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Der Israelit · 1897-06-21 · Heft 49 (21.6.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 49 (21.6.1897)
Date
1897-06-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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947 seine Ehrenstelle materiell ausbeutet, daß die Repräsentanz überhaupt sich um das Wohl der Gemeinde gar nicht kümmert, und daß der Vorstand nur eine Agitationsstätte für die Wahlen in die Handelskammer, Gemeinderath und Parlament sei. — Der Vorsitzende geht jetzt zu einem Verhör in Detailfragen über und als er unter anderen an N. die Frage richtet, ob er der jüd. Gemeindeverwaltung Nepotismus vorwerfe, erwiderte der Angeklagte, daß er diesen Ausdruck nicht verstehe, was im Auditorium Heiterkeit hervorruft. Auf die weitere Frage, zu welcher Partei er gehöre, antwortete er, nach kurzem Nachsinnen, zu keiner, — nur zur Gerechtigkeit. Vorsitzender: Richten Sie Ihre Vorwürfe gegen den Gesammtvorstand. oder gegen einzelne Personen? Angekl.: In erster Reihe gegen Hirsch Landau und theilweise auch gegen Dr. Horowitz. — Auf Initiative der jüdischen Abgeordneten aus Galizien wurde s. Z. eine sogenannte „Hilfsaction" ins Leben gerufen, die den Zweck hatte, der armen jüd. Bevölkerung durch Stellung von gewerblichen Maschinen, Gründung von Musterwerkstätten rc. unter die Arme zu greifen. Daß diese ganze „Action" bald im Sande verlief, ist in Galizien so ziemlich selbstverständlich. Mit dem Prozesie steht die Sache insoferne im Zusammenhänge, als Neichenberg ins Comite berufen worden war, dann aber entfernt wurde. Reichenbergs Angriffe datiren von der Zeit her, als er dem Comite nothgedrungen nicht mehr angehörte. Der Angeklagte behauptet, deßhalb ausgetreten zu sein, weil er mit der Corruption nichts zu thun haben wollte, Dr. Seinfeld aber will durch Zeugen beweisen, daß er uusgestoßen wurde, weil die übrigen Comitömitglieder, ob feines geringen Bildungsgrades ihn in ihrer Mitte nicht leiden wollten. Herr Hirsch Landau, als Zeuge vernommen, gibt über die Mehllieferung Auskunft, über die Zusammenstellung der Wählerlisten u. s. w. Seme Offerte mar wohl im Preise etwas höher, die Mühle aber, deren Miteigenthümer er sei, erzeuge nur beffere Marken, so daß seine Mühle gewöhnlich zur Lieferung einige hundert Gulden zugesetzt habe. Ueber sein Verhältniß zu Reichenberg befragt, sagt er aus, er habe ihn vor einigen Jahren kennen gelernt. Reichenberg bat ihn, er möge ihm zu einer Carriere verhelfen, und da er L. Mitglied der Baron Hirsch- Stiftung sei, ihm bei dieser Stiftung die Stelle eines Wanderpredigers mit einem Monatsgehalte von 100 fl. verschaffen. Als Aequivalent machte'er sich anheischig, ihn in seiner Zeitung, die demnächst die „Neue Freie Presse" überflügeln wird, mit Lob zu überschütten. Der Zeuge lehnte dankend ab und seit dieser Zeit ist er die Zielscheibe seiner Angriffe. Zeuge Margulies, ein Mitglied der Befteuerungskommifsion, wirft auf den Angeklagten ein sonder- | bares Streiflicht. Als er ihm vorhielt, warum er in seinem Blatte solche Lügen auftische, antwortete R., er müsse Sensationelles bringen, sonst würde Niemand sein Blatt lesen. Sein Blättchen sei ein Kübel mit Spülwasser, und von Zeit zu Zeit müsse er dieses Spülwasser über Jemanden ausschütten. Bei einer anderen Gelegenheit: Mein Blatt ist ein Revolverblatt, wenn ich schieße, ist jemand erschossen. Reichenbergs Entlastungszeuge, der Buchhändler A. Faust, sagt aus, daß im Vorstande alles nach Landau's Pfeife tanze. Ec sei ein wahrer Dictator, bestimme, was zu besteuern sei und wer gewählt werden solle. Ec erzählt von der Fälschung, während der Wahl im Jahre 1889. M. Pamm, ein Mitglied der Wahlcommission, habe ihm dieses Factum erzählt und in einer öffentlichen Versammlung wiederholt. Der Zeuge Pamm, der jetzt nicht mehr in Krakau wohnt und sich in Wien, resp. in VöSlau aufhalten soll, wird auf Verlangen des Angeklagten telegraphisch vorgeladen werden. Krakau, 15. Juni. Der Prozeß hat gestern eine unerwartete Wendung genommen und noch vor Beendigung des Beweisverfahrens fand er seinen Abschluß. Es kam ein lendenlahmer Ausgleich zu Stande, eine Ehrenerklärung wurde verlesen, aber es muß gesagt werden, unsere Repräsentanz hat keine Ursache, auf den Verlauf der Gerichtsverhandlung stolz zu sein und der Vicepräsident Herr Hirsch Landau, liegt besiegt am Boden. Ehe wir die Schlußphasen wiedergeben, müssen wir noch die Aussagen zweier Zeugen, die einen mächtigen Eindruck übten und den „Ausgleich" herbeiführten, anführen. Banquier Juda Birnbaum, deponirt Landau, habe es zu einer großen Meisterschaft in der „Wahlmacherei" gebracht, da er sich unausgesetzt mit Wahlen in verschiedenen Körperschaften befasse. Das Uebel stecke im Wahlsystem, das auf dem Domestikalbeitrage basire. Er könne zwar keine konkreten Fälle anführen, Thatsache sei es aber, daß die Majorität der jüdischen Bevölkerung Krakaus der conservativen Richtung angehöre, während im Vorstande die sogenannte Fortschrittspartei das große Wort führe. Im Publikum herrsche eine tiefgehende Unzufriedenheit, die sich auch auf intelligente Kreise erstrecke. Zeuge Dr. Maurycz Wechsler, einstiger Cultusvorsteher und bis vor einigen Jahren Mitglied der Einschätzungskommission, ist aus diesem Collegium ausgetreten, da es. aus blinden Anhängern Landau's bestand und er nicht die Rolle einer „gemalten Puppe" spielen wollte. Landau besitze in der jüd. Gemeinde einen ungeheuren Einfluß, und das in Folge der Durchführungsart der Wahlen. Welcher Jude in

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