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Der Israelit · 1897-06-16 · Heft 48 (16.6.1897) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 48 (16.6.1897)
Date
1897-06-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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**%?***?*&!£+ 929 habe, alle ihre Wohlthätigkeitsanstalten nur aus eigner Kraft zu erhalten und jedes „Begehren" von Spenden für das „hohe Ansehen" einer Wohlthätigkeitsanstalt als unwürdig erachte. Viele Leser des „Israelit" werden aber unwillkürlich fragen: Sind denn alle Wohlthätigkeitsanstalten in Straßburg so reich sundirt, daß diese den an sie gestellten Anforderungen in vollem Maße entsprechen können, ohne freiwillige Spenden von den Guneindemitgliedenr beanspruchen zu müssen? Dieses wären wahrlich ideale Zustände, um welche uns auch die vornehmsten jüdischen Gemeinden beneiden könnten! — Wir wollen aber ganz objektiv an der Hand von Thalsachen die Zustände in hiesiger Gemeinde auf dem Gebiete der Wohlthätigkeitsanstalten prüfen, ob diese in Wirklichkeit so ideale sind. Wir wollen vor Allem die Verhältnisse des Krankenhauses betrachten, da ja in jüngster Zeit gerade diese Wohlthätigkeitsanstalt so vielfach in den Vordergrund der Erörterungen getreten ist. Es muß nun bemerkt werden, daß das hiesige israelitische Krankenhaus in wirklich großartiger Weise allen Anforderungen der Neuzeit entsprechend eingerichtet ist. Die Leitung war auch bisher eine so vorzügliche, daß die berühmtesten hiesigen Aerzte und Professoren mit Vorliebe ihre Patienten in diesem Krankenhause verpflegen ließen. Doch alle diese großartigen Einrichtungen konnten nur den Bemittelten zu Gute kommen. Für Arme und Unbemittelte ist kein Raun: in dem israelitischen Krankenhause der Stadt Straßbnrg i. E., denn ohne Bezahlung kann N i e m a n d ausgenommen werden. Eine Ausnahme wird nur gemacht mittellosen Kranken gegenüber, die sich als Mitglieder der hiesigen Gemeinde eingekaust haben und an zahlen, wie der technische Ausdruck lautet. Daher erklärt sich auch zur Genüge die Thalsache, die mir dem offiziellen Berichte der Krankenhaus-Commission vom 29. April d. I. entnehinen: „In der Anstalt wurde wahrend des verflossenen Jahres i2 arme Kranke mit zusammen 52Ü Verpflegungstagen unentgeltlich ausgenommen." Der Bezirk Unterelsaß muß wirklich sehr gesunde oder minimal wenige Jehudim haben. — In Wirkichkeit liegen die Verhältnisse aber derart, daß gar keine Rede davon sein kann, daß ein durchreisender armer mm in dem jüdischen Spitale Aufnahme findet. Man verweigert rundweg die Aufnahme. Bei bedürftigen hiesigen Kranken, die nicht zu bnp gehören, wird gewöhnlich eine Aufnahme gegen Vergütung von M. 3 oder auch M. 2 gestattet. Da die Bedürftigen aber auch diese Vergütung häufig nicht leisten können, so kömmt hier oft ein eigenartiges Verfahren zur Anwendung. Der Bedürftige selbst, oder Andere für ihn, ersuchen gute Menschen, daß diese einzelne Tage zahlen, bis 14 oder 21 Tage glücklich beisammen sind. Aber auch bedürftige Kranke, welche zu ‘mp gehören, erlangen oft erst nach großen Schwierigkeiten Aufnahme. Dieses Alles hat aber seine Ursache darin, weil die Verwaltung seit Jahren erklärt hat: „ES stehen keine Mittel zur Verfügung". — Wir fragen: Sind dieses Zustände, welche man schon je gehört hat und sind diese einer großen Gemeinde würdig? — Wir fragen aber weiter, wären dann keine Mittel vorhanden, um eine Aenderung dieser traurigen und beschämenden Zustände herbeizuführen? — Ein Blick in den schon erwähnten, offiziellen Bericht würde schon einen Weg zeigen, auf welchen: eine Besserung herbeizuführen wäre. In diesem Berichte wird von „400 Unterzeichnern" gesprochen, das heißt mit anderen Worten 400 leisten jährliche Beiträge zur Erhaltung des Krankenhauses. Rach dem Kassenberichte beträgt aber die Gesammtsumme der jährlichen Beiträge ungefähr — M. 3000. — Also 400 Beitragende bringen glücklich in der großen Gemeinde Straßburg ungefähr M. 3000 auf, wenn es sich um ein Unternehmen von der Wichtigkeit eines „heiligen BeS- Hacholim" handelt. Blättert man die Liste der Beitragenden durch, so bcmerkt man aus diesem Gebiete eine rührende Harmonie zwischen Eingeborenen und Eingewanderten, nur mit dem einem Unterschiede, daß fast durchwegs die Deutschen den Verhältnissen entsprechend sehr kleine Beiträge geben, und die Elsässer noch kleinere. Und unter solchen Umständen „hätte ein großer Theil der hiesigen israelitischen" Gemeinde aus ein solches Gnadengeschenk gerne verzichtet?" Gewiß, ein großer Theil der Gemeinde wäre so großmüchig, die Armen weiter arm und die Kranken weiter krank sein zu lassen. Wenn nur das „heilige Bes-Hacholim" als schöner Bau dasteht, die armen Kranken können dann ins Bürgerspital gehen, dort essen. Man erklärt ihnen, wie bei anderen Fällen, dieses wäre in solcher Lage gestattet. Wenn nun doch Einzelne sich mit dieser „Dispensation von den Speisegesetzen" nicht beruhigen wollen und die nothwendige Unterstützung beanspruchen, so schickt sie eine Stelle zu der andern. Jede erklärt sich für unzuständig über das Gesuch zu befinden und Bedürftige machen auf diese Weise in der „wunderschönen Stadt" gar eigenthümlich Kreuz- und Querfahrten, um endlich am Ziele ihrer Wanderung den endgiltigen Bescheid zu erhalten: „Es geht nicht, es ist kein Geld da." Diese krasse Gleichgiltigkeit gegen humanitäre Bestrebungen bekundet sich hier auf fast allen Gebieten. Nur dadurch erklärt sich auch, daß bei einer Generalversammlung des Krankenhauses von 400 Mitgliedern im Ganzen sechs erschienen sind, nachdem schon Wochen lang

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