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Der Israelit · 1897-06-14 · Heft 47 (14.6.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 47 (14.6.1897)
Date
1897-06-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ganze weithin zerstreute Stamm ist ja über Euch wie von verzehrender Gluth ergriffen, und wer weiß, ob Ihr nicht, behüte Gott, einen Jammer verursachen werdet für alle Geschlechter, und das ganze Haus Israels wird über Euch zu weinen haben. Sproßlinge der von Gott zerstreuten Nation! nehmet die Worte zu Herzen, die ich heute zu Euch rede, erblicket in ihnen die Wünsche von vielen Tausenden frommer, tugendhafter Israeliten, die in heißem Gebete, Thränen vergießend und gebrochenen Herzens, Euch inbrünstig anflehen: Wenn Ihr Macht besitzet, so machet von dieser, theure Brüder, keinen üblen Gebrauch; denn Ihr werdet auf dem Wege, den Ihr betreten, nicht zu Ruhm gelangen. So erweiset Ehre dem Ewigen, Eurem Gotte; gebet Euren Willen auf dem Willen Eures himmlischen Vaters gegenüber. Erbarmet Euch über Eure theuren Seelen und über die Seelen Eurer Frauen, Eurer Söhne und Eurer Töchter und entweiht nicht seinen heiligen Namen, wendet Euch von Gott nicht ab, sondern dienet dem Ewigen mit ganzem Herzen und ganzer Seele, wie in den frühern Zeiten." In dieser Weise sucht Rabbi Eleasar mit ergreifenden Worten das Gemüth seiner verirrten Glaubensbrüder zu erschüttern und zu bewegen, um sie zu bestinlinen, von ihrem Vorhaben abzulaffen. Er bittet sodann die Anhänger jener bedauerlichen Bestrebungen mit herzlichen Worten um Verzeihung, wenn seiner Feder vielleicht ein Ausdruck entfahren, der ihre Ehre irgendwie verletzen könnte. Er fleht dann für sie mit warmen Worten, daß der himmlische Vater ihnen die Schuld, die sie aus Jrrthum und Versehen begangen, vergebe und verzeihe und den besseren, edleren Sinn in ihrem Herzen erwachen lassen möge. Am Schluffe seines hochintereffanten Sendschreibens wendet sich Rabbi Eleasar an die maßgebenden Persönlichkeiten der frommen, gesetzestreuen Richtung und ertheilt ihnen Rathschläge über die Anordnungen, die unter den obwaltenden Verhältnissen zu treffen seien. Er empfiehlt ihnen, streng darüber zu wachen, daß im Gotteshause keine leeren, profanen Gespräche — ein Mißbrauch, der leider in vielen Gemeinden eingerissen sei — geführt werden und daß jede Störung, jede Unruhe fern gehalten werde. Er legt ihnen ferner ans Herz, allsabbatlich von gelehrten, wahrhaft frommen Männern gottesdienstliche Vorträge halten zu lassen, um mit eindringlichen, moralffirenden Worten die Herzen für die Religion zu gewinnen und zu einem frommen Lebenswandel anzuleiten. In diesen Vorträgen sollen neben den religiösen Pflichten mit besonderem Nachdruck die Morallehre des Judenthums hervorgehoben und das Volk ermahnt werden, im Verkehr mit einander der Tugend und Gerechtigkeit sich zu befleißigen und vom Gebote der allgemeinen Menschenliebe sich leiten zu laffen. Wie aus diesen Rathschlägen hervorgeht, hatte Rabbi Eleasar ein tieferes Verständniß für die Bewegung seiner Zeit. Mit scharfem Blicke erkannte er jene im Gotteshaus und im gesellschaftlichen Leben zuweilen vorkommcnden Mißstände, die von den Reformsüchtigen hervvrgehoben wurden, um das althergebrachte Judenthum zu verunglimpfen und ihre Neuerungen zu rechtfertigen. Die von den berühmtesten rabbinifchen Autoritäten und unter ihnen von Rabbi Eleasar abgegebenen Gutachten übten eine bedeutende, nachhaltige Wirkung aus. Zwar vermochten sie nicht, diejenigen Männer in Hamburg, die vom Geiste der Reformsucht ganz erfüllt waren, von ihrem Vorhaben abzubringen; sie hatten aber unstreitig den Erfolg, daß sehr Viele, die, schwanken Sinnes, leicht der Reformpartei sich angeschloffen hätten, über die schwebenden Fragen aufgeklärt und dem gesetzestreuen Judenthum erhallen wurden. Der Einfluß, den diese Gutachten ausübten, erstreckt sich aber noch weiter. Die von den Parteien in Hamburg angeregte Kulluöfrage hatte die weitesten Kreise de» Judenthums interessirt und in Bewegung gesetzt. Die Stellung, die der fromme, treue Bekenner de» Judenthums zu den neuen Bestrebungen zu nehnien habe, war nun ein für allemal von autoritativer Seite konstatirt. Die Anschauung, die damals zur Geltung gebracht wurde, verbreitete sich allenthalben und pflanzte sich in den frommen Kreisen bis auf die Gegenwart fort. Wir werden noch mehrfach Gelegenheit haben, auf das schöne Werk des Herrn Dr. Münz zurückzukommen._ ___ HeitungS«achrichteu rr«d Corresponderrze«. Deutschland. Nürnberg, 9. Juni. Wie nach dem Synagogenrituale am Schabuothfeste unser Blick, vom Donner und Blitz des Sinai nach der frommen Häuslichkeit eines stillen Wohlthäters in Bethlehem gelenkt wird, gleichsam lehrend, daß nicht im Anstaunen und Bewundern, sondern im Thun und Vollbringen die Erfüllung und Bewahrheitung der Sinailehre liegt: so verband sich diesmal in unserer Gemeinde mit der Feier der Thoraoffenbarung eine stille, häusliche für einen trefflichen Mann, der frommes, gottgefälliges Thun zum Leitstern seines reichgesegneten Lebens gemacht hatte. Am ersten Schabuothtage nämlich feierte der durch den Adel seiner Gesinnung und das Menschenfreundliche seines Thuns weit über die Kreise unserer Religionsgemeinde hinaus als Gönner und Förderer aller reli-

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