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Der Israelit · 1897-06-21 · Heft 49 (21.6.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 49 (21.6.1897)
Date
1897-06-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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950 HP **,-!***£- bedeutend erweitert werden könne, ist nun vor einigen Tagen erschienen und fand hier eine höchst freundliche Aufnahme. In diesem pietätvollen Aufrufe heißt es wörtlich: „Ein Geschlecht geht, das andere kommt, aber es genügt nicht, es zu beweinen, es ist auch nöthig, dessen Andenken zu verewigen, und die Ehren für unsere theueren Verstorbenen sind und werden sein ein Beweis, daß im Herzen des Israeliten, das erhabenste Gefühl des Menschen, der Cultus der Familie, immer lebhafter ist; dieser Cultus überlebt die Gebrechlichkeit der Materie und vereinigt die Vergangenheit mit der Gegenwart und Zukunft/' Dieser Aufruf beginnt auch schon Früchte zu tragen, denn bis jetzt sind schon 13,000 fl. für diesen edlen Zweck eingeflosten, wovon 6000 fl. unsere Cultusgemeinde spendete. Die Triester Juden zeigen so, daß die Pietät für ihre verstorbenen Ahnen in ihren Herzen noch nicht erloschen ist. Griechenland.? Athen, im Mai. Wie alle jüd. Gemeinden Griechenlands hat auch die auf der Insel Zante in ihrer Synagoge Gebete für den Sieg der griechischen Waffen abhalten lasten. Einer solchen Gebetstunde wohnte auch der Demarchos (Bezirksvorsteher) der Insel mit mehreren Beamten an. Plötzlich erschien auch der griechische Erzbischof der Insel, Monsignor Dyonisius Pleza, im Gotteshause, um, wie er sich äußerte, Gebete in jener Sprache verrichten zu hören, in der einst Gott auf dem Berge Sinai gesprochen. Nach Schluß der Gebetstunde richtete der Erzbischof einige Worte an die Gemeinde, in denen er sich sehr lobend über den Patriotismus der Juden Griechenlands äußerte. Einige hiesige Blätter hatten gemeldet, daß griechische Kriegsgefangene bei ihrer Ankunft in Salonichi von der türkischen Bevölkerung daselbst, unter der sich einige Jsraellten befanden, beschimpft worden seien. Der Präses der hiesigen Cultusgemeinde, Herr Carl Rothschild, und das General-Secretariat der jüd. Gemeinden Griechenlands, protestirten nun in den Tagesblättern gegen diese Nachricht, und gaben sie zugleich der Hoffnung Ausdruck, die jüd. Gemeinde in Salonichi werde gleichfalls dieses böse Gerücht dementiren. Afrika. (r.) Tanger, 3. Juni. Man hat nicht mit Unrecht hier gefürchtet, daß die Exceste gegen die Juden in Algier sich auch nach unserenr Sultanate fortpflanzen und auch die Juden Marokkos in Mitleidenschaft ziehen werden. Es hieß sogar auch schon, daß es in der Residenzstadt Fez zu Schlägereien zwischen Juden und Mohamedanern gekommen sei, wobei mehrere von den Ersteren schwer verwundet wurden. Diese Gerüchte bewahrheiten sich jedoch nicht. Die Ursache davon mag sein, daß jetzt in Fez gegen die Christen eine große Erbitterung herrscht und zwar wegen einer Unbill, die ein dort etablirter Kaufmann an seinem arabischen Dienstmädchen begangen haben soll, so daß die Regierung sich veranlaßt sah, militärische Schutzmaßregeln zu ergreifen, damit es zu keinem Chriften-Mastacre komme. Diese Schutzmaßregeln sind nun auch den Juden dort zugute gekommen. Aber auch hier uno in den benachbarten Küstenstädten herrscht eine leidliche Ruhe, da unser mohamedanischer Pöbel wohl weiß, daß Spanien und Frankreich nur auf eine günstige Gelegenheit warten, um in Marokko Truppen ausschiffen zu können. Uebrigens i>t auch die mohamevanische Geistlichkeit hier aufrichtig bestrebt, die Bevölkerung von einem Gewaltakte gegen die Juden zurückzuhalten. > Wersonallen. Wenkheim Jüngst feierte Herr Lehrer Hof mann sein .'»Ojähriges Amtsjubiläum. Herr Dr. Löwenstein, Bezirksrabbiner in Mosbach, wie auch mehrere Collegen aus der Nähe erschienen zu der Feier. Herr Dr. Löwenstein schilderte in schwungvoller Rede die guten Eigenschaften und Leistungen des Jubilars. Möge es Herrn Hofmann gegönnt sein, mit Lebcnssrische noch lange den Ruhegehalt, der ihm von höchster Stelle wohlverdienter Weise gewährt wurde, zu genießen. Herr Hosmann ist noch einer von den Wenigen, die mit menn das MQd verstehen. Bon höchster Stelle wurde ihm eine goldene Denkmünze mit dem Bildnisse des Großherzogs überreicht. Herr Dr. Löwenstein erneuerte die Ehofer, die ihnl sein sel. Bnter verliehen hatte. S. Fuchs. Tann a. Rhön- Ein seltenes Fest vereinigte am zweiten Tage des Schowuothsestes viele Lanner Bürger in dem Münzel'schen Lokale. Herr Lehrer H e ch t feierte an diesem Tage das Löjährigc Jubiläum seines Wirkens an der hiesigen Schule und an der israelitischen Cultusgemeinde. Nachdem Morgens in der hiesigen Synagoge diese Feier durch einen Festgottesdicnst würdig eingcleitet worden war, fand Nachmittags im Münzel'schen Saale die eigentliche Festseier statt. Der Jubilar wurde durch ein Comitö in das Fcstlotal geleitet. Ein Sängerchor begrüßte ihn durch ein Lied, woraus der Borsteher der hiesigen Cultusgemeinde, Herr Benjamin Freudenthal, ihm nach einer Ansprache im Namen der Gemeinde das Gemeindegcschenk übergab, das aus einem prachtvollen Salonschrant mit entsprechender Widmung bestand. Im Auftrag des hiesigen jüdischen Vereines übergab sodann Herr Kaufmann S. Hcilbr onn nach einer kurzen Rede als Geschenk einen silbernen Pokal, ein Meisterstück Nürnberger Kunst. Hieraus überreichte eine Schülerin Namens der hiesigen Schu'e ein kostbares Album, „Bilder aus dem altjüdischen Familienleben", und begleitete Vit HGrrtzQdr ditsts wft w\ot Festgedicht. Xitf bewegt dankte der Jubilar für alle diese Gaben als Zeichen treuer Anhänglichkeit und Liebe. Ein Eommers hielt dann alle Anwesenden bis gegen 6 Uhr zusammen. Wer möchte da die einzelnen Reden und Toaste, Gedichte und Vorträge alle aufzählen, die im Verlauf dieser Zeit gehalten wurden? Zu erwähnen sei noch, daß auch die hiesige evangelische Lehrerschaft den Jubilar durch ein Geschenk, bestehend aus einem vaterländischen Gedenkbuch, ehrte, das Herr Lehrer Kalb mit einer entsprechenden Ansprache überreichte. Um halb sieben Uhr begann sodann das Festessen, bei dem auch wieder gar manche Rede gehalten, gar mancher Toast ausgebracht wurde. Ein Festbankett, das sich dann anschloß, beendete diese nach allen weiten hin gelungene Feier.

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