Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 50 (24.6.1897)
- Date
- 1897-06-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Mohel 1× ep/1006163
- Oran 1× ep/1048048
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966 einer zweiten wurden alle vier Bewerber, also auch der Jude acceptirt. Trotz dieser nachträglichen Correclur bleibt das Faktum immer noch beschämend genug. Der Grund für diese tiefgehende Erregung gegen die Juden ist so vielseitig, daß er sich nicht io leicht zusammenfassen läßt. Neben dem gelneinen Neide rc. ist eS auf Seiten der eingewanderten Franzosen, die sämmilich der radikal-sozialistischen Partei angehören, ziemlich viel politischer Haß, oa die Juden der ganzen Provinz die Hauptstützen der opportunistischen Regierungsrepublikaner sind. Um so ineyr muß es Erstaunen erregen daß das Gouvernement seine treuesten Anhänger dem Hasse und den Verfolgungen der sozialistischen Franzosen und der Beutelust der ewig unruhigen Araber preisgibt.? Oran Unseren letzien Mittheilungen können wir noch einige Notizen hinzusügen. Erfreulich ist, daß die Justiz schnell eingegrifsen hat und schon die ersten Verhandlungen gegen die Plünderer und Exzedenten stattgefunden haben. Bisher sind 19 verurtheilt morden zu Strafen von 5 Tagen bis zu .1 Monat Gesängniß. Außerdem werden 7 von ihnen, die Ausländer sind, ausgewiesen werden, sobald ste ihre Strafe verbüßt haben. Die Anklagen gegen die arabischen Plünderer ^find nöch nicht zur Verhandlung gelangt, werden jedoch auch demnächst Vorkommen. Trotzdem haben auf dchn Lande die Exzesie bis in die letzien Tage fortgedauert und das Militär hat wiederholt einfchreiten müffen, so in Ain kl Arba, Saint Denis dn Sig. Saint Anne rc. In Busquet und Ain TedeleS haben die Angreifer die Weinberge der dortigen jüdischen Bauern zerstört, in Ain Temouchent die Synagoge geplündert und die Thorarollen zerstört und in Mercier Lacombe haben sie sogar Bomben in ein Haus geworfen, in dem 50 Juden versammelt waren. Glücklicherweise ist nur ein junges Mädchen bei der Explosion verwundet worden. Man darf sich über solche Dinge nicht verwundern, wenn man erfährt, daß den Arabern vorgeredet wurde, die Regierung habe für die Tödtung eines jeden Juden dem Mörder eine Summe von 10,000 Fr. ausgesetzt. Die Regierung trügt in der That auch viel Schuld, daß solche Gerüchte Glauben finden konnten, wäre sie immer den antisemitischen Verhetzungen kräftig entgegengetreten und hätte nicht, wie es geschehen ist, mit den judenfeindlichen Stadrbehörden geliebäugelt, so wären solche Ausschreitungen, wie die gegewärtigen nicht vorgekommen. > Personalien. Weilvrrrg, Ende Mai. (Verspätet.) Am 20. Mai feierte hier Herr Gottschatk Reisenberg mit seiner Gattin Frau Henriette geb. Kann das Fest der goldenen Hochzeit. Beide, der Jubilar wie die Jubilarin erfreuen sich noch großer Rüstigkeit und Geistesfrische. Herr Reifenberg war während eines Dceenniums erster Vorsteher der hiesigen Kultusgemeinde, welches Amt er mit Rücksicht auf sein Alter im Jahre 1893 niederlegte. Während seiner Amtsvcrmaltung machte sich Herr Reifenberg recht verdient um das isr. Gemeinwesen - besonders ist es ihni zu verdanken, daß der jüdische Friedhof mit einer festen Mauer umgeben wurde. Von der Achtung, die das Jubelpaar genießt, zeugen die zahlreicher! Gratulanten ans allen Gesellschaftskreisen unserer Stadt Der Herr Bürgermeister und ein Mitglied des Magistrats überbrachten die Glückwünsche der städtischen Behörden. Am 'Nachmittag fand die Einsegnung (?) des Jubelpaares durch den Bezirksrabbiner Dr. Landau statt, worauf der Landrath, Freiherr von der Goltz, die Medaille zum goldenen Ehejubiläum unter einer herzlichen Ansprache überreichte und die Gratulationszuschrift aus dem Kaiserlichen Eivileabinct vorlas. An diesem Ehrentage sah sich das Jubelpaar umringt von zahlreichen Kindern, CSnfcIn unb Verwandten, die aus Rah und Fern zu diesem schönen und seltenen Feste herbeigeeilt waren Möge es deni Biederpaare vergönnt sein, ebenso gesund an Leib und Geist die diamantene und eiserne Hochzeit zu feiern. Rendsburg i. Holstein. Am Sonntag den >3. Silvan feierte eines der ältesten Mitglieder der hiesigen Geilteinde, Herr Meyer Phitipp Jacob feilten 80. Geburtstag, ivelcher sich für den Jubilar zu einem Freuden- und Ehrentage gestaltete. Außer seiner Kinder- und Enkelschaar hatten sich viele Familienmitglieder von auswärts zur Feier cinge flinden und die verschiedenen Ehrenbezeugungen, welche dem Jubelgreise von Glaubens- und Richtglaubei'sgenossen von Rah und Fern zu Thcit wurden, legten ein beredtes Zeug niß für desselben allgemeine Beliebtheit ab. Länger als ein Viertel Jahrhundert war Herr Jacob Borsteher der hiesigen Gemeinde und eine stattliche Anzahl jüdischer Knaben hat er als Mohel in den Bund der Väter aufgenonlmen, weite Reisen in Ausübung dieser nicht scheuend: noch jetzt in hohem Alter ist er Magid der NE'Hp rron und Vorbeter des Reilah-Gcbetes am Li'. Herr Sberrabdiner Dr. Lerner, Altona, sandte dem Jubilar telegraphisch seinen Glückwunsch und die Herren Rabbinatsasscssoren I. Eohn und E. Munk richteten schöne herzliche Worte schriftlich an denselben Die NE"" muri entsandte eine Deputation an ihren allverehrtcn Magid, der im Laufe des Tages viele Gratulanten sich anreihten. Möge dem Jubelgreise, der in körperlicher und geistiger Frische diesen Tag feierte, im Kreise der Seinigen ein froher heiterer Lebensabend ferner beschieden sein. vermischtes. Worms- Samstag, den 3. Juli sind es 25, Jahre, daß der allseitig so beliebte und verehrte Herr S. Rothschild als ReUgionslehrer seinen Dienst hier angetreten hat. Die jüdische Gemeinde wird diesen Tag festlich begehen. Budapest, Am 31. Mai hat in der Nombach-Synagoge ein Trauergottesdienst für Rabbi Samuel Löw Brill stattgesunden. Rabbiner Dr. Lazar Pollak hat eine Rede gehalten. — Jgimcz Schönberger, pensiouirter Lehrer, ist im Alter von 79 Jahren in Devecser gestorben. — Dr. David Erdci, Dberarzt in Szolnok, ist am 23. Mai im Alter von 80 Jabren gestorben. Petersburg Die „Petersburgskija Wjedomosti" berichten, daß die Emigration jüdischer Familien nach Amerika, die eine Zeit lang wesentlich abgeuommen hatte, sich jetzt bedeutend verstärkt habe. Vom Januar bis zum 1. April dieses Jahres sind über lausend jüdische Familien aus dem russischer! Reiche nach Amerika ausgewandert.