Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 48 (16.6.1897)
- Date
- 1897-06-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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930 WWWWWWWWWWWWW WVWWWWWW über die Verhältnisse des Krankenhauses in Cafes, Bierhallen, EisenbahnconpeZ in der erregtesten Weise verhandelt worden war. — Ein kleiner Kreis wohlthätiger Menschen bildet eine rühmliche Ausnahme von der Gesammtheit und zu diesem kleinen Kreise kommt auch Alles und Jedes, was Unterstützung beansprucht und deren Namen sind auf allen Listen für wohlthätige Zwecke zu finden. — Im Gegensätze zu dem Correspondenten in Nr. 46 des „Israelit,, möchten wir der neuen Verwaltung zum Vorwurf machen, daß sie „die finanzielle Lage der Anstalt" zu wenig „auf dem Wege des Begehrens (!) zu verbessern sucht." Unser Rath geht dahin. Die Herren der Verwaltung mögen eine neue Liste für Jahresbeiträge aufstellen und sich mit den, ihren Vermögensverhältnissen entsprechenden Beiträgen an die Spitze stellen. Dann wird es wohl nicht schwer halten, wenn je 2 Herren der Verwaltung persönlich bei den einzelnen Mitgliedern der Gemeinde vorsprechen, von diesen ebenfalls entsprechende Beiträge zu erhalten. Ferner müßte auch der Bezirk zu entsprechenden Beiträgen herangezogen werden. Dieses könnte dadurch geschahen, daß die einzelnen Gemeinden als solche einen Jahresbeitrag leisten und dadurch das Recht erwerben, daß bedürftige Kranke der Gemeinde, wenn nöthig, kostenfreie Aufnahme im Krankenhause finden. Andernfalls könnten einzelne Wohlhabende, die G. s. D. in jeder Gemeinde zu finden sind, zu Jahresbeiträgen veranlaßt werden. Auf diese Weise könnten leicht die Mittel beschafft werden, damit das Krankenhaus auch den Anforderungen entspreche, die man mit Recht an ein jüdisches Krankenhaus zu stellen hat. Dann hätte die Verwaltung gewiß nicht mehr nöthig, sich bei der Verpflegung der Kranken in Widerspruch mit den Aerzten zu stellen und auf Kosten einer rationellen Verpflegung der Kranken, Ersparnisse herbeizuführen. Ein jeder Einzelne der Verwaltungsmitglieder müßte sich aber auch sagen, daß ein solches Ehrenamt Pflichten auferlegt, die darin bestehen, daß er die großen Zwecke einer solchen Anstalt nach seinen Mitteln und Kräften fördert. Mögen diese Zeilen, die rein objektiv, ohne jedes persönliche Interesse, geschrieben sind, zur Förderung von wahrem ^vn beitragen. .nöKi "Dn Frankfurt a. M. In das C en t r a l c o m i t e zur Errichtung eines jüdischen Krankenhauses in Jerusalem wurde an Stelle des Heimgegangener! Herrn Theodor Hamburger, der sich um das große jüdische Liebeswerk so sehr verdient gemacht hat, in der vorige Woche stattgehabten Sitzung Herr Hermann Lehmann in Stettin einstimmig gewählt. Derselbe hat sich bereits als eifriger Förderer dieses Werkes echt jüdischer Wohlthätigkeit ausgezeichnet. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Budapest. Der kürzlich verstorbene pensionirte Bürgermeister Karl Kammermayer hatte seine wahrhaft liberale Gesinnung den orthodoxen Juden gegenüber wiederholt bekundet, so daß er es verdient, daß wir seiner hier gedenken. Folgende zwei Vorfälle sind besonders erwähnenSwerth.' Gelegentlich der Ordnung des jüdischen Matrikelwesens war ursprünglich geplant, daß in einer Stadt, selbst wenn in derselben zwei oder gar drei Gemeinden existiren, nur ein jüdisches Matrikelamt bestehe. Wie überall, wollten auch hier die Neologen die ausschließliche jüdische Matrikelsührung an sich reißen, die Sache kam vor dem Verwaltungsausschuß zur Sprache, wo einige Neologenführer über die hiesige orthodoxe Gemeinde sich sehr despectirlich äußerten. Da erhob sich Bürgermeister Kammermayer und erklärte, hiergegen Protestiren zu müssen. „Diese Orthodoxen," sagteer, „sind keineswegs Finsterlinge, auch keine Galizianer, wie die Herren uns glauben machen wollen; im Gegentheil, die Deputiaton der Orthodoxen, welche jüngst bei mir war, bestand aus lauter hochintelligenten Männern." Die Folge dieser den Neologen ertheilte Lektion war, daß die orthodoxe Gemeinde ihr eigenes Matrikelamt behalten konnte. — Der andere Fall ereignete sich in Angelegenheit der Koscherkost, mit welcher der Bikur Cholim-Verein die im Rochusspital befindlichen Kranken unentgeltlich versieht. Vor einigen Jahren fiel es nämlich dem „jüdischen" Stadtphysikus ein, die Verabreichung dieser Kost im Spital aus angeblichen „Sanitätsrücksichten" zu verbieten. Der verdienstvolle Präsident des Vereins, Herr Dr. Jakob Schächter protestirte energisch gegen dieses Verbot, der neologe Stadtphysikus gab aber nicht nach. Dr. Schächter begab sich hierauf zum damaligen Bürgermeister Kammermayer, der sofort alles daransetzte, daß das genannte Verbot noch am selben Tage aufgehoben wurde. vermischtes. Budapest. Dr. Josef Köröfi, Direktor des hauptstädtischen statistischen Bureaus hat von Sr. Majestät Kaiser. König Franz Josef das Prädikat „de S&ntoo“ erhalten. Vor einigen Jahren hat ihm Se. Majestät den ungarischen Adel verliehen. — — Professor Ignatz Schwarz hat eine Reise nach Jerusalem angetreten; er gedenkt sich im heiligen Lande 4 Wochen aufzuhalten und begiedt sich dann nach Egypten; er beabsichtigt ein Werk in ungar. Sprache herauszugeben, dessen Reinerträgniß er den türkischen Verwundeten nach Konstantinopel senden wird. Professor Schwarz ist ein hervorragender Talmudist, befaßt sich jedoch gegenwärtig mit dem Studium orientalischer Sprachen. Schwarz ist ein streng Orthodoxer und wird sich auf der Reise seine Speisen selbst rituell zubereiten.