Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 49 (21.6.1897)
- Date
- 1897-06-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448751--44098-2493177- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
955 aber unstreitig der, als einige frühere Schülerinnen, bereits in verschiedenen Berufen thätige Mädchen, vor den Herrn Rabbiner hintraten, und ihm unter Ausdrücken der Ehrerbietung eine in geschmackvollem Etui enthaltene Adresse vorlasen und überreichten. Mit dem im Chor gesungenen Ps. 150 schloß die Feier, worauf der Jubilar in ergreifenden Worten dankte und die Kinder mit seinem Segen entließ. Wir schließen unseren Bericht mit dem aufrichtigsten Wunsche, der Allmächtige möge unserem verehrten Herrn Rabbiner, den er bis hierher gnadenreich, geleitet hat, auch ferner mit seiner Gnade beistehen und ihm Kraft verleihen, noch lange für tii-.ts'str rx-r, erfolgreich zu wirken y'sk. München. Der Deutsch-Jsraelitische-Gemeinde- Bund versandte kürzlich die Nummer 45 seiner Mittheilungen. Außer dem Mitgliederverzeichniß und einigen Nekrologen enthält die Broschüre hauptsächlich den „Bericht der Abtheilung für Handwerk über die auf Handfertigkeit, Handwerksausbildung und technisches Studium gerichteten Bestrebungen in der deutschen Judenheit. Die Ausführungen geben beredtes Zeugniß, wie im Judenthum Handwerk und Arbeit hochgeschätzt und gefördert werden. Besonderes Jntereffe erregen die Artikel über die Einführung des Handfertigkeitsunterrichts in jüdischen Volksschulen, sowie über den Verein zur Förderung des Gartenbaues in Hannover. Auch der Aufruf zu Gunsten der Anstalt in Ahlem, der zur Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen, sowie endlich die „Geschichte des jüdischen Kurhospitals in Kolberg" sind allgemeiner Beachtung werth. Das Verzeichniß der übrigen, auf Unterstützung und Hebung des Handwerks zielenden Vereine, Stiftungen re. kann noch vielfach erweitert, bezw. ergänzt werden. Speziell sei auf eine, unter Verwaltung der Kultusgemeinde München stehende Stiftung hingewiesen, aus der alljählich sehr namhafte Beträge an jüdische Handwerkslehrlinge Bayerns vertheilt werden. Das Ausschreiben erfolgt gewöhnlich in einigen bayr. Zeitungen alljährlich im Monate Mürz. Auch in Nordheim v. Rh. ist seit Kurzem eine Stiftung mit ähnlichen Zielen in's Leben getreten, deren Satzungen und Bestimmungen von dem ehrw. Herrn Distriktsrabbiner Dr. Stein in Schweinfurt entworfen wurden. -K.- Arrs Baden Commerzienrath Friedr. H. Engel Horn, hat anläßlich seiner am 15. Juni d. I. gefeierten goldenen Hochzeit der Heimathsgcmeinde Mannheim die Summe von 50,000 M. mit der Bestimmung gestiftet, daß die Zinsen jährlich an fü if Familien oeriheilt werden sollen und zwar so, daß je 4 christliche und 1 Israel. Dame theilzunehmen haben. Der Stifter, ein einfacher Mann, ein gelernter Goidarbeiter, der es zur Stufe eines reichen Fabrikanten gebracht hat, ist Christ. Da die Stadt Mannheim 4 pC!. Juden hat, und diese aus der besagten Stiftung 20 pCt. zu genießen haben, so ist demselben für dieses besondere Wohlwollen herzlich zu danken. W. Oesterr.-Ungar. Monarchie. ** Tetscherr-Bodeirbach, 31. Mai. (Hans Kudlich über den Antisemitismus.) Hans Kudlich äußert sich gelegentlich eines Briefwechsels über die Sprachenverordnung unter Anderem wie folgt: „Hoboken, 10. Mai 1897. ... Es freut mich, zu hören, daß insbesondere die Jugend durchdrungen ist von dem Geiste der Freiheit und des Dentschthums. Sie werden diesen Geist sehr nöthig haben, um sich in dem wieder und wieder entbrennenden Kampfe gegen Slavismus und clericale Reaction zu beleben und zu stärken. Sie dürfen aber nicht vergessen, daß 1848 gesochten wurde unter der Fahne der Einigkeit aller Deutschösterreicher. Die Sache muß einmal gründlich zum Austrage gebracht werden. Der Deutsche ist immer noch etwas, ist Selbstzweck für sich und nicht Culturdünger für geistig und physisch absterbende unproduetive Racen. Es freut mich, daß namentlich die deutsche Jugend lebhaft theilnimmt an diesem Kampfe. Und so mögen alle Deutschen sich endlich die Hand reichen in diesem ernsten Kampfe und sie werden die Sympathie und Achtung der Welt erringen. Wenn aber bei den Einigungsversuchen eine Fraction ausruft: „Nein, wir machen nicht mit, denn dort steht ein deutscher Jude in euren Reihen!" dann lacht die ganze Welt über solchen knabenhaften Eigensinn und man sagt sich: „Wen die Götter verderben wollen, den machen sie zuerst blind und — dumm!" Einer aber, der kann darüber nicht mitlachen, dem blutet die Seele über solche Uneinigkeit, und das ist euer treugesinnter Hans Kudlich." England.? London. Der unermüdliche Feind der fremden, das heißt in erster Linie jüdischen Einwanderung Sir Hobert Vincent hat wieder einmal bei der Regierung angesragt, wie ste sich zu der steigenden Immigration armer Fremder stellen wolle. Ritschic, der Vorsitzende des Handelamtes, in dessen Ressort die Frage fällt, erwiederte darauf, daß er die Dinge im Auge behalte, aber eine gesetzgeberische Aktion für die nächste Session des Parlamentes nicht in Aussicht stellen könne.? London. Die hiesigen jüdischen Schulen haben sich zu einer Jewish Voluntary Schools Association organisirt, wodurch ihnen der Anspruch auf eine ergiebige Staatsunterstützung gesichert wird, wie solche die Schulen der anderen Confessionen nach dem neuen Gesetz ebenfalls beziehen werden. Präsident der neuen Vereinigung ist Lord Rothschild.