Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 47 (14.6.1897)
- Date
- 1897-06-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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918 Schriftführer, Dr. Guido Freiherr v. Clauer, Franz Frauenberger, Ludwig Hetsey, Reichsrath-Abgeordneter Dr. Ferdinand Kronawetter, Dr. Joseph v. Seiüern und Reichsraths-Abgeordneter Karl Wrabetz als Vorstandsmitglieder. Von C a r n e r i war aus Graz ein Begrüßungsschreiben eingelangt. Zeitungsnachrichten und Corresporrdenzen. Deutschland. Hamburg. Dem Bericht des Krankenhauses der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, der sel. Frau Betty Heine für das Jahr 1896 entnehmen wir: Im Jahre 1896 wurden im Krankenhause 1066 Personen ausgenommen. Wenngleich diese Zahl um 68 geringer ist, als im Vorjahre, so ist doch diese Zahl der Pflegetage in Folge längeren Verbleibens der einzelnen Kranken erheblich gestiegen; 1895 betrugen die Pflegetage 27,565, während 1896 sich dieselben aus 30,726 beliefen. Unsere Anstalt war zeitweilig dergestalt stark besucht, daß 95 Personen die nachgesuchte Aufnahme nicht gewährt werden konnte. Von den aufgenommenen Kranken waren 22 pCt. jüdischer, 78 pCl. nicht jüdischer Confesfion. Die Totalausgaben beliefen sich im Ordinarium auf M. 89,679.05. Die Einnahme an Kostgeld betrug M. 57,300.28. Die Pflegetage der Kranken und Hausgenossen beliefen sich auf 39,873. — die Kosten per Kopf und Tag betrugen M. 2,25. Im Laufe des Jahres 1696 wurden unserem Hause folgende größere Gaben zugeweuüet: Bd. Blumenfeld M. 500, L. . M. 336.33, des. David Löwenhelm M. 750, N. NM. 500, N. N. M. 500, oef. I. Ä. Salomou M. 2,000, des. I. A. Heymann M. 650, des. Cecile Heine Frcs. 20,000. Die Poliklinik hat auch im Jahre 1896 ihre Thatigkeit sehr erheblich ausgedehnt. O e st e r r.-U ngar. Monarchie. ** Wien. Wir haben vor Kurzem über die Exzesse gegen die Juden in Chodorow (Galizien) seitens dortiger Bahnarbeiter berichtet. Der antisemitische Abgeordnete Pattai fragte titt Wiener Parlament die Regierung hierüber an, aber nicht um die Juden zu schützen, sondern, ob die Regierung im Wege der Gesetzgebung und Handhabung der Verwaltung Maßnahmen treffen wolle, welche eine gröbliche Ausbeutung der Arbeiterschaft und der minder bemittelten Klaffen, wie sie in Chodorow angeblich geübt wurde, hintanzuhalten geeignet sind. Zur rechten Zeit veröffentlicht oeßhalb Herr Dr. S. R. Landau in der „Zeit" einen Artikel, in dem nachgewiesen wird, was es mit der wirthschaftlichen Ausbeutung der Chodorower Arbeiter durch die dort ansässigen Juden für eine Vewandtniß habe. Auf Grund eines unanfechtbaren authentischen Materials erzählt er: „Der unmittelbare Anlaß zum Strrite war dadurch gegeben, daß der Arbeiter Buczek am Sonntag den 4. April ohne jeden Grund die Obsthändlerin Rachla Krolem anrempelte und ihren Korb mit Orangen ausschüttele. Der danebenstehende Samuel Straucklec nahm sich der Frau an und gerieth mit Buezek ins Handgemenge. Darauf entstand eine Ansammlung von Bahnarbeitern und Juden, die zu einer Prügelei ausartete. Die ruthenischen Einwohner haranguirten dabei die Bahnarbeiter gegen die Juden, besonders der Schuster Michael Szmer und der Notariatskandidat Rudnicki. Da sich die Masuren in Chodorow nicht genau auskannten, so bezeichneten die Rutheneu ihre Häuser mit dem christlichen Orden. Nun erfolgte oie Metzelei, wobei ein 81 jähriger Greis todtgeschlagen, 15 Personen schwer und mehr als 50 Personen leicht verwundet worden sein sollen. Die einzige geschäftliche Verbindung zwischen den Bahnarbeitern, die alle ihre Lebensmittel im Wege des Drucksyftems von der Bauverwaltung beziehen, und den Juden bestand darin, daß sie bei den Juden wohnten. Aber auch nur zwanzig von ihnen, dafür zahlten sie zwei Kreuzer per Nacht." Zwei Kreuzer für ein Nachtquartier, das ist also die wirthschaftliche Ausbeutung, die der Herr Pattai beseitigt wissen will. Aus einem andern Grund scheint auch der ciiirte Artikel der „Zeit" bedeutsam. Er gibt nämlich l\t sehr beachtenswerthe Antwort auf die Frage, warum die Bahnarbeiter die Juden mißhandelten uno warum Geas Badens dazu schwieg. Die Arbeiter wollten dafür Rache nehmen, daß die Juden von Chodorow infolge mehr oder werüger sanfter Gewalt ihre Stimmen für die Schlachzizen abgaben. Deßhalb prügelten sie die Juden und die Gendarmen sahen wohlwollend zu. Hätten aber die Juden im Sinne der Arbeiterschaft gestimmt, dann wären sie eben, wie sich dies an anderen Orten Galiziens zeigte, von den Gendarmen geprügelt worden. Die Erklärung, die einer der polnisch-sozialistischen Abgeordneten auf diese Mittheilungen in oernselben Blatte abgegeben, ist mehr als schwächlich und kläglich. Was aber das Interessanteste an den Mitiheilungen der „Zeit" ist, das ist wohl die Thalsache, daß der Czernowitzer Abgeordnete Dr. Straucher nicht die Stimmen der jüdischen Abgeordneten Galiziens für eine Interpellation über die Exzeffe in Chodorow finden konnte! Die Herren sind eben von Badems und des Polenklubs Gnaden gewählt. Traurig, fürwahr, sehr traurig.