spät kommt Ihr — doch Ihr kommt." Diese Worte unseres großen deutschen Dichters könnte man auf unsere Palästina-Ausstellung anwenden. Wie oft ist der Termin der Eröffnung hinausgeschoben worden, nicht zu überwindende Schwierigkeiten trugen allein die Schuld; nun haben wir sie endlich in Hamburgs Mauern und wenn ich schon einmal „geflügelte Worte" anbringen soll, so sage ich: „Ende gut — Alles gut." Am Dienstag Morgen II Uhr, begünstigt vom schönsten Sommerwetter fand die Eröffnung statt. Eine Flagge mit der Aufschrift „Palästina" zeigt den Besuchern das Gebäude der Ausstellung. Man hatte vornen beim Eintritt ein Diorama angebracht, worin einen Garten darstellend, verschiedene Bäume des heiligen Landes — dieselben wurden in riesigen Behältern hierher transportirt — sich befinden den Hintergrund bildet eine Dekoration der älteren und neueren Kolonien des heiligen Landes. Während die erfteren ganz den orientalischen Styl repräsentiren, fiel es auf, daß bei letzteren die Gebände ganz auf europäische Weise eingerichtet sind, ein eigenthümliches Bild ini Rahmen der orientalischen Umgebung. Die übrigen Räume des Gebäudes sind mit Erzeugnissen des Landes gefüllt. Es ist eine wesentlich vollständigere Sammlung, als das was bisher aus den Siedelungen am Jordan auf europäischen Boden gebracht werden konnte. Die Ausstellung umfaßt nicht nur die verschiedenen Weine, Weizen, Gerste, Sesam, Durrah, Erbsen, Bohnen, Linsen, Kartoffeln (letztere in riesiger Größe) den Honig, die Südfrüchte, Cocons, Seide rc., sondern auch zum ersten Male werden die lebenden Pflanzen-Bäume im vollen Blüthenschmuck vorgeführt, Palmen, Oliven, Orangen, Mandeln, Granaten rc. rc. Rosenwaßer, Parfüm's, ebenso die Erzeugniße des Handwerks, Baumwollengewebe, Schnitzereien. Die Ueberführung der großen lebenden Bäume, von denen allerdings die allergrößten auf dem Transport durch Seewasier litten, die Verschiffung von Jaffa nach Alexandrien und von dort nach Hamburg und vor Allem die Verladungsschwierigkeiten sind die Hauptgründe der langen Verzögerung gewesen. Unter Obhut des mit der Hauptsendung hierhergekommenen Gärtners, Herrn Glückmann aus