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Der Israelit · 1897-06-10 · Heft 46 (10.6.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 46 (10.6.1897)
Date
1897-06-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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890 begeben, um den dortigen türkischen Verwundeten ihre Pflege und Sorgfalt angedeihen zu lassen.? Lernberg. Ein Umciim unter den Muni cipien von Galizien ist sicherlich das Städtchen Zurawno, denn an dessen Spitze stehen drei Bürgermeister, die alle dem Judenthume angehören. Der Bürgermeister heißt Hersch Bleicher und seine beiden Stellvertreter heißen wieder Samuel Schönbach und Molio Redisch. Die christliche Bevölkerung dieses Städtchens ist mit ihrem Vorstande ganz zufrieden. England. § London. (Siu erfreuliches Resultat hat der Ausruf des hiesigen jüdischen Siechenhaus.s ergeben. Von dem geforderten Betrag von 400,000 M. sind auf den ersten Anlauf 350,000 M. bereits gezeichnet. Mit Hilfe dieser neuen Fonds soll ein neues Haufür 50 Kranke errichtet werden. Es wird Ihre Leser interessiren zu erfahren, daß die Londoner Gesellschaft zur Verbreitung des Christenthums unter den Juden sich darüber beklagt, nicht genügende Fonds zur Verfügung zu haben. Dabei beträgt das Einkommen dieser Gesellschaft 750,000 M., während freilich ihre Ausgaben die Summe von M. 840,000 erreichten. Interessant ist auch die Mittheilung des Rev. C. F. W. Fl ad in der Generalversammlung dieser Gesellschaft, daß der König Menelik von Abessinien die Erlaubniß gegeben habe, das Christenthum unter den Fallaschas zu predigen. So will die Mission nicht einmal in jenem entfernten Erdenwinkel die Juden in Ruhe lasten. A f r i k a. ** Algerien Die Judenhctze nimmt einen sehr bedenklichen Umfang an. In einer der letzten Rächte brannte die Synagoge in Ain cl arba bei Dran nieder. In dem Schutt wurde eine aus Blech hergestellte und mit Pulver und Eisenstücken gefüllte Sprengbombe gesunden. An der Bewegung gegen die Juden betheiligen sich hauptsächlich die Araber, und es treten Anzeichen hervor, das; es diesen nicht allem um die Judenhetze zu tynn ist, sondern um die Unruhestistung überhaupt. Es scheint, daß der türkische Sieg über Griechenland die ganze mohamedanische Bevölkerung in Afrika sehr rebellisch gestimmt hat, und daß dieser Geist des Aufruhrs auch bei den Vorgängen von Algerien eine Rolle spielt.__ Vermischtes Prag. Am II. v. Mts. wurde Hierselbst Dr. Samuel Freund, Advokat, Stadtverordneter und Mitglied des Laudesschulraths :c., zur (nbe bestattet. Ter Verstorbene, der tschechischen Partei angehörend, war ein bei allen Parteien beliebter Mann, welcher sich lebhaft für jüdische Angelegenheiten interessirte. Sein Leichenbegängniß gestaltete sich zu einem großartigen. Am Friedhofe verrichtete der Oberrabbiner ein ergreifendes Gebet; Dr. Kraus, Rabbiner in Beneschan, dem Geburtsorte des Verstorbenen, hielt ihm eine tschechische Grabrede. Und zum Dank dafür sind jetzt die verdaten Jrnigtschcchcu mit Sang und Klang ins antisemitische Lager übergegangen'. Paris. Fn dem neuen Vorstand der Sternwarte, der soeben ernannt wurde, befinden sich drei jüdische Mitglieder: M. Maurice Locwy, der Direktor der Sternwarte, M. Marnice Leivn, Professor am College de France, in Vertretung des Unterrichtsministers und M. Phillippe Leon in Vertretung des Ackerbauministers. Feuilleton. Getreu bis in den Tod. 2s) Von Maurice Ma?on Das Wort erstarb aus seinen Lippen, und der Mund verzerrte sich im Schmerze. Er stieß einen gellen Schrei aus, dann schwanden ihm die Sinne. Der Knabe hatte seinen Kräften zuviel zugetraut. Immer wieder, während er las, hatten ihn Fieberschauer ergriffen, drohte sein physisches Können zu erlahmen, aber die gewaltige Erregung, in die ihn das Tagebuch seines Pflegevaters versetzte, ließ ihn die schwindenden Kräfte inimer wieder spannen, und je mehr Gewalt er seinem siechen Körper angethan, desto heftiger war jetzt die Reaktion. Sein Schrei lockte Pua herbei. Zn ihrem Schrecken bemerkte sie die Veränderung, die mit ihrem Pflegebefohlenen vorgegangen war. Was sollte sie ansangen '< Der Großpapa und August waren soeben zur Gräfin Leontjew gefahren. Aber vielleicht erreichte sie dieselben noch! Mit Blitzeseile stürzte sie aus deni Zimmer, sie sah eben den gräflichen Wagen ttm die Ecke biegen. Die Angst beflügelte ihre Schritte, und sie erreichte den Wagen. „Halt, Kutscher, um Gotleswillen, halt!" schrie sie mit so schriller Stimme, daß der Rabbi, der sie sofort erkannte, unwillkürlich zusantmenfuhr. Der Kutscher gehorchte. „Was ist geschehen d" fragte August, indeni er den Schlag Öffnete und aus dem Wagen sprang. „Der Kranke liegt im Fieber, er phaniasirt gräßlich!" stieß Pua athemlos hervor. „Dann laß uns sofort umkehren, Großpapa!" sagte Augttst. Der Rabbiner Feilchenduft sprang ebenfalls aus dern Wagen. „Was machen Sie, Herr?" schrie Kaschka ganz entsetzt. „Sie wollten ja zu meiner Herrin." „Sie müssen sich schon einige Augenblicke gedulden!" beruhigte sie August. „Wir sind gleich wieder da!" Alle Scheltworte Kaschkas halfen nichts, der Rabbi und sein Enkel hatten bereits den Heimweg angetreten und so blieb ihr keine andere Wahl, als umzukehren.

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