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Der Israelit · 1897-06-14 · Heft 47 (14.6.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 47 (14.6.1897)
Date
1897-06-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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910 Mordechai Benet in Nikolsburg, gab auch Rabbi Eleasar in Triesch seine Meinungsäußerung in dieser Sache ab. In der Sammlung der Gutachten, die das Hamburger Rabbrnat in der bezeichnten Angelegenheit im Jahre 1819 erscheinen lieft,*) finden sich zwei Gutachten, die vom Schemen Rokcach abgegeben wurden. In dem ersten Schreiben erklärt er unter Hinweisung auf die religionsgesetzlichen Bestimmungen des JudenthumS mit kurzen und entschiedenen Worten, daß die beabsichtigten Neuerungen im Gottesdienste verwerflich und unzulässig seien. Um seinen Worten in den Augen der streitenden Partei mehr Bedeutung zu verleihen, überwindet Rabbi Eleasar das Gefühl der Bescheidenheit, das ihm als zweite Natur eigen war, und sucht im Jnteresie der Sache das Gewicht der Autorität in die Wagschale zu werfen. Er schließt sein Sendschreiben mit den Worten: „In einem Orte, wo man nicht bekannt ist, ist es gestattet zu sagen, wer man sei. Durch die Gnade Gottes, gepriesen sei Er, war es mir gegönnt, mehrere Werke zu veröffentlichen, die von den Weisen der Zeit mit Liebe ausgenommen wurden und in weiten Kreisen Israels Verbreitung fanden. Auch hat der Herr, gepriesen sei sein Name, mir die Gnade erwiesen, mehr als 6<»n würdige Thorajünger heranzubilden und unter ihnen viele bedeutende Gelehrte. Der Herr in seiner großen Güte hat mich auch mit gottesgelehrten Söhnen und Schwiegersöhnen gesegnet. Fern' ist es von mir, mich selber zu rühmen, und daß ich diese Absicht nicht habe, ist doch selbstverständlich, da auch einer, der nach Ehre hascht, nicht so thöricht sein wird, nach einer so fernen Gegend seinen Ruhm zu verkünden, woher er nicht einmal in seiner Einbildung Ehre erhoffen kann. Doch der Herz und Nieren prüft, er weiß es, daß meine Absicht löblich ist, im Interesse der heiligen Sache, damit man es erfahre, daß es mir, Gott sei Dank, geziemt, selbst unter Großen ein Wort zu sprechen, und namentlich, wo es gilt, die Entweihung des göttlichen Namens abzuwenden. Ueberdies ist ja das, tvas hier angegeben wurde, eine Sache, die auf ihre Richtigkeit geprüft werden kann." Rabbi Eleasar, der vernommen hatte, daß noch andere Gelehrte angefragt wurden und in seinem Sinne entschieden, gab sich der Hoffnung hin, daß die übereinstimmenden Gutachten so vieler maßgebenden rabbinischen Autoritäten die Neuerungssüchtigen in Hamburg veranlassen werden, von ihrem Vorhaben abzustehen. Aler jedoch in einiger Zeit erfuhr, daß er sich in seiner Hoffnung getäuscht, ließ er ein zweites viel längeres Schreiben nach Ham- *) Die Gutachtensammlung ist unter dem Titel itn nnan nai in Altona 1819 erschienen. bürg abgehen.*) In diesem suchte er zuerst durch Vernunftgründe zu überzeugen, daß keine Sprache für das jüdische Gebet so geeignet sei, wie die bebräischc, und daß Abänderungen der überlieferten, von den Männern der großen Synode cingeführten Gebetsformel und namentlich die Auslassung der aus die Messiashoffnung bezüglichen Stellen ganz unzulässig sei. Die Meinung, dak wir durch die Ausschaltung der Messiashoffuung aus den Gebeten die Gunst der andern Völker erlangen würden, weift er ferner als irrig uno falsch nach. Nachdem Rabbi Eleasar versucht hatte, mit einleuchtenden Gründen die Neuerungssüchtigeu von ihrer Meinung abzubringen und sie eines Bessern zu überzeugen, bietet er die ganze Kraft seiner rhetorischen Begabung aus, um mit ergreifenden, eindringlichen Worten sic zu überreden und aus ihr Gemüth einzuwirken. „Und nun, lasset uns mit einander rechten — so redet er die Anhänger der neuen Richtung an -— saget an und rechtfertigt Euch! Warum sondert Ihr Euch ab von der Gesammtheit? Warum zerstöret Ihr die Grundsäulen der Religion" Warum leget Ihr die Hand an den Gesalbten des Ewigen? Warum soll die Tochter der Magd, eine der profanen Sprachen, ihre Fürstin, unsere köstliche heilige Sprache, beerben, die vorzüglichste aller Sprachen? Warum findet Ihr Gefallen an den fremden Bräuchen, die Orgel beim Gebete zu spielen, da doch der Herr, gelobt sei sein Name, durch seinen Diener, den Vertrauten seines Hauses, geboten: „Nach ihren Satzungen sollt ihr nicht wandeln!" Warum gebet Ihr preis das Haus Israels, bringet uns in üblen Ruf bei den Völkern, den Bewohnern des Landes? Was für ein Vortheil wird Euch erwachsen, wenn Ihr Euch von der Gemeinde und von der ganzen Nation absondert? Dieses wird ja Euch zum Anstoß llnd zunr Fallstrick gereichen, Euch und Euren Nachkommen in aller Ewigkeit, wenn ne vom Juden thum ausgeschlossen sind und zu den Völkern nicht gezählt werden. Gott hat Euch mit Gütern reich gesegnet, und soll das Euer Dank sein für all' das Gute, das er Euch erwiesen'? Was wollt Ihr ant Worten am Tage des Gerichtes, was wollt Ihr sprechen am Tage der Ahndung? Einst wird ja Gott dieses untersuchen, und der Ewige wird zu Gerichte sitzen i warum gebet Ihr also hin eine dauernde, ewige Welt um eine Welt, die flüchtig und vergänglich ist? Volk des Gottes Abrahams! blicket hin auf den Fels, aus dem Ihr wurdet gehauen, sind wir nicht Alle Kinder eines Vaters, und was werdet Ihr dabei gewinnen, wenn Ihr Israel erniedrigt vor den Völkern und Fürsten? Siehe, der *) Das erste Schreiben erschien in der Gutachtensammlung unter Nr. 7 und das zweite unter Nr. 21.

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