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Der Israelit · 1897-06-24 · Heft 50 (24.6.1897) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 50 (24.6.1897)
Date
1897-06-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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sind, daß beinahe die ganze Presse gegen unsere Glaubensgenossen auftritt, so hat man doch nicht daran geglaubt, daß in einer Provinz der französischen Republik derartige Exzesse, Mord und Plünderungen gegen die Juden Vorkommen könnten. Nachdem aber das schier Unglaubliche zur Thatsache geworden ist, ist man bemüht die Regierung zu veranlassen, einzuschreiten. Zuerst ist das jüdische Consistorium bei dem Minister des Innern Barthou vorstellig geworden, dann hat Josef Reinach in der Versammlung der Regierungsrepublikaner die Aufmerksamkeit auf die Exzesse gelenkt, worauf diese Partei ihr Präsidium beauftragt hat, mit dem Ministerpräsidenten und dem Minister des Innern offiziell zu verhandeln. Inzwischen hat der Großrabbiner Zadok Kahn mit bewährtem Eifer die Initiative zu einer Sammlung für die geschädigten, zum Theil vollständig ruinirten Israeliten der Provinz Oran ergriffen und einen Brief an die Zeitungen gerichtet, in dem er mit flammenden Worten gegen die Ausschreitungen der Judenfeinde protestirt, die Zeitungen brandmarkt, welche heute noch den traurigen Muth haben die Plünderer in Schutz zu nehmen, und die Juden gebeten, sich eifrig an der Sammlung zu betheiligen. Der Appell wird sicher großen Erfolg haben, denn schon war der Großrabbiner in der Lage 10 000 Frcs. nach Oran zu senden. Griechenland.? Athen. Wie es heißt, hätten sich die Juden in Thessalien von den Türken .bewegen lassen, eine Petition um Wiederanschluß an die Türkei nach Konstantinopel zu senden, wie es die Muhamedaner und die Kutzo-Wallachen schon gethan haben. Ob dies die Wahrheit ist, konnten wir nicht ermitteln, aber daß die Juden von den Türken sehr gut behandelt werden, ist Thatsache. Uebrigens haben die wenigen jüdischen Soldaten, welche im griechischen Heere dienen, sich trotz der allgemeinen Deroute sehr gut benommen, einer von ihnen hat sogar mit solcher Auszeichnung gejochten, daß er auf dem Schlachtfelde befördert wurde. Der Namen des Tapfern ist Bellili. Außer diesen sind noch mehrere verwundet, einige getödtet. Schlecht geht es dagegen den armen Juden in Arta, welche von dort nach Corfu geflüchtet sind und hier die bitterste Roth leiden. Ein Comite, aus den angesehensten Mitgliedern der Corfuer Gemeinde gebildet, hat einen Aufruf für diese Armen nach England gesendet, der hoffentlich Erfolg haben wird. England. London, 20. Juni. In sämmtlichen Gotteshäusern de» Britischen Reiches fanden heute feierliche Dank-Gottesdienste anläßlich des 60jährigen Jubiläums Ihrer Majestät der Königin Victoria statt. Der Hauptgottesdienst der Londoner jüdischen Gemeinde wurde Mittags 1 Uhr in der Great-Synagogue Duke's Place abgehalten. Die mit Fahnen und Palmen herrlich geschmückte und elektrisch beleuchtete Synagoge bot mit ihrer hervorragenden Versammlung einen imposanten Anblick. Der Lord Mayor Sir Faudel Philipps und die Lady Mayoreß fuhren in ihrer prächtigen Amtsequipage vor das Hauptportal, woselbst ihn der erste Vorsteher Lord Rothschild empsing; Knaben aus der hiesigen Feeischule in militärischer Uniform bildeten Spalier. Es folgten die beiden Sheriffs und eine große Anzahl von MagistratSräthen (Atdermen) in AmtStrachl. Der Lord-Mayor trug feine scharlachrothe Robe, sowie seine von Edelsteinen strotzende Amtskette von angeblich 2*/^ Millionen Mark Werth. Nachdem das große Orchester eine Jubiläums-Ouverture gespielt hatte, sang da» Chor Psalm 21 und der erste Vorsänger Revd. Hast trug das nnn-Gebet in gewohnter Weise vor. Alsdann bestieg der Chief-Rabbi Dr. Adler die herrlich verzierte Kanzel und wählte den passenden Text aus den Sprüchen Salomo's: bii m» mm Gemeinde, als der bedaß beim Regierungsantritt der^^^^^^^Mhre 1837 die Juden noch keine öffer^^^^^^W<bekleideten, während übermorgen be^WMIMchen Festzuge der Lord-Mayor, ein Jude, die Königin beim Eintritt in die City in Gegenwart vom»Millionen von Menschen aus allen Nationen der Erde, empfängt und als Vertreter der Hauptstadt Englands Ihrer Majestät das goldene Schwert überreicht^ Am Schluffe wurde das Gebet für die Königin und der königlichen Familie vorgetragen und die National-Hymne von der ganzen Gemeinde mit Begeisterung gesungen. —? London. »Lord Rosebuly hat für einen Bau einer neuen Synagoge ein G.schenk von 1000 Mark an den Schatzmeister dieses Baufonds gespendet, abermals ein schönes Zeichen der in England herrschenden Toleranz. Afrika. V Algier. Welchen Umfang die antisemitische Agitation hier schon genommen hat, dafür kann der Zwischenfall ein Beispiel sein, der sich kürzlich im hiesigen Aerzteverein ereignet hat. Obwohl der Aerztestand im allgemeinen liberal ist und viele Juden zählt, ist er in unserer Provinz doch auch schon antisemitisch durchhaucht und so war es möglich, daß bei der letzten Sitzung des Aerztevereins von Algier drei christliche Aerzte ausgenommen wurden, der jüdische dagegen abgelehnt wurde. Freilich erzwang der erzürnte Widerspruch der älteren Vereinsmitglieder eine Annullirung dieser Abstimmung und bei

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