Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 51 (28.6.1897)
- Date
- 1897-06-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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' 987 sich der jüngere Bruder gbe« ^erfteren ^Stanislaus mengte. Die singende und johlende Menge bedrohte immer mehr die Gendarmen und Polizei. Die Situation war eine überaus kritische. Plötzlich vergriff sich Stanislaus Kukelski an dem Postenführer und wollte ihn in den Straßengraben stoßen. Dieser machte von der Waffe Gebrauch und stieß ihm das Bajonnet in den Leib. Die Wunde war tödtlich. Der zu Tode getroffene Kukelski wurde mittelst Wagen ins Gemeindeamt gebracht, wo er bald starb. Die zweitausendköpfige Menge theilte sich in zwei Partien. Eine Hälfte gab ihrem Genoffen das Geleite und die zweite begann im Judenviertel das Verheerungswerk. Im Nu gingen einige tausend Scheiben in Splitter. Die Häuser wurden mit Steinen bombardirt. Die Insassen bemächtigte sich nun Todesangst. Schreckensrufe, Angstgeschrei ertönte, sie wurden in dem einige Kilometer entfernten Gemeindehause nicht gehört. Durch die herausgeriflenen Thüren und Fenster ergoffen sich die Menschen-Bestien ins Innere. Die Leute wurden von dem entmenschten Haufen schrecklich zugerichtet, Hab und Gut ruinirt, geplündert und geraubt. Die Juden versteckten sich in Keller und Böden. Bei Wolf Glattstan wurde ein sechs Monate altes Kind tödtlich mißhandelt. Die Frau des Jankel Gründörfer, die am selben Tage entbunden war, bekam einen Blutsturz. Frau Freuda Sahmer flüchtete sich mit einem einjährigen Kinde auf der Hand zu einem christlichen Nachbar. Die Arbeiter eröffneten hinter ihr ein Steinbombardement. Die Mutter, die das Kind vor den Gefchoffen decken wollte, bekam einige Steine an den Kopf und trug schwere Verwundungen davon. Eine Frau, deren Name verschwiegen sein möge, wurde, der Reihe nach, von 20 Männern vergewaltigt. Ein junges Mädchen entging nur mit knapper Noth einem ähnlichem Schicksal. Die Synagoge wurde ebenfalls arg zugerichtet. In 50 Häusern wurden sämmtliche Scheiben eingeschlagen. In vielen Häusern wurden auch Thüren und Fenster herausgeriffen. Einrichtungsstücke wurden zertrümmert, Gold und Geldeswerth geraubt, der Inhalt von Bettzeug in den Wind zerstreut und Kleidungsstücke davongetragen. Schulen Wolf und seine Frau wurden bedenklich verletzt. Waarenvorräthe wurden ebenfalls theils geraubt, theils auf die Straße geworfen und die jüdisch-rituelle Gegenstände wurden in die Cloaken geschleudert. Bei Gartenber wurde ein Bett in Brand gesteckt, und nicht alle Barbarenstreiche können hier verzeichnet werden. In den Schnaps- und Weingeschäften wurden wahre Bachanalien gefeiert. Während dieser mongolischen Greuelthaten waren Gensdarmerie und Polizei mit den Kekulski'S beschäftigt und fürchtete andererseits auch mit der entfesselt en HordeL'anzubinden. Erst gegen 9 Uhr Abends beruhigten sich die „racheschnaubenden" Haufen' Die maltraitirten Juden mußten durch einige Stunden Todesangst ausstehen. Schließlich schritt die etwas verstärkte Sicherheitswache doch ein und^nahm einige Verhaftungen vor. Die Verhaftungen wurden fortgesetzt und bijetzt sind^einige 70 Masuren hinter Schloß und Riegel. Die Rädelsführer aber sollen entkommen sein. Der Bezirkshauptmann aus Sambor leitet die Untersuchungen, Ort und ^Stelle. Die Regierung und in erster Linie die Bezirkshauptmannschaft, trifft eine große Verantwortung, da sie wußte, daß eine gefährliche Gährung vorhanden sei, und sie unternahm nichts, um der Katastrophe vorzubeugen. Viele Juden verzichten für immer auf die Nachbarschaft mit den Masnren. Fünfzehn Familien, natürlich die wohlhabendsten, haben Schodnica verlassen. Wie gesagt, kommt hier der sonst so beliebte Vorwand „jüdischer Ausbeutung," gar nicht in Betracht. Die Arbeiter wohnen nicht bei den Juden, führen eigene Wirthfchaft und decken ihren Bedarf theils bei Juden, theils bei Christen. Selbst manche Branntweinläden sind in christlichen Händen und ein christliches Victualiengefchäft ist auch vorhanden. In materieller Beziehung sind die Masuren sehr gut situirt und beziehen solche Löhne, wie sie in Galizien sonst gar nicht gezahlt werden. Die Bohrer verdienen monatlich 60 bis 80 Gulden, die Aushilfsarbeiter 1 bis 2 Gulden täglich. Ueberdies sind sie größtentheils unverheirathet und haben freie Wohnung. In dem nahen Bergplan, wo der größte Theil der Grubenarbeiterschaft (ca. 4000 Mann) aus Juden besieht, beträgt der Maximallohn für eine schwere 14 bis löstündige Arbeit im Schachte nur 80 Kreuzer pro Tag. Die Juden haben durch ihre Handlungsweise die Excesse nicht provocirt und nur der gewaltthätige Charakter der Maffuren, zu welchem sich ein eingefleischter Judenhaß gesellt, hat die himmelschreienden Kravalle ohne jeglichen Schein einer gerechten oder ungerechtfertigten Veranlassung vom Zaune gebrochen. Hoffentlich, wird eine gerichtliche Sühne nicht ausbleiben, die zwar für die Betroffenen nur eine schwache SatiSfaction ist. Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenze«. Deutschland. ** Berlin In der Repräsentanten-Versammlung der jüdischen Gemeinde vom 14. Juni gelangte der von dem Dirigenten der zweiten Religionsschule, Herrn Dr. Apo lant, dem Vorstand erstattete „Bericht über die Entwickelung und Wirksamkeit der Schule vom Oktober 1891 bis Ende 1896" zur Mittheilung und Besprechung. Derselbe gibt, unterstützt