Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 51 (28.6.1897)
- Date
- 1897-06-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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995 zurückstehen. Nicht nur, daß der Magistrat und Gemeinderath die jüdischen Angestellten Knall und Fall entlassen hat, diese Behörden verhandeln fast in jeder Sitzung darüber, wie der Ueberfüllung der Schulen mit jüdischen Kindern zu steuern sei. Zunächst hat man beschlossen, diese von den Stipendien und Büchervertheilungen anszuschließen, dann geht man auch gegen die Juden überhaupt vor. In Algier geborene Juden werden von der Verkeilung der öffentlichen Almosen ausgeschlossen, jüdische Kranken nicht mehr im städtischen Krankenhaus ausgenommen. Man glaubt in Rumänien zu sein, nicht in Frankreichs größter Kolonie. Vermischtes. Berlin Gegen den Mädchenhandel hat der Deutsche Reichstag eine» Antrag angenommen, indem er dem neuen Auswaneerungsgesetz folgende Bestimmung cinschaltete: „Wer weibliche Personen zum Zwecke der Prostitution, unter Verbergung dieses Zweckes, zur Auswanderung verleitet, wird mit Zuchthaus bis zu zehn Jahren bestraft. Neben der Zuchthausstrafe ist der Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auszusprechen und aus 'Stellung unter Polizeiaufsicht zu erkennen." Die Wiener „Ostd. Rundschau" erblickt darin eine „praktisch antisemitische" Aktion. Wir sind anderer Ansicht. Dieses Gesetz wird dem Aesammten Mädchenhandel zu Leibe gehen. Und wenn ein Schock jüdischer Gauner Zuchthaus bekommt, so wird jeder ordentliche Jude dies nur billigen. Holleschalt, 14. Juni. Unsere Gemeinde hat einen herben Verlust erlitten. Am 10. Juni verschied nach kurzen Leiden Herr Jacob Beer im 80. Lebensjahre, zum großen Schmerze der ©einigen, zum Leidwesen der Gemeinde, zum 6Üg' meinen Bedauern seiner zahlreichen Bekannten und Freunde. Herr Jacob Beer mar ein ->L"' p*“J5,\ ein *pin pny D’On im wahren Sinne des Wortes. Ein Mann von gewinnender Liebenswürdigkeit, war der Dahingeschiedene nicht nur bei den Gesctzestrcuen. sondern in allen .streifen unserer Stadt jüdischen und nichtjüdischen Bc kenntnisses überaus beliebt. Es gab kein Werk der Wohlthätigkeit ohne Unterschied der Consession, an dem er sich nicht hervorragend betheiligte, stets fand man bei ihm eine offene Hand Liebe und Gerechtigkeit, Offenheit und Ehrlichkeit, verbunden mit wahrer Frömmigkeit waren die Grundzüge seines Eharakters. Das Leichenbcgängniß fand Freitag, den t 1. d Akts, Vormittags statt, und die große Menge Leidtragender, die aus Rah und Fern herbeigeströmt war, sowie die große Menge von Beiteidskundgebungcn, bewies die allgemeine Hochachtung und Verehrung, deren sich der Verblichene erfreute. "An seiner Bahre hielt unser allvcrehrter ehrwürdiger Rabbiner Herr Dr. Jacob Frcimann einen herzergreifenden, die ganze Francroerfawmlnng zn Thränen rübrenden "IDDH und schloß mit dem Wunsche >6 upj,” DD, daß das Andenken des Verklärten unvergänglich in unserer Mitte sortlebe und allen zum Segen gereichen möge. n"3a:n. j. m. Budapest Der hier kürzlich verstorbene Kaufmann Samuel Taub hat von seinem etwa 1,600,000 fl. betragenden Vermögen 700,000 fl. für wohlthätige Zwecke ohne Unterschied der Consession hintcrlassen. New Bork. 22,000 Kleidermacher,:die Mehrzahl russischpolnische Juden, haben den Ausstand erklärt. Sie verlangen Lohnerhöhung und Abschaffung der Stückarbeit. Es wird erwartet, daß die Zahl der Ausständischen sich auf ‘>5,000 erhöhen wer de. AcrriUeton. Getreu bis in den Tod. Von Maurice Mayon Eiligst gehorchte Edith. Ein milder Strahl der Abendsonne drang ins Zimmer, leise säuselnd strich der kühle Lufthauch durch das geöffnete Feilster und nnttvehte die Stirn der glücklichen Mutter. Seliger Frieden leuchtete aus ihren schönen Zügen, von denen die Spuren, die Gram und Kununer gezeichnet hatten, unter dem Vollgefühl der Wonne gewichen waren. 'Roch immer rannen Thränen ihre Wangen hinab, aber das Lächeln, das ihre Lippen umspielte, bewies, daß es Thränen der Freude waren. Die Angen aller Anwesenden hasteten, wie gebannt, an dem verklärten Antlitze Relly's, welche mit gefalteten Händen, den Blick nach Oben gewandt, in den Kissen lag und leise die Lippen bewegte, von denen sich ein Dankgebet losrang für den Urguell alles Glücks. Einige Augenblicke herrschte lautlose Stille im Gemache, als scheute man sich den heiligen Frieden zu stören, der Alle untfangen hielt, endlich brach Edith, welche noch immer auf die Erklärung der ihr unbegreiflichen Vorgänge wartete, das Schweigen, indem sie fragte: „Habe ich recht verstanden, dann bin auch ich Jüdin N" „Das bist Du, mein liebes Kind," erwiederte Nelly lächelnd und tauschte einen verständnißinnigen Blick mit August. „Beleidigt Dich das „O nein, ganz gewiß nicht, Mama," bethcnerle Edith. „Zwar weiß ich blutwenig oder gar nichts vom Judenthum, aber so viel weiß ich, daß die Religion, in der August . . . nein, meine Eltern" — beeilte sie sich, bis an die Schläfen erröthend, zu verbessern — „geboren sind, die beste seilt muß." „Brav, mein Kind", sagte Nelly. „Du wirst bald Gelegenheit haben, das Judenthum kennen zu lernen und in dieser Deiner Ansicht bestärkt lverden. Aber nun, lieber August, erneuere idj meine Witte, daß Du mir von unserem Alfred erzählen mögest." August hatte sich an dem Bette der Tante niedergelassen und begann: „Vorgestern Nacht, ich hatte mich kaum zur Ruhe begeben, wurde ich zu einem Bauern gerufen, der im Nachbardorfe unweit der Grenze wohnte. Ich