Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 48 (16.6.1897)
- Date
- 1897-06-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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927 A!a3nt'/-<T *gy—Jf&V-." ’ -"'- > .-s-v Platz, die uns heute kaum verständlich ist. Ein Jude, der irgendwie eine leitende oder maßgebende Stelle einnahm, geberdete sich, als habe er selbst die Mauern der Ghetti's gestürmt und niedergelegt. Die jungen Leute, welchen sich die Gymnasien und Universitäten aufthaten, wurden so von Dünkel erfüllt, daß man meinen konnte, sie erst hätten den klassischen Studien den Weg geebnet, sie hätten die Werke der großen deutschen Dichter selbst geschrieben, sie seien es, denen alle modernen Erfindungen zu verdanken seien. Hinter ihnen war Nacht, vor ihnen war Licht. Ueber die große Vergangenheit Israels, die bis an die Schwelle der neuesten Zeit reicht, wurde der Stab gebrochen. Die Modernen waren noch bescheiden, wenn sie sich nur für Engel hielten, den Alten wurden die Menschenrechte genommen. Auf sie braucht man nicht zu achten, ihnen war man keine Ehre schuldig. Und bekannt genug ist es, wie oft zu diesen Alten, die man verhöhnte und auf's Tiefste kränkte, die eigenen Eltern der jungen Himmelsstürmer gehörten. Kcirn rm'iw mappa* Die Pietätlosigkeit und Ueberhebung der jungen Welt nahm solch fabelhafte Ausdehnung an, daß man glauben konnte, es sei schon jene Zeit des tiefsten Verfalls gekommen, den die Mischna in Sota für die Epoche vorausfagt, welche der Erlösung vorangehen wird. Und konnte man von den Männern, die aus einer solchen Zeit hervorgegangen waren, eine andere Darstellung der jüdischen Geschichte erwarten, als die, welche bis vor kaum mehr als einem Jahr» zehnt, so gut wie unbestritten das Feld behauptete? Der Anfang und die Mitte des Jahrhunderts haben eine Geschichtsforschung erzeugt, deren Ziel es war die D'oan ruics, die Verehrung für die Thoralehrer, die in Israel herrscht, zu untergraben. Und traurige Früchte dieser Maulwurfsarbeit, zeigen sich am Ende des Jahrhunderts oft selbst in den Kreisen der Bestgesinnten. Die o'v-n ist weiten Kreisen in Israel, selbst Vielen, die sich zu den Gesetzestreuen zählen, abhanden gekommen. Da wird von Vielen, die fromm sein wollen, über die weitgreisendsten bi iziran rwpn, über nmrr m in einer leichtfertigen Weise gesprochen, als handle es sich um Einrichtungen, die von Halbbarbaren getroffen seien. Dem aiv ov wagen Leute die Berechtigung abzusprechen, die von den Grundlagen unserer Kalenderberechnung keine Ahnung haben. Man redet da ins Blaue hinein, man klopft sich stolz auf die Brust, daß man arm xvapa 'pa sei, und weiß nicht, daß es uns in hm bei Vernachlässigung des 'jv v"> nicht möglich wäre, auch nur einen ans dt, außer dem Sabbat auch nur einen Feiertag in richtiger Weife zu begehen. Was soll man erst zu den gedankenlosen Redensarten über dj" di® w», über die Verhüllung des Haupthaares der verheiratheten Frau und leider über vieles Andere mehr, sagen? Und diejenigen, die sich mit dem Studium unseres heiligen Gesetzes beschäftigen, oder beschäftigen sollen^Diejenigen, die sich heranbilven wollen, um einst Leiter und Lehrer in Israel zu werden? Wie oft beobachteten "wir es schon wie solche junge Leute, wenn sie kaum ein Blatt nTvz fließend herunterlesen konnten, im Vollbewußtsein ihrer reichen Kenntniffe hochmüthig ihr Uriheil über die Berechtigung der Aussprüche von Tanaim und Amoraim abgaben! Wie Viele beginnen mit dem Kritisiren, bevor sie noch eine Ahnung haben, was „Lernen" heißt! Werden diese Schüler je eine richtige Thorakenntniß erlangen können? Wir erinnern uns hier an einen jungen Freund, von dem es bekannt war, daß Talmud feine schwächste Seite war, und der sich einen Jeruschalmi nach Hause nahm, um an dem Babli Kritik üben zu können. Diese Bilder, welche den Verlust der oian juidk illustriren, lassen sich leider ins Ungezählte vermehren. Eine gefährliche Krankheit unserer Zeit ist es, daß uns o'DDn ruiöK abhanden kam, daß wir es verlernt haben, mit Ehrfurcht und Achtung hinaufzusehen zu unseren großen Lehrern alter Zeiten. Die Thora wird erworben durch anan rizivx. Ohne diese giebt es keine Kenntniß der Thora, und ohne nun keine nniap. Allgemein und berechtigt ist die Klage, daß bei den deutschen Juden die Kenntniß unseres heiligen Gesetzes und damit auch die Freudigkeit und Gewissenhaftigkeit bei deffen Ausführung sehr abgenommen hat. Kann das besser werden? Ja. Und wie? Indem wir die Diran widk wiedergewinnen, indem wir lernen die großen Männer unseres Volkes wahrhaft zu ehren und zu achten, 'vpv 'D"pi nwn w ’kvdö noa xan idk xa*> X12Z vpe D"p *b) rrm mo. Raba sagte, wie beschränkt sind doch die meisten Leute, die wohl ehrfurchtsvoll vor einer Thorarolle aufstehen, aber nicht aufstehen vor einem großen Manne. (Fortsetzung folgt.) Ieituttgsnachrichee« und Sorrefponverrze«. Deutschland. Mainz, im Juni. Neuerdings hat die Großh. Hess. Provinzial-Direktion in Gießen — aus welchem Grunde ist uns unbekannt — eine zweite Umfrage in der Provinz Oberheffen gehalten, welchen von beiden staatlich gleichgestellten Rabbinen die betr. Gemeinden sich nun mit Unterzeichnung sämmtlicher Gemeindevorsteher anzuschließen gedenken. Nachdem die Großherzogl. Negierung den andern Staaten des Deutschen Reiches mit leuchtendem Beispiel darin