Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 52 (1.7.1897)
- Date
- 1897-07-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448754--44147-2493229- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
M Sü Der Israelit. Aentrat-Hrgan für das orthodore Iudenlßum. Begründet von Dr. in Iftlnini. Montag, tun 1. Auli 5657 (1897)« Leitender Artikel. Sprüche der Väter. Sechster Buch. XX. Mainz, 30. Juni. lpfaa ravn „Wer sich mit seinemTheil» freut. Die Worte unserer Boraita gleichen jenen köstlichen Steinen, die ans reinstem Waffer zu bestehen scheinen und doch im herrlichen Feuer sprühen, die man wendet und dreht, um bei jeder Wendung und Drehung neue Farben, neue Schönheit bewundern zu können. Die Worte ipbra rav sind klar und leicht übersetzbar, und welche Fülle verschiedener und doch verwandter Gedanken wird dabei in uns wach! Im Zusammenhang mit dem vorhergehenden wipo rw i'vvn, das die Warnung vor Allem enthält sein erreichte» Wiffen nicht zu überschätzen, sehen wir in dem ravn ip^ra die Mahnung nicht mißmuthig zu werden bei der Erkenntniß, daß die Genossen eine höhere Stufe im Wiffen, al» wir selbst erreicht haben. Die Fähigkeiten der Menschen sind nicht gleich. Der Eine erfaßt schnell und leicht, dem Anderen wird das Lernen schwer und es erfordert Zeit. Wer immer emsig gearbeitet hat, der freue sich des Erfolges seiner Arbeit ruv npino t» nan tarn ma ok ravn, „Süß ist der Schlaf des Arbeiters, ob er wenig, oder ob er viel genießen wird." Mißmuch über das Wenige des Erreichteu, Neid und Mißgunst den mitstrebenden Genoffen gegenüber, find schwere Gewichte, die den aufwärt» Strebenden leicht in die Tiefe ziehen. Die großen Lehrer der Gemara sollen uns hier Vorbild sein, neidlos jubelten sie den Genoffen wegen ihrer Erfolge zu. Als Rabbi Akiba einst das Glück hatte, seine Ansicht den größten Männern gegenüber zum Siege zu führen, fand sein Genoffe Rabbi Tarphon die Worte huldigender Anerkennung: „Akiba, wer sich von Dir trennt, trennt sich von seinem Leben." Akabja ben Mahallalel kämpfte beharrlich, um einer Ansicht in der Halacha Anerkennung zu verschaffen, ja, er verzichtete lieber auf die höchsten Ehrenämter, ehe er den Kampf für das, was er für wahr hielt, aufgab. Da er jedoch mit seiner Ansicht ^Nlcht durchgedrungen ist, bestehlt er seinem Sohne, sich der Meinung seiner Gegner anzuschließen. Ja, unsere Großen, sie gleichen jenen ewigen Leuchten am Firmament, die, ob klein oder groß, ob im erborgten oder eigenen Licht strahlend freudig wetteifern, den Willen ihres Schöpfers zu erfüllen. Auch auf sie läßt sich der Satz des Sabbatgebets anwenden exp pan nv'r» dto otnaa bwi antote dtiöv. „Voll Freude beim Auszug, voll Wonne bei der Heimkehr üben sie ängstlich den Willen ihres Herrn." Wenn wir Talmud lesen, lernen wir nicht nur Pflichten und Lebensregeln kennen, nein es bieten sich uns auch die hehrsten Beispiele dar, von der treuesten Erfüllung jener großen Lehren. Wir wenden den Diamanten und neue Lichterscheinungen entzücken uns. Wir haben die Worte pbro rav schon einmal an anderer Stelle in den Sprüchen der Väter gelesen. Ben Soma sagt htoc ravn iw „Wer ist reich? „Wer sich mit seinem Theile freut." Wer hat diesen Reichthum der Zufriedenheit am nöthigsten? Sicherlich derjenige, der sich dem Thorastudium weiht. Jeder wird gern zugeben, daß derjenige, der von Sorgen erfüllt ist. mehr noch derjenige, der von der unersättlichen Gier nach irdischen Gütern beherrscht wird, welche das Leben eines großen Bruchtheils der Menschheit zu einem unruhevollen, oft tief unglücklichen macht, daß dieser nie die Ruhe de» Geistes finden wird, welche