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Der Israelit · 1897-06-03 · Heft 44-45 (3.6.1897) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 44-45 (3.6.1897)
Date
1897-06-03
Page
– (sequence 27)
Language
German
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833 nach Konstantinopel zu den griechischen Kaisern, von Konstantinopel nach Cordova zu Abderrhaman, von diesem an Otto den Großen. Man fühlte das Bedürfniß sich zu verständigen, in nähere geistige Verbindung miteinander zu treten. Der griechische Kaiser Konstantin Porphyrogenitus, zugleich Geschichtsschreiber, dessen Werk uns viele Nachrichten auch über Magyaren, Chasaren rc. giebt, hatte mit einer solchen Gesandtschaft an Abderrhaman unter andern Geschenken auch ein altes Manuskript gesandt, zu dessen Entzifferung der gelehrte Chasdai dem Kalifen empfohlen wurde, und seit diesem Augenblick genoß derselbe die Gunst des Fürsten in so hohem Grade, daß ihm später der Empfang der Gesandtschaft Otto's in Cordova übertragen ward. Durch alles Dies erweiterte sich der Blick Chassdai's für immer größere Fernen, bei Allem aber blieb sein Hauptgedanke der Ruhm und das Glück seines Volkes. Im Jahre 947 war zu Kairo ein geographisches Werk von Maffudi erschienen, das die Königreiche der Erde beschrieb. Sein orientalisch-pomphafter Titel lautet: „Die goldene Wiese und die Gruben der Edelsteine" (des Wissens nämlich) und bei dem regen Eifer für Wissenschaft konnte dieses Werk der Aufmerksamkeit seines Zeitgenossen Chasdai nicht entgehen. Maffudi berichtet in demselben aber von den jüdischen Königen der Chasaren, und sofort war Cbasdai's Entschluß gefaßt, sich hierüber Gewißheit zu verschaffen. Der Brief, welchen er an Joseph Ben Aaron, damaligen König der Chasaren schrieb, ist uns erhalten, und wir theilen aus ihm eine Stelle mit. Sie lautet: „Wüßte ich, daß die Sache gewiß ist, ich würde (anstatt nur zu schreiben) meine Ehrenstelle verachtet, meine Größe hintangesetzt, meine Familie verlassen haben und wäre ausgewandert über Berg ttnd Hügel, zu Land und zu Wasser, bis ich gekommen wäre 31t dem Ort, wo mein König und Herr residirt, um zu schauen seine Größe, die Würde seines Ranges, den Sitz seiner Unterthanen, die Stellung seiner Diener und die Rtthe der Entronnenen Israels. Und sehe ich die Herrlichkeit seiner Größe, so würden leuchten meine Augen und jauchzen mein Herz und überströmen meine Lippen des Lobes für den Herrn, der nicht entzogen hat seine Huld den Gedemüthigten." Die Antwort des Königs aus das Schreiben Chasdai's ist nicht mehr vorhanden. Es soll in ihr von dem Zustande des Chasarenreichs und seiner Macht bis an die Grenzen des griechischen Reichs berichtet gewesen sein, ferner, daß König Joseph bereits der zwölfte jüdische Herrscher seit dem Chakan Bulan sei, welcher durch den weisen Sangari von der Vortresflichkeit der mosaischen Religion überzeugt. das Juderithum äugen online» habe. Was die Geschichte sonst berichtet, ist wirklich staunenswerth für jene Zeit und läßt auf einen nicht unbedeutenden Bildungsgrad bei den Chasaren, wenigstens den höheren Klaffen, schließen. Christen, Juden, Muhamedaner wohnten friedlich neben einander in jenen Grenzen. Richter und Beamte waren gleichfalls aus den drei Religionen, und Jedem ward sein Recht durch Glaubensgenossen gesprochen. Bei Streitigkeiten zwischen Bürgern verschiedener Religion entschieden gemischte Behörden. Das war in Rußland unter jüdischen Königen, die mehrere Jahrhunderte, bis über die Mitte des 10. Jahrhunderts hinaus, dort regierten. Nach dem Geschichtswerk des Kaisers Konstantin trennten sich am Ende des 9. Jahrhunderts mit sieben andern Stäinmen auch die Magyaren von ihren Genossen und erschienen denn auch nach russischen Chroniken 898 am Dnjepr. Sie lagerten daselbst eine kurze Zeit „in Wjessen" (Dörfern, Stationen), heißt es, und zogen dann hinüber in die Theißebenen, die Pußten Ungarns. Durch diese Trennung war die Macht der Chasaren wohl geschwächt — Maffudi erwähnt eines muselmännischen Heeres, LarsyeS genannt, bei den jüdischen Königen — vielleicht zogen sie Turkvölker heran, wie die Kalifen Bagdads, aber schon war die Macht der von Norden, vom finnischen Meerbusen herangekommenen nordischen Waräger in Kiew zu bedeutend geworden, und im Jahre 965 stehen sich diese und die Chasaren gegenüber. In einer heißen Schlacht siegte Swätoskaw, der Vater Wladimirs des Großen, der die griechische Religion einführte, über die Chasaren und brachte eine große Menge Gefangener nach Kiew ein. Die Chasarenhaupftadt Sarkel (0. i. Weißenburg; ein anderes liegt noch in Ungarn) wurde erobert, und damit ist das jüdische Königthum in Rußland vernichtet. Bastian („Der Mensch in der Geschichte" 1860) sagt: „Ohne den frühzeitigen Untergang des Chasarenreichs würden die Juden in Europa ein schöneres Loos errungen haben." — Soviel ist sicher, daß bei längerem Bestände und bei weiterer Kundwerbung ein großer Theil des allwärts bald so gedrückten Volks nach Rußland hinübergewandert sein würde, um einen Ort zu finden, „wo", wie Chasdai sagt, „eine Leuchte ist und eine Herrschaft der Vertriebenen Israels, da Niemand sie bedrängt." Und die Wissenschaft würde sich dorthin gerettet und von Osten her Europa geleuchtet haben, während nun. als Knecht des Warägers, der Jude Rußlands tiefer und tiefer hinabsank. Rußland hat heut, wie schon zu Anfang ermähnt, die größte jüdische Bevölkerung unter allen Ländern — etz finden sich nicht blos Kaufleute und Schankwirthe dort, fanden auch hier und da Gemein-

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