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Der Israelit · 1897-06-24 · Heft 50 (24.6.1897) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 50 (24.6.1897)
Date
1897-06-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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966 Aber nun, da wir ihn wiedergefunden, wollen wir eilen . . . „Verzeihet, lieber Oheim, liebe Tante!," unterbrach sie August, der trotz der stürmischen Bewegung, welche der Anblick des geliebten Mädchens und bte Entdeckung, daß es ihm verwandtschaftlich so nahe stehe, in ihm geweckt hatte, die Pflichten seines Berufes nicht vergaß. „Wohl weiß ich, welches Riesenmaß von Ueberwindung ich fordere, aber ich darf ebenso wenig gestatten, daß Du heute das Bett verlassest, wie ich dulden darf, daß Ihr Euren Sohn früher sehet und sprechet, als bis sich sein Zustand gebessert hat." „Er ist krank?!", riefen der Graf und Nelly erschrocken. „Ja, er ist krank," gab August zurück, „weder Körper, noch Geist waren dem Schrecken und den Aufregungen, welche die letzten Tage dem Knaben gebracht haben, gewachsen. Aber beruhigt Euch," fügte August schnell hinzu, als er sah, welche Angst sich in den erbleichenden Mienen der Eltern malte, „ich hoffe zuversichtlich, daß er bald genesen wird. Aber jede Aufregung muß ihm fern bleiben, sollen nicht neue Complicationen den Krankheitsproceß verschlimmern und hierdurch die Genesung verzögern. Augenblicklich liegt keine Veranlaffung zu ernsten Besorgniffen vor." „Dem Himmel sei Dank dafür," sagte der Graf aufathmend und sein tränenfeuchter Blick wandte sich nach Oben, „der Allgütige über den Sternen, der uns mit seinen Gnaden überhäuft hat, Er wird sich unseres Kindes, wird sich unserer erbarmen. Beugen wir uns dem Machtgebote der Nothwendigkeit, Nelly, und so sehnsüchtig ihm unsere Pulse entgegenschlagen, zügeln wir das Verlangen nach unserem Kinde, bis der Arzt, unser Neffe . ." „Mein Enkel, August Frankenheim," beeilte sich der Rabbi vorzustellen, als ihn ein fragender Blick des Bruders traf. „Also, bis unser Neffe es mit dem Befinden Alfreds vereinbar erklärt." „Was, wie ich zuversichtlich hoffe, mit Gottes Hilfe in zehn bis zwölf Tagen der Fall sein wird", fügte August hinzu, als er bemerkte, wie schwer Nelly fick den Entschluß abrang, seiner Anordnung zu folgen. „Auch das ist eine Fügung des Unerforschlichen," erwiderte Nelly, und ein tiefer Seufzer hob ihre Brust, „wir muffen sie tragen, wenn auch . . Doch nein," unterbrach sie sich selbst, trocknete die Thränen aus den Augen und zwang sich ein Lächeln auf die Lippen, „nein, ich will nicht zaghaft sein, will nicht murren, es wäre Frevel gegen den Gnadenspender, der uns so viel, ach so viel des Glücks hat zu Theil werden laffen, aber es wäre auch Frevel gegen unser Kind, das wir, um unser selbstisches Verlangen zu befrieoigen, in Gefahr bringen könnten. . . Ja, ich will geduldig der glücklichen Stunde entgegenharrcn, da ich meinen Alfred in die Arme schließe; ich will in ich auch nicht aufregen. Nein, August, schau' mich nicht so zweifelnd an! . . . Ach, ich bin ja so glücklich, so namenlos glücklich," jubelte sie, unter Thränen lächelnd. „Aber nun, August, mußt Du mir auch von unserem Alfred erzählen, wie Du ihn fandest, welche glückliche Fügung ihn in Euer Haus gebracht, kurz. Alles, Alles, . . . Aber vorher Licht, Luft! Edith, mein Kind, ziehe die Jalousien hoch und öffne die Fenster!" (Fortsetz, folgt.) Donnerstags, jedesmal in Man abonntrt ganzjährig, halber «er. Der .JSraelit' erscheint wöchentlich iweimal, Montags and mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. tLbria oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der DuchhauSel «rkrtzrk turch « g. $tct««ikcY, Lrtpsts. Koßplah 16. — Inserate 25 Pfennig die4waltiae Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclamethell 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. öfterr.. für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franeo einzusenden. (im vor» an die Redaktion eingesandten Manuskripten findet nicht statt, «an ditttt de-hald, stch von allen Einsendungen eine Eopie zurüdzuvehatten. Inhalt (Hauptdlatt) Leitender Artikel: Spruche der Väter. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Kolin. Aus der Provinz Hannover. Eisenach. Schwerin i. M. Oefterr -Ungar. Monarchie: Wien. Frankreich: Paris. Griechenland: Athen. England: London Afrika: Algier. Oran. — Personalien. — Vermischtes. - Feuilleton: Getreu bis in den Tod. Von Maurice Macon. (Fortsetz.) Juhalt der erste« Beilager Pädagogisches: Constituirende Versammlung des „Unabhängigen israelit. Lehrervereins" im Großherzogthum Hessen. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Frankfurt a. M. AuS Oberschlesien. Stade. Rußland: Finnland. Amerika: New-Mrk. Afrika: Conftantine.— Gerichtszeitung. — Vermischtes. Belletr. Beilage r Die Kriegsgeschichten des alten Mosche Gerson. Nacherzählt von Arnold Mann. Extra-Beilage r Sprüche der Väter. _____ Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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