Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 52 (1.7.1897)
- Date
- 1897-07-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WWWMWWMWM^M 1011 Sache von einzelnen Rabbinern oder der Gesamtheit der deutschen Rabbiner vertreten wird. Wenn man sich im Einzelfalle zu einer gemeinsamen Aktive zusammenfinden durste, müsse auch eine Organisation gestattet sein. Er hoffe durch den Zutritt zum A. R. V. und gerade durch ein Möglichkeit auch religiöse Fragen zur Rede zu bringen, viel Gutes zu wirken. Das Princip des Nichtzusammengehcns mit andersgesinnten Eollegen sei in Bayern langst durchbrochen worden. Er glaube, daß die Frage des Anschlusses nicht discutirbar sei, da hierin jeder seinem Gewissen folgen müsse, wohl aber sei abzustimmen, ob die Vereinigung solche Mitglieder ausnehmen wolle. Königsberger—Pasewalk schließt sich den letzten War, ten H.'s an. Bondi—Mainz: Die Opposition gehe nicht vou Rabbi, nern der Separatgemeinden aus. Er sei ursprünglich in den A. R.»P. eingetrrten, habe aber eingesehen, daß die Frage der Diskussion religiöser Fragen mehr als erwartet in den Vorder» arund geschoben wurde; dieser Eindruck sei durch die Ver» öfsentlichungen deS A. R.-B. ttnd durch jouraliflische EntrefiletS verstärkt worben, und so habe die Meinung in Lairnkreisen sich festgesetzt, als solle ein Ausgleich der religiösen Gegensätze herbeigeiührt werden. Das sei aber unmöglich und der Versuch irreführend. Im Hintergrund lauere der Gedanke an ein Konsistorium mit seinen unheilvollen Folgen. Ebenso bedenke der Anschluß an den A. R.-D. eine Gefahr der Irreführung für die lüngere Rabbinergeneration. Gerade darum empfehle er aber den Anschluß an die Vereinigung, und wenn auch jetzt noch einige Mitglieder derselben dem A. R.»V. angehörcn, so werde die Zeit schon kommen, wo auch sie gezwungen wären auSzuscheiden. Inzwischen ist ein Antrag Mannheimer (Oldenburg) eingegangen: „Eine Theilnabme an dem A. R.»V. bleibt jedem Einzelnen überlassen." DaS Bureau hält den Antrag für einen solchen auf Schluß der Debatte. Diese wird bei der Abstimmung obgklrhnt-, die merltorische Behandlung deS Antrages M. für den Schluß Vorbehalten. Auer bach—Halberstadt vertheidigt die Möglichkeit eines Zusammenwirkens mit Andersgesinnten, ohne daß Jrrthümer oder Gefahren erwachsen. F eilch en seid—Posen : Er sei einer der Ersten gewesen, die von einem Anschlrlsse an den A. R.-B. abgerathen. Die Gründe habe er in einem Schreiben, welches er auch dem Vorsitzenden zugänglich machte, entwickelt. Er hätte nur ein Zusammengehen von Fall zu Fall in freier Vereinigung gewünscht. Dagegen sei er ein ebenso warmer Freund der heute definitiv zu begründend u Vereinigung, die den Beitritt zum A. R.--V. dem Ermessen der Einzelnen überlasse. Er halte diesen für einen Fehler, wolle aber ernsthaften Männern seine Meinung nicht octroiyren und bitte auch andere College« in diesem Sinne m verfahren. 6 0 hn—Kattvwitz stellt seine Worte gegenüber Bondi dahin richtig, daß er nicht gesagt, alle Divergirenden seien Rabbiner von Separatgemeinden. Koh n—Ansbach rechtfertigt die Haltung der Bayer. Rab» biner. Dort könne jeder Antrag bei genügender Unterstützung von der T.-O. verdrängt werden. Redner perorirt die süddeutschen College« nicht intransigent zu bleiben und die größeren Gesichtspunkte nicht aus den Äuget» zu lasten. Die ,Vereinigung" solle nicht, wie behauptet, eine moralische Stütze für die Freunde deS „VerbandeS" sein und diese wollten auch gar keine Stütze. — Ein Antrag Wreschner (Samter) auf Schluß der Debatte ohne Anhörung der Rednerliste wird, nach» den» der Antragsteller dafür, A. Biberseld (Berlin) dagegen gesprochen, abgrlehnt. Ein Antrag Kohn IAnsbach) ans Schluß mit Anhörung der Rednerliste angenommen. Hirsch—Hamburg warnt vor sofortiger Constituirnng. Eine solche könnte zu einer völligen Spaltung in unseren Reihen führen. Ein Zusammenhang mit dem A. R.»V. sei nun einmal scheinbar vorhanden. Man sollte das Durchdringen der Aufklärung abwarten und später wieder einmal Zusammenkommen. Munk—Marburg: Der Vorstand müsse heute geschaffen werden, dieS sei daS einniüthige Verlangen aller Freunde dieses Gedankens. Er beantrage folgende Erklärung in da« Protokoll aufzunehmen: „Die heutige conüituirende Versammlng der Vereinigung tr. gstr. Rabbiner Deutschlands erklärt, daß sie die Frage der Zugehörigkeit zu dem A. R. R. dem Ermessen jede- Einzelnen überläßt und als solche keinerlei Beziehungen zu jenem unterhalt." A. Bieber selb—Berlin exemplicirt aus dir Vorgänge in talmudischer und späterer Zeit, wo man der Diskussion mit religiösen Gegnern nicht auS dem Wege gegangen sei, sondern sie in ihren Eonvertikeln ausgesucht habe. Nur indem man auch heute so verfahre, könne man die auf die Unwiffenheit der Massen basirten Erfolge der Gegner wirksam bekämpfen. Cahn—Fulda hält dem die historische Entwickelung deS gesetzestreuen Gedankens in Deutschland entgegen. Der bescheidene Erfolg, den wir errungen, fei nur unserer Absondr ung zu danken, Die Wirkung eines geschloffenen Ansireten» nach außenhin werbe überschätzt. Löb— Emden begreift nicht, wie man die Frage, ob Anschluß an A. R.-V. mit der Frage, ob Anschluß an Bgg. oerauicken könne. Redner perorirt Cahn im Interesse der Sache keine Principienreiterei zu treiben. Ho r o v iß -Frankfurt a. M. weist die Supposition, als solle die Vereinigung eine „Rettung" oder „Stärku g" für die Anhänger des Anschlusses an den A. R -V. sein, entschieden zurück. Er brauche diese nicht und fühle sich durchaus nicht als Angeklagter. Er betont nochmals die Wichtigkeit auch der Glaubenstreue und weist die Wichtigkeit einer Erklärung gegen die Erschütterung der Autorität der Halachah an einem konkreten Falle nach. — Die Rednerliste ist erschöpft. Zn dem Anträge Munk beantragt Auerbach (Halbcrstadt) folgenden Zusatz im Eingang: „Um mehrfach hervorgelretcncn Jrrthümmcrn zu begegnen, erklärt usw." — Der Antrag wird in dieser Fassung einstimmig angenommen. Der Antrag Mannheimer ist dadurch erledigt. — Es folgen persönliche Bemerkungen von H. Hildesheimer (Berlin) und Löd (Emden) über die Aufgaben, welche der jüdischen Journalistik erwachsen. Hierauf tritt um 5 Uhr eine Pause von t Stunde ein Die bisherige ununterbrochene Fortführung der Debatte war durch die dankbar anzucrkennende Aufstellung eines Buffets in einem Nebenraumc seitens des Vorstandes der Jsr. Syn.-Gem. (Ad. Jisroel) ermöglicht worden. Fortsetzung 6h« Uhr. Der Vorsitzende theilt eine Einladung des Vorstandes der Jsr. Snn.-Gem. (Ad-J.) zu einem Festmahl für heute Abend 9'/« Uhr mit. Auerbach—Halberstadt resumirt: Die definitive Eonstituiruug 'ei erfolgt, nachdem allseitig anerkannt wurde, daß die Vereinigung eine Nothwendigkeit sei. Ebenso sei die ehrliche Absicht, das Beste 77IN ro)£37 m wollen, von beiden Seiten gegenseitig anerkannt worden. Lediglich Opportunitätsgründe verhinderten für den Augenblick den Beitritt der disscntirendcn College«. Wir achten diese Gründe, erwarten aber auch, daß auf jener Seite sowohl in Gesprächen, wie in schriftlichen und mündlichen Urtheiien Alles vermieden wird, was den Ausgleich stören und verbittern würde. — Es wird nunmehr in die Berathung des St. E. eingetreten. Nach Beschluß der gestrigen Versammlung stehen nur die 1. 2. 3 und 8 zur Berathung. $ 1 wird, nachdem auf Antrag Königsbergcr das Wort „der" gestrichen, angeuommen. Zu $ 2 liegt ein redaktionelles Amendement Feilchenseld vor für Aktionen: Unternehmungen zu setzen. — Schlesinger beantragt noch einzufügen: „und durch Abwehr gegen Angriffe von außen und innen zu schützen."