Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 52 (1.7.1897)
- Date
- 1897-07-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1004 WPWMWWWWW^WWWW noble Entgegenkommm au», welche» die hier erbgefeffenen Familien Bettelheim und Pappenheim so vortheilhaft kennzeichnet. Wir müssen gestehen: vir kennen hier in Preßburg keinen Zweiten, der in so hervorragender Stellung bei seiner Gemeinde, seinen Glaubensgenossen, eine solch' bewunder»werthe Bescheidenheit sich zu bewahren wußte, man mußte es auf den ersten Blick herausfinden können, daß Takt, Noblesse und ein gewisses Zartgefühl für den Nebenmenschen, selbst dann, wenn derselbe eine ganz untergeordnete Lebensstellung inne hatte, dem Manne angeboren und zu den Familientraditionen seine» Hause» gehört haben mußte. M. C. Bettelheim war lange Jahre hindurch Vorsteher der hiesigen orth. Gemeinde, sowie Prüfe» resp. Mitglied sämmtlicher isr. WohlthäligkeitS-Jnstitutionen. — Das Mädchen-Waisenhaus verdankt fast ihm allein sein Entstehen, ebenso wirkte er eifrig bei Gründung de» irr. AlterS-BersorgungShause» mit. Er war ein warmer Protektor der hief. Rabbinatsfchule, deren Zöglinge er mit ganzem Herzen und vollen Händen unterstützte. Das Ansehen und die Ehre der orth. i»r. Gemeinde ging ihm über Alle» und e» gab Zeiten, wo durch sein taktvolle» Eingreifen der hies. Gemeinde viele unliebsame Erfahrungen erspart blieben. Ohne sich in den Vordergrund stellen zu lassen, nahm er selbst dort, wo er gerade nicht das Präsidium hatte, eine dominirende Stellung ein, ja sein Rath, seine Ansichten, sein Wirken, sie waren weit über die Grenzen Preßburg» hinaus geschätzt und geachtet. — M. C. Bettelheim, der auch zu wiederholten Malen als Stadtrepräsentant fungierte, war auch Mitglied der hiesigen Handels- und Gewerbekammer. Als Mitglied der Schulkommission der orth. israel. Kultusgemeinde hatte derselbe Jahre hindurch vollauf Gelegenheit, eine intensive Thätigkeit zu entfalten. Er unternahm viel zur Verbesserung der Schulverhältnisse, war den Lehrern ein warmer Freund und treuer Berather und Niemand, wie er, verstand e», durch sein bekanntes, mehr als höfliches nobles Entgegenkommen diesen gegenüber, sich die vollste Sympathie derselben zu erwerben. M. C. Bettelheim war nicht nur eine Zierde, der Stolz seiner Gemeinde und Glaubensgenossen, sondern auch sonst in weiten Kreisen in Preßburg geachtet und geschätzt. Dies zeigte sich in eklatanter Weife bei seinem vorgestern stattgehabten Leichenbegängnisse, welches unter riesiger Betheiligung aller hiesigen Kreise sich geradezu imposant gestaltete. Se. Ehrwürden Oberrabbiner B. Schreiber widmete dem Verstorbenen einen tiefergreifenden Nachruf, in welchem er den Verlust der hiesigen Kultu»gemeinde, sowie die unvergänglichen Verdienste de» Dahingeschiedenen um seine Glaubensgenossen in treffenden Worten kennzeichnete. Außerdem sprach noch Rabbiner Samuel Donath am offenen Grabe. E» war eine Trauergemeinde im eminenten Sinne de» Worte», die vorgestern Bettelheim da» letzte Geleite gab. Unter den Trauergüsten bemerkten wir auch Handels-Akademie- Direktor Jonas, Vize-Schulinspektor Papp, Rabbiner David, Vorsteher Fischer u. A. m. Wie bekannt, hatte der Verstorbene, der ein naher Verwandter des bekannten Stadtrepräsentanten und Sparkaffendirektors H. F. Bettelheim war, wiederholt die Ehre, als Deputationsmitglied der isr. Gemeinde, vor den Stufen de» Thrones vorzusprechen, bei welchen Gelegenheiten er sich durch seinen hellen Verstand sowie seine Intelligenz vortheilhast bemerkbar machte. Der Hingang Bettelheims läßt eine fast unausfüllbare Lücke am Gemeindewesen der orth. KultuSgemeinde zurück, die wohl schwer ganz ausfüllbar sein dürfte. n'MJTW ** Lemberg. (Gemeindestatut.) In einer Lemberger Correspondenz vom 4. d. M. der „Oesterr. Wochenschrift" wird über unser Gemeindestatut berichtet : „Da» Statut sei nur wegen einiger formellen Bedenken an den Vorstand zurückgeleitet worden. Der Cultu«ra1h habe unter Berücksichtigung einiger von den Protestirenden vorgebrachten Wünsche da» Statut fast in derselben Gestalt wie früher angenommen. Hienach stellt sich die Gemeinde zwei vollkommen gleichberechtigte Rabbiner an: einen der conservativen Richtung und einen der fortschrittlichen, nur der Magid erhält den Titel Synagogenrabbiner. Diese drei Rabbiner, von denen der vom Vorstande von Fall zu Fall hiezu designirte Rabbiner den Vorsitz führt, bildet da» Lemberger Rabbinat." Da man den Vogel an seinen Federn kennt, schreibt der „Lemb. Isr.", so wissen wir sofort, von wem diese Berichte stammen, die offenbar die Conservativen zu kränken und den Gemeindefrieden zu stören bestimmt sind. E» ist notorisch, daß da» ursprüngliche vom Cultusvorstande verfaßte Musterstatut in Folge Opposition des CentralcomilsS in seinen wesentlichen Punkten wie: Stempelsteuer, Schlachtgebühr, Beerdigungstaxen, Synagogen- und Tempelsitze, Aufgebottaxen zu Gunsten der Gemeinde ganz geändert wurde. Was die Rabbiner anbetrifft, haben nur Rabbiner der conservativen Richtung da» RabbinatSkollegium (Dajonim) bei sich und führen den Vorsitz in demselben und haben in allen rituellen Fragen zu entscheiden. Nur sie allein können Scheidungen und Chalizah vornehmen. Nachdem da» Statut dem Vorstande von der hohen Statthalterei auf Grund de» Protestes der Opposition zurückgewiesen, wurde auch eine weitere Vereinbarung bezüglich der Recurse, Statutenänderung, Enthebung des Rabbiner», Jngerenz de» Vorstandes in den Privatbethäusern getroffen. Ebenso wurde vereinbart, daß die Synagoge und da» Juspectorat der Talmud-Thora und Jeschiwo», sowie die Verfügungen, die dortselbst zu treffen find, W