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Der Israelit · 1897-07-01 · Heft 52 (1.7.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 52 (1.7.1897)
Date
1897-07-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1003 Zettrmg-nachrichterr und Correfpottdenze«. Deutschland. ** Bltlitt, 27. Juni. Ueber die Gründe seines Austritts aus der deutsch-socialen Reform- Partei macht der Aög. Dr. F ö r st e r in einem Schreiben an die Partei, das in der antisemitischen „Hann. Post" veröffentlicht wird, folgende Angaben: Ich könnte allerlei anführen, begnüge mich aber mit dem folgenden: Fraktionssitzungen sind seit Monaten gar nicht mehr abgehalten worden, früher auch nicht in genügender Weise. Die beiden Wahlen in Königsberg und Wiesbaden sind nicht besprochen, kein Entschluß ist gefaßt worden. Der nächste Parteitag hätte m. E. längst vorbereitet werden müffen, soll er nicht eine ziemlich belanglose Zusammenkunft, wie der in Halle, werden. Dazu hätten denn auch die Dr. Stolp'schen Sätze mit besprochen werden müffen, die wohl umständlich, aber doch geeignet sind, uns ein Stück vorwärts zu bringen. Und gerade in der socialen Politik fehlt es uns noch an der rechten Stellungnahme und an der rechten Auslegung unseres vorläufig brauchbaren, indeß doch nicht ausreichenden Programms. Mittelstand und Mittelstand, darauf sitzen wir fest, ohne daß recht ersichtlich wird, was wir wollen und was wir nicht wollen. Von dem überaus mangelhaften Besuch des Reichstags auf Seiten unserer Fraktion, von unseren ganz unzureichenden Preßverhättniffen will ich nicht weiter reden. Die Folgen jenes Besuches und des Mangels an aller Beredung ist, daß die Stellung zu den wichtigsten Gegenständen dem Belieben des Einzelnen überlaffen bleibt. Und demgemäß wird unsere Bewegung auch im Lande keine rechten Fortschritte machen. Stillstand und Mangel am Leben überall! Oder zu viel Leben, das heißt oberflächlicher Radau mit verbrauchten Schlagworten! Welchen Werth hat die Zugehörigkeit zu einer solchen Partei! Und welche Lücke andererseits reißt mein Austritt in das Parteigefüge! Man wird nicht bezweifeln können, daß Dr. Förster die Zustände in der Partei, der er bis dahin angehört hat, genau kennen muß. Die Antwort der Partei auf die für sie recht unangenehme Erklärung des Dr F ö r st e r besteht zunächst darin, daß sie verkündet, den Wahlkreis Neustettin als zum Besitzstand der Partei gehörig zu betrachten und „die entsprechenden Folgerungen" für die nächsten Wahlen zu ziehen. Frankfurt 28. Juni. Der Verein „Lemaan Zion" (Palästinensischer Hülssverein) hielt gestern dahier unter dem Vorsitz des Herrn Dr. Heinemann seine Generalversammlung ab. In der Berichtsperiode 1893—1896 behandelte der Vereinsarzt in Jerusalem ca. 52 000 Kranke in der Sprechstunde und machte ca. 8000 Krankenbesuche. Die Kosten für den Arzt und die Apotheke beliefen sich auf Fr. 53 500, wovon Fr. 30 250 wieder eingingen. An 125 Personen wurden Darlehen in Höhe von Fr. 10 320 gegeben; die Rückzahlungen beliefen sich in diesem Zeitraum auf Fr. 9155. Für kleine Unterstützungen wurden Fr. 1475 ausgegeben und jungen Leuten zur Ausbildung in Europa 1850 Frs. gewährt. In Posten von 40 und 60 Frs. wurden Lehrgelder für Handwerkslehrlinge in Höhe von Frs. 3800 bewilligt. Dem arabischen Unterricht in der Talmud Thora der Sephardim und Moghrabim in Jerusalem, sowie in Hebron waren Frs. 3270 gewidmet. Für den Unterhalt von Lehrer und Schächter in Ramleh, Schochan und Lud, sowie für Errichtung und Erhaltung der Gemeindeinstitutionen daselbst wurden Frs. 3800 ausgegeben. Zur Unterstützung des Arztes in Gaza dienten Frs. 125, des Arztes in Hebron Fr. 375, des Arztes in Tiberias Fr. 200. Dem Krankenhülfsverein Linoth Zedek in Jerusalem wurden Instrumente im Werthe von Fr. 368 gesandt. Während des Winters wurden den Unbemittelten Kohlen unter dem Einkaufspreis überlaffen, was Fr. 500 Kosten verursachte. Den Handwerkslehrlingen in Jerusalem und Hebron wurde Thora-Unterricht ertheilt und hierfür Fr. 1175 bezahlt. Im Ganzen betrugen die Ausgaben Fr. 53700. Seit Bestehen des Vereins bis Ende 1895 sind von den Darlehen in Folge Todes oder Auswanderung der Schuldner nur Fr. 2150 verloren gegangen. Die turnusmäßig ausscheidenden Verwaltungsräthe Rabb. Dr. Hildesheimer-Berlin, Dr. Heinemann, Alfred Geiger, Wilh. Posen, Hermann C r a m e r —Frankfurt, Emanuel B a um garten—Wien und Sir Samuel Montagu Bart.—London wurden auf 9 Jahre wieder- und statt des ausgetretenen Benjamin Feuchtwanger—Fürth, Sally Golds ch m i d t—Frankfurt neugewählt. Einige andere durch Tod und Austritt entstandene Liicken wurden durch die Wahl der Herren Rabbiner Dr. S t e i n— Schweinfurt, Rabbiner Dr. C o h n—Ansbach, Rabb. Dr. Cohn—Jchenhausen, Sig. Frankel—München, Herm. S. Cramer—Fürth und M. Goldberg —Karlsruhe ergänzt. Oest err.-Ungar. Monarchie. ** Pretzburg, 27. Juni. Die Preßburger orth. isr. Kultusgemeinde hat vorgestern einen großen Tobten zu Grabe gebettet. Das hervorragendste, tüchtigste, edelste Mitglied dieser Gemeinde, es ist mit M. C. Bettelheim aus dem Leben geschieden. Eine Säule des orth. Judenthums des Landes sowie der hiesigen orth. Gemeinde, zeichnete sich der Verstorbene durch seinen klaren, Hellen Verstand, durch eine nicht gewöhnliche Jntellegenz sowie durch jenes feine, ja

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