Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-06-28 · Heft 51 (28.6.1897) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 51 (28.6.1897)
Date
1897-06-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448753--44141-2493222
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

996 fuhr bis an den Saum des Waldes, wo ich meinen Kutscher warten ließ, um einen Fußweg einzuschlagen, der mich schneller zum Ziele führte. Ich fand den Bauer in den letzten Zügen; dieser Menschenschlag entschließt sich zumeist erst dann den Arzt herbeizurufen, wenn die menschliche Kunst zu Ende ist. Mir blieb kaum mehr übrig, als den eingetretenen Tod zu constatiren, und, nicht gerade erbaut über die zwecklos gestörte Nachtruhe, trat ich den Rückweg an. Kaum hatte ich den Wald betreten, der, von den ersten Strahlen der erwachenden Sonne rosig angehaucht, in friedlicher Stille vor mir lag, als in meiner nächsten Nähe ein Schuß krachte und in demselben Augenblicke eine Kugel hart an meinem Kopfe vorbeipfiff. Vom ersten, jähen Schrecken gelähmt, hemmte ich meinen Fuß und lauschte. Da vernahm ich wenige Schritte zu meiner Rechten, nur durch das Waldesdickicht getrennt, laute Stimmen; schnell theilte ich die Zweige und sah, wie zwei Männer auf Tod und Leben mit einander rangen. Der eine kniete auf der Brust des anderen, den er Maurice nannte, und forderte mit heiserem Krächzen, denn Maurice schnürte ihm die Kehle zusammen, gewiffe Papiere, die augenscheinlich das Streitobjekt bildeten. Beide bemerkten es nicht, daß diese Papiere aus Maurice's Tasche fielen und zu einem Knaben hinrollten, der, wie ich jetzt erst sah, an Händen und Füßen gefeffelt, einen Knebel im Munde, wenige Schritte von den Streitenden am Boden lag. Noch ehe ich recht Zeit fand, die Scene zu überschauen, hörte ich von hx anderen Seite die Zweige knaken: mehrere Grenzwächter, welche gleichfalls den Schuß vernommen hatten, arbeiteten sich durch das Dickicht. Kaum hatten die beiden Kumpane die blinkenden Bajonette bemerkt, als sie einander losließen, vom Boden aufsprangen und Reißaus nahmen; aber Nepomuk — so nannte ihn sein Spießgeselle — wurde gleich ergriffen und abgeführt, Maurice entkam bis in die Mitte des Fluffes, wo ihn die nachgesandte Kugel eines Grenzwächters traf. Gestern wurde sein Leichnam an's Ufer geschwemmt. Des Knaben hatte Keiner geachtet; noch immer lag er ohne Zeichen von Leben im Grase. Ich trat heran, prüfte seinen Puls, der nur in schwachen Schlägen Leben verrielh. An seiner Seite lagen die Papiere, welche, wie ich las, die Aufschrift trugen: „Meinem Pflegesohne Alfred nach meinem Tode zu übergeben." Ich steckte das Schriftstück zu mir, nahm den Knaben, den eine starke Ohnmacht umfangen hielt, auf meine Arme und trug ihn zum Wagen. Trotzdem ich ein Verbrechen vermuthete, dessen Opfer das Kind hätte werden sollen, zögerte ich dennoch, der Behörde sofort Mittheilung zu machen, bis Alfred den ersten Ansturm der Aufregungen überwunden hatte, und ich segne jetzt, wo wir erfahren, wie nahe uns der theure Knabe steht, diesen Entschluß doppelt freudig. Nachdem das Fieber, das gestern und vorgestern in ihm gerast und seine Sinne umfangen gehalten, wesentlich nachgelassen hatte, ist es vor wenigen Stunden mit erneuter Heftigkeit ausgebrochen. Wir hatten die bewußten Papiere, das Tagebuch seines Pflegevaters, neben ihn gelegt, damit er beim neuerwachenden Bewußtsein sich selbst Aufschluß geben könne über die Fragen, die sich ihm in der fremden Umgebung aufdrängen mußten . . ." „Er hat das Tagebuch gelesen?" unterbrach Nelly den Erzählenden, und eine Thräne schimmerte in ihren Augen. „Er hat es gelesen, Tante. Wir ahnten nicht, was dasselbe enthielt, sonst hätte ich vorausfehen müssen, daß sein fiebergeschwächter Körper diesen gewaltigen Erregungen nicht gewachsen sein konnte. Ich beklage diesen Jrrthum, aber wenngleich das hitzige Fieber sich erneut, vielleicht sogar etwas verstärkt hat, liegt, wie ich Euch wiederholt versichere, kein Grund zur Besorgniß vor: er wird mit des Allmächtigen Hilfe bald ganz genesen und so gekräftigt sein, daß er auch das Wiedersehen mit Euch unbeschadet wird überwinden können." „Während August seine ärztlichen Anordnungen traf," nahm nun der Rabbi das Wort, „fiel mein Blick auf das Tagebuch; durch seinen Inhalt gefesselt, las ich einige Kapitel, und was ich empfand, als ich erfuhr, wer der Knabe ist, ich brauche es Euch nicht auszusprechen. Mit heißer Inbrunst stieg mein Dankgebet empor zunl Herrn der Welt, dessen gnädiges Walten sich so wunderbar geoffenbart hat. Lob und Dank Ihm, dessen Namen gepriesen sei von nun an bis in Ewigkeit!" „Ja, der Name des Ewigen sei gepriesen," klang es von den bebenden Lippen des Grafen und Nelly's, deren Hände sich zu wortlosem Gebete gefaltet hatten. . . . Draußen sang die Nachtigall in schmelzenden Tönen ihr Lied, rauschte der Nachtwind feine leise geheimnißvolle Melodie und trieb süßen Duft in das Zimmer, in welchem fünf glückliche Menschen traulich neben einander saßen. (Fortsetz, folgt.) % Zuiuckgesetzte Stoffe wegen w Saison. 7 Meter Sommerstoff , z. ganz. Kleid für M. 1.95 Pfg. 6 „ soliden Stoff „ „ „ 2.40 „ 6 „ Sommer-Nouveaute, dpplbrt. „ „ „ * 3.00 „ 6 „ Alpaka-Panama „ „ ,, 4,50 „ 7 „ Prima Mouseline lalne gar. reine Wolle z. Kleid „ 5.25 ,, Ausserordentl. Gelegenheitskäufe in modernsten Wollu. Wasehstoffen, -- - zu extra reduzlrten Preisen ■ versenden in einzelnen Metern franco in’s Haus. Muster auf Verlangen franco. — Modebilder gratis. Versandthans; & Co., Frankfurt*. M. 8eparat-Abtheilung für Herrenstoff«. N£iakis i. ganzen Anzug M. 4-.0S Pf, Cheviot z. ganzen Anzug M. 6.85 Pf. 0207

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.