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Der Israelit · 1897-06-28 · Heft 51 (28.6.1897) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 51 (28.6.1897)
Date
1897-06-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Schulwesen gefährdet sein. In der Schule hat kein Lehrer das Recht, nach Maßgabe eigener Grundsätze von den leitenden Prinzipien der Anstalt abzuwüchen, und der Lehrer einer Religionsschule muß sich daher vollständig mit dem Geiste derselben einverstanden erklären und stets das System vertreten, das der Anstalt den bestimmten Charakter verleiht. Wer für sich eine besondere Lebrfreiheit in Anspruch nimmt, seinen Unterricht an jedes beliebige Buch anknüpfcn will, auch wenn es mit den Prinzipien der Schule in Widerspruch steht, für Den giebt cs keinen Platz an derselben. Ich habe die volle Ueberzeugung, daß die zweite Religionsschule, so lange sie meiner Leitung unterstellt bleibt, der Gefahr eines inneren Zwiespalts entgehen werde, erachte es aber nichtsdestoweniger als meine Pflicht, des Prinzips wegen meine Bedenken gegen diesen Beschluß der Fachkommission hier niederzulegen und die Verantwortung für die etwaigen Folgen desselben abzulehnen." An diese Ausführungen knüpfte sich eine großangelegte, sehr lebhafte Debatte, in welcher namentlich die Herren Sanitätsr. Dr. Jastrowitz, Sanitätsr. Blumenthal und Prof. Lewin den Standpunkt des Herrn Dr. Apolant mit großem Nachdruck vertraten, während die Fachkommission in den Herren Justizräthen Meyer und Tiktin weniger gewandte Anwälte fand. Schließlich wurde einstimmig beschlossen, auch die Leiter der drei anderen Religionsschulen, sowie die der Knaben- und Mädchenschule der jüdischen Gemeinde aufzufordern, gleiche Berichte über ihre Anstalten dem Repräsentanten-Collegium zu überreichen. Aus Norddeutschland. In der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" findet sich, gelegentlich der Feier zuEhren des Rabbiners Dr. F e i l ch e n f e l d in Schwerin eine Darstellung seines Lebenslaufes und seiner Wirksamkeit. Da wir Herrn Dr. F. nicht kennen, so steht uns gar kein Urtheil über ihn zu. Da mir aber die Ehre haben seinen Namensvetter, den Posener Oberrabbiner, der dieselbe Feier beging, sehr gut zu kennen — und wir schätzen es uns zur E h r e, zu seinen Freunden uns zu zählen — so möchten wir ein an den Haaren herbeigezogenes, dem Schreiber gewiß sehr witzig dünkeedes Wortspiel, näher beleuchten. Es heißt dort nämlich: „Dr. F. (»n Posen) habe sich zum Führer der Orthodoxie entwickelt oder verwickelt." Wir erklären nun auf das Bestimmteste, daß Dr. F. in seiner religiösen Gesinnung und in dem Gefühl seiner tiefen und ernsten Frömmigkeit nie eine Wandlung durchgemacht hat, ec also auch nicht erst sich zu entwickeln brauchte. Wenn aber damit gesagt werden soll, daß er sich zum Führer entwickelt hat, so kann das höchstens heißen, daß die Orthodoxie ihn freiwillig als einen ihrer Führer anerkennt; denn sich vorzudrängen und die Führung zu erstreben, das würde in direktem 989 Widerspruch mit der allbekannten Bescheidenheit desielben stehen. Aber er hat es verstanden, durchseine gediegenen Kcnntniffe im profanen, wie im religiösen Wissen, durch seine echte Frömmigkeit und seinen durch und durch ehrenhaften Charakter sich die Achtung oller Parteien zu erwerben, was sich bei der stattgesundenen Feier auch sehr deutlich gezeigt hat. Was der Schreiber des Aufsatzes mit dem „Verwickelt" gemeint hat, ist uus unverständlich, und vielleicht ihm selbst nicht minder. Wir verzichten daraus, den Sinn zu enträthseln und überlassen dies daher einer vielleicht später kommenden Spivx; zweifeln aber, ob dieselbe Lust haben würde, darüber uachzudenken. München. Der „Israelit" brachte in einer seiner jüngsten Nummern einen Bericht über die Beleidigungsklage S e l i g st e i n contra M e m m i n g e r, die mit der Berurtheilung des letzteren zu erheblicher Geldstrafe endigte. Als Ergänzung sei nachstehender Bericht, der aus der „Franks, Ztg." in die angesehensten bayr. Tagesblätter überging, und der in unserer Zeit der Hintermänner doppeltes Interesse erregt, hier wiedergegeben: Dr. Ratzinger, dessen antisemitischen Brandreden im bayerischen Landtag noch in bester Erinnerung find und der die Gerstenartikel in das Memminger'sche Organ doch nur lancirte, um dem „Juden" Seligstein eins anzuhängen, verschmähte nicht, in seiner Roth sich an zwei Israeliten zu wenden, die Herrn Selig stein veranlassen sollten, seine Klage gegen M e m m i ng e r und S i g l zurückzuzicben und sich mit einer Ehrenerklärung zu begnügen. Daß er (Ratzinger) der Urheber des Ganzen, daß er einen Grund hätte, die Klage aus der Welt zu schaffen, davon ließ er kein Sterbenswörtchen verlauten. Die beiden Herren wurden gründlich düpiert; hätten sie eine Ahnung gehabt, in welcher Weise Dr. Ratzinger bei der Sache betheiligt sei, würden sie sich für eine Vermittelung bedankt haben. Die Herren, die bei Seligste in vermitteln sollten, wurden folgendermaßen instruiert : Der Prozeß sei dem Finanzministerium höchst unangenehm, da ein Beamter des Hofbräuhauses kompromittirt werde. Er (R.) habe mit einem Oberregierungsrath die Angelegenheit besprochen und der Herr habe einen großen Auftrag bei Rückziehung der Klage zugcsagt. Einer der Herren schrieb aus Gefälligkeit au Seligstein, weil Dr. R. auch ihm schon Gefälligkeiten erzeigt. Der andere Herr, von früher persönlich mit S. bekannt, wurde dahin geködert, daß ihm versprochen wurde, im Landtag eine Sache zur Sprache zu bringen, die ihm am Herzen liegt. Der erste Herr blieb ohne Antwort von S., der zweite erhielt eine ablehende. Die Bemühungen des Herrn Dr. R. waren also ohne positiven Erfolg." Man darf wohl gespannt sein, ob solchen Be-

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