Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 48 (16.6.1897)
- Date
- 1897-06-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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fJW 928 voranging, daß sie für die streng religiöse Richtung einen eigenen Rabbiner in der Person des Herrn Dr. Hirschfeld eingestellt hat, steht zu erwarten, daß, da die überwiegende Mehrzahl des Landes eben dieser streng religiösen Richtung angehört, auch bei dieser zweiten Umfrage der g esinnungstücht ige Standpunkt fest bewahrt bleiben und die Herren Vorsteher Mann für Mann ihren Anschluß an das streng religiöse Rabbinat erklären werden. Airs Weftpreußen. Am 8. Juni fand in Graudenz die Konferenz des im vorigen Jahre in Danzig gegründeten „Vereins der Religionslehrer der Provinz Westpreußen" statt. Es hatten sich wiederum, wie im vorigen Jahre größtentheils Lehrer, die an öffentlichen Schulen angeftellt sind, eingesunden, die das Thema, das besprochen werden sollte, am wenigsten anging. Lehrer Geisenberg—Marienwerder referierte über das Thema „Definitive Anstellung der Religionslehrer und Pension irung derselben, Sorge für deren Wittwen und Waisen." Es wäre wünschenswerth, wenn all das, was Referent und mit ihm alle Religionslehrer wünschen, auch wirklich in Erfüllung gehen würde; allein bei den Zuständen, die in vielen Gemeinden in der Provinz herrschen, ist nicht viel zu erwarten. So sind die Lehrer auf Selbsthülfe angewiesen. Es ist den Lehrern zu rathen, sich der in Danzig bestehenden HilfSkaffe für Beamte in den Provinzen Ost-, Weftpreußen und Pommern anzufchließen, die, wie Lehrer Schreiber-Danzig mittheilte, an Wittwen bis zu 500 Mark Pension zahlt. Auch von dem neugegründeten „Verband der Synagogengemeinden Westpreußens" dürfte Verbefferung der Lage der Lehrer zu erwarten sein. In der sich an den Vortrag anschließenden Debatte versprach Herr Rabbiner Dr. Rosenstein—Graudenz, daß er dafür eintreten wolle, daß der vor einigen Tagen in Thorn gegründete „Verein der Rabbiner Westpreußens" mit dem Lehrerverein Hand in Hand gehen und für Sicherstellung der Lage der Lehrer eintreten werde. Zur bedauern ist es nur, daß bei der Wichtigkeit des besprochenen Themas nicht die Lehrer zugegen waren, die es am meisten angeht. Ueberhaupt zeigen die Religionslehrer unserer Provinz wenig Interesse für den Verein, es zeigt dieses wie wenig sie Sinn für das Vereinsleben, das in allen Gauen unseres weiten Vaterlandes blüht, haben. Wir wollen trotz alledem nicht den Muth verlieren und hoffen, daß die Ziele, die wir uns gesteckt haben, nämlich Förderung des Religionsunterrichts, der in unserer Provinz noch sehr im Argen ist und Bessergestaltung der Lage der Religionslehrer, erreicht werden. Noch einiges Erfreuliche kann ich Ihnen aus unserer Provinz melden. In diesen Tagen überreichte Herr Fabrikbesitzer und Beigeordneter Arie Sold färb—Pr.-Stargard, dem Magistrat zu Pr.-Stargard zum Andenken an seine verstorbenen, durch Wohlthätigkeitssinn weit über die Grenzen unserer Provinz rühmlichst bekannten Eltern, eine Stiftung von 20 000 Mark behufs Gründung eines Altenheims für Würdige aller Konfessionen. Außerdem spendete der benamte Herr im Namen der Hinterbliebenen noch 10 000 Mk. für unsere Gemeinde und für verschiedene Wohlthätigkeits-Anstalten. Darunter je 1000 Mk. dem Vaterländischen, katholischen und israelitischen Frauenverein. Es geschieht dieses alles ganz im Sinne der Verstorbenen, die zu jeder Zeit mit vollen Händen ohne Unterschied der Konfessionen spendeten. In Marienburg wird mit dem Bau einer Synagoge begonnen und ist der Bau bereits vergeben; ohne die innere Einrichtung kostet er 89 000 Mark. Es zeugt dieses von dem Opfersinn dieser kleinen Gemeinde und ist dieses Werk vor allem den Bemühungen des Herrn Dr. Pineus und L. Behrendt daselbst zu verdanken. Die alte Synagoge ist aber derart beschaffen wie keine zweite irgendwo. Sie befindet sich in einem alten Kellergewölbe, welches wohl noch aus der Zeit des deutschen Ritterordens, dessen Sitz Marienburg war, stammt. Der Zugang zur Synagoge geschieht durch zwei Treppen nach der Tiefe. Mit Recht können wir sagen, daß hier aus der Tiefe zu Gott gebetet wird, allein ob auch wohl die dazu nothwendige Zahl auch nur am Sonnabend vorhanden ist, ist sehr fraglich. Wollen wir hoffen, daß in dem neuen würdigen Gebäude auch der Gottesdienst ein würdiger sei. Rynarzewski, Lehrer. Straßburg i. E. In der Eorrespondenz von hier in Nr. 46 des „Israelit" wird erwähnt, oaß das hiesige israelitische Krankenhaus von der Wittwe des Barons v. H i r s ch ein Geschenk von M. 500) erhalten habe. Es wird dann der Vermuthung Ausdruck verliehen, daß dieses Geschenk durch ein Bittgesuch der neuen Verwaltung des israelitischen Krankenhauses veranlaßt worden fei und dann dabei bemerkt: „Wenn letzteres der Fall sein sollte, hätte ein großer Theil der hiesigen isr. Gemeinde aus ein solches Gnadengeschenk gern verzichtet", und der Verwaltung wird der Vorwurf geinacht, daß sie die finanzielle Lage dieser bisher in hohem Ansehen gestandenen Anstalt auf dem nicht ungewöhnlichen Weg des Begehrens zu verbessern suche. — Unwillkürlich müßte man nach diesen Ausführungen auf den Gedanken kommen, die jüdische Gemeinde in Straßburg sei die vornehmste unter qllen jüdischen Gemeinden, da sie das hochedle Streben