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Der Israelit · 1897-07-01 · Heft 52 (1.7.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 52 (1.7.1897)
Date
1897-07-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1002 zum Studium der Thora durchaus nothwendig ist. Die Thora wurde dem Geschlechte unseres Volke» gegeben, welche Sorge um irdische Güter nicht kannte. Unsere Väter in der Wüste lebten von Himmelsbrod, tranken aus einem Wunderbrunnen, Sorge um Speise und Trank, um Kleider und Wohnung hatten sie nicht Gold, Silber, kostbare Stoffe und edles Gestein benöthigten sie nur, als es galt die Stiftshütte zu bauen und die Gewänddr des Hohepriester« zu verfertigen. In vierzig sorgenfreien Jahren bestand ihre ganze, nur selten gestörte Thätigkeit darin, die offenbarte Thora so in sich aufzunehmen, daß sie eine unverlierbare apr ri^np rumo werde, ein unentreißbares Erbgut für die ewiglebende Gemeinde Jakobs bilde. Heute noch, wenn der Thorajünger sich zum Studium niedersetzt, soll er bestrebt fein, sich gleich den von Mannah lebenden Vätern in der Wüste frei zu halten von allen Sorgen der Alltäglichkeit. Wie beim Eintritt des geheiligten Tags in der Woche die Sorgen gebannt werden müssen, so sollen uns an jedem Tage, wenn die dem „Lernen" geweihten Stunden gekommen sind, alle Sorgen für Geschäft und Erwerb fliehen. Und nur, 'p^rn nven wer glücklich ist mit dem Antheil, den ihm der Schöpfer beschieden hat, wird dieses erreichen. Wir setzen jetzt unseren Edelstein den blendenden Strahlen des auf der Mittagshöhe stehenden Sonnenballs aus und ein Feuer von märchenhafter Pracht entwickelt sich. Wir betrachten das ip^ra nvv»7i im Hinblick auf die Thora selbst, auf das große Glück die Thora zu besitzen und in ihr forschen zu dürfen. Nur der kann sich die Thora in reichem Maße erwerben, wer glücklich ist mit seinem Theil, den es mit Freude und Stolz erfüllt, daß es ihm vergönnt ist, ein Jünger der Thora zu sein. Unter den Ursachen der Verbannung unseres Volkes und der Zerstörung des heiligen Tempels nennen uns die Weisen auch rbnn rrrro »ns vbv, daß man vor der Beschäftigung mit der Thora kein Dankgebet sprach, oder wenn man die Beracha auch aussprach, das Gefühl des freudigen Dankes nicht hatte für das herrliche, stets beglückende Geschenk, das uns der Schöpfer durch die Offenbarung seines heiligen Willens machte. Götzendienst, Unsittlichkeit Blutvergießen diese furchtbaren Verbrechen waren es wohl, die zuletzt die Mauern unseres Heiligthums umstürzten und uns nackt und bloß zu feindlichen Völkern hinausjagten. Wie war es aber möglich geworden, daß das Volk der Thora so sehr entartete? Weil sie die Thora nicht zu schätzen wußten, weil schon lange vorher das Gefühl des Dankes für dieselbe in ihren Herzen und das Dankgebet auf ihren Lippen erstorben war. Zu den ersten Dankgebeten an jedem Morgen gehört die hy*ti rns; mit Andacht und aufrichtiger Freude sollen wir sie sprechen. Die hier nur angedeuteten großen Gedanken wiederholen sich in überwältigender, das Herz bewegender Weise in der nra nr) Jeder Jehudi, der dieses herrliche Gebet mit Andacht und Verständniß spricht, wird an jedem Morgen auf's Neue nicht anders als mit jubelndem Herzen die Schlußworte rcnxi bnnrr»' iopa nninn „Der sein Volk Israel in Liebe erwählt hat" sprechen können. Dieser Jubel und diese Freude soll den ganzen Tag über nachzittern im Gemüthe des Jüngers der Thora. Wenn er im stillen Lehrhause sitzet und sie draußen in stolzen Prachtwagen vorüberfahren, in goldstrotzenden Gewändern vorüberreiten,. wenn er denkt an diejenigen, die es durch Beschäftigung mit anderen Wissenschaften zu Würden und Ehren bei den Menschen brachten, dann soll auch nicht der leiseste Hauch des Bedauerns sein Gemüth umschatten und jeinen Geist trüben. Mit dem durch ernste Forschung geschärften Blick soll er das Nichtige und Werthlose oes irdischen Erfolgs erkennen und der Anblick eines Jeden, und sei er noch so erfolgreich auf Erden gewesen, der nicht in den Hallen der Thora weilen kann, soll ihn aufs Neue über sein eigenes Glück belehren. Wenden wir uns auch hier wieder unseren Zeitgenossen und Landsleuten zu, die sich dem Studium der Thora hingeben. Wie Viele sind es, die in der Thora nur eine Wissenschaft, gleich anderen Wissenschaften sehen! Wie Mancher ist da, der es gar bedauert, sein Können keinem anderen Wissenszweige gewidmet zu haben! Wie Wenige sind es dagegen, die in der Thora die unvergleichliche Alles überragende Königin eines jeden Wissens sehen, der sie mit nie wankender Treue, unbeugsamem Stolze und ewiger Freude dienen! Die traurigen Folgen dieser Lieblosigkeit der Thora gegenüber, sind sattsam bekannt. Wann wird cs auch hier besser werden? nSeri Turm varc1? inB’jrc nn n:prt jnim rn riete n 7jcS \3N rme naix mo irtnra yji '»rmp mnp *a«nna -p^n rat? iwm mw« 'pbrt Viabbi Weäfunia ben Hakona pflegte zu beten, sobald er ins Lehrhaus kam und sobald er dieses verließ. Was er beim Weggehen sprach, das erläutert die Boraita. Er sprach, ich danke Dir Gott, mein Gott daß Du mir meinen Antheil bestimmt hast, bei denen die im Lehrhause sitzen und nicht bei denen die sich dem Erwerbsleben allein widmen. — O, möge dieses Dankgebet auch in unserer Zeit tausendfachen Widerhall finden in den Herzen und auf den Lippen einer großen Zahl wahrer Thorafreunde (Fortsetzung folgt.)

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