Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 44-45 (3.6.1897)
- Date
- 1897-06-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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811 wenn ich denselben über die Einführung eine» neuen Unterrichtsfaches in hiesiger Elementarschule berichte. Auf Anregung des „Hannoverschen Gartenbau- und Handfertigkeitsvereins" hat unser Herr Lehrer Adolf Rothschild den Handfertigkeits- und Gartenbauunterricht in hiesiger öffentlicher Volksschule eingeführt. Derselbe erstreckt stch im Winter auf Handfertigkeit (Korbschnitzerei und Laubsägearbeit), im Sommer auf Gartenbau. — Ein wahrer Genuß ist es, anzusehen, mit welcher Lust und Liebe die Kinder dem Unterricht folgen. Dieselben haben schon int Handiertigkeitsunterrichte, welcher schon während des letzten Winters ertheilt wurde, eine ziemliche Fertigkeit erlangt. — Welche Freude herrschte unter den Kleinen, als dieselben am Schluffe des Jahres ihre Angehörigen mit dem Resultate (mit ihren fertigen Arbeiten) überraschen konnten. Es muß mit Freuden begrüßt werden, daß dieses Unterrichtsfach, das neben dem Zweck der Erholung, sowohl formal, als auch materiell bildet, das die andern Unterrichtsfächer, wie — Raumlehre-Naturgeschichte 2c. unterstützt, — das die Hand des Kindes kunstgeübt macht und den Sinn des Kindes auf den Handwerkerberuf lenkt, endlich in unserer Schule Eingang gefunden hat. — Unser edles Beispiel dürfte den allseitigen Nutzen in Betracht ziehend — in vielen Schulen Nachahmung finden. Bemerken wollte ich noch, daß der Hannov. Gartenbau- und Handfertigkeitsverein uns materiell unterstützt hat. I. L. ** Bon der Jagst, 28. Mai. Am 3. Mai (Nr. 98) veröffentlichte der „Jps" nachstehende Geschichte aus Ungarn: „Der Rabbiner aus Neuhäusel erhielt die Erlaubniß, den jüdischen Religionsunterricht in dem dortigen katholischen Gymnasium ertheilen zu dürfen. Bei Antritt seines Unterrichts nun ließ derselbe in dem betreffenden Lehrsaale das Bildniß des Stifters der christlichen Religion von der Wand herunter - reißen; es mit den Füßen tretend, überhäufte er sodann dasselbe mit Schimpfworten. „Es geschieht uns ganz recht," sagt uns hiezu das „Christliche Volksblatt", „unsere Bischöfe sollen acht geben; sie tragen das Kreuz auf der Brust und die Rabbiner werden dafür sorgen, daß auch dieses Kreuz herabgeriffen werde." Wegen dieser Mittheilung hat sich ein Vertrauensmann nach Neuhäusel gewendet, um die Wahrheit zu erfahren. Es ist ihm hierauf folgender Brief zugegangen: „Euer Wohlgeboren! Ihrem Wunsche gemäß beeile ich mich Ihnen mitzutheilen. daß die in dem dortigen Antisemitenblatte „Jps" über mich gebrachte Notiz von Anfang bis Ende erlogen und erfunden ist. Es ist nicht nicht wahr, daß ich das Bildniß des Stifters der christlichen Religion von der Wand herabgenommen, viel weniger dasselbe getreten oder angespieen oder mit unehrerbietigen Worten beschimpfthätte. Dies alles ist eine böswillige, niederträchtige Verleumdung. Wahr ist blos das eine, daß ich seit sechs Jahren im hiesigen Gymnasium den Religionsunterricht ertheile und dieser in einen Saal verlegt wurde, in welchem ein Bildniß des Stifters der christlichen Religion angebracht worden. Das Bildniß des . Stifters der christlichen Religion ist auf Anordnung des Herrn Gymnasial-DirektorS durch den Pedell herabgenommen worden. Das ist Alles! Urtheilen Sie jetzt selbst über die Niedertracht der Antisemiten. Mit besonderer HochachtungS. Richter, Rabbiner in Neuhäusel. Neuhäusel in Ungarn, 9. Mai 1897. Ich bemerke, daß die ungar. klerikal -antisemitischen Blätter die Notiz alle feierlichst wiederrufen haben, und daß hier in loco nicht die mindeste Bewegung gewesen, noch ist — trotzdem die Bevölkerung zu Sechsachtel aus religiösen Katholiken besteht." Oester r. U ngar. Monarchie. Aus Ungarn, In der Beilage zu Rr. 42 Ihres geschätzten Blattes findet sich ein Bericht aus Preßburg über den Empfang der jüd. Deputation beim König, der tendenz ös entstellt ist. Im Interesse der Wahrheit muß Folgendes korrigirt werden. Die Deputation wurde vom Oberrabbiner Schreibern und nicht vom Prediger Dr. David geführt. Die erste Ansprache konnte daher auch nur vom Oberrabbiner an den König gerichtet werden. Erst nachdem der hochm. Führer die nrc und seinen Segen in ungarischer Sprache beendet hatte, durfte auch der neologe Prediger seine kurze Begrüßungsrede halten. In der Antwort des Königs war denn auch ganz besonoers der rituelle Segen hervorgehoben, wie überhaupt die orth. Mitglieder auch beim Cercle ganz auffallend ausgezeichnet wurden. Die orth. Vorsteher begrüßte der gütige Monarch als alte Bekannte und zum Führer der Deputation sagte der König wörtltch: „Es freut mich sehr, Herr Oberrabbiner, Sie hier zu sehen." Schließlich frug Se. Majestät auch Herrn Dr. David, ob er auch die hiesige Schule besucht habe. Alle sonstigen aufgeputzten Details sind Nervositäts-Produkte des Herrn Dr. David, den übrigens sein eigener Vorsteher H. I. Fischer in der jüngsten „Ungarischen Wochenschrift" diesbezüglich deSavouirt hat. tnpp \xp >6. Frankreich. '* Paris, 28. Mai. Es ist Frankreich nach mehr als 60jähriger Herrschaft in Algerien immer noch nicht gelungen seine arabischen Unterthanen auch nur soweit zu gewinnen, daß sie nicht irgendeine Verlegenheit des Mutterlandes benutzten, um ihre Feindseligkeit zu zeigen oder gar in offener Empörung zu versuchen, das Joch der verhaßten Rumi abzuschütteln