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Der Israelit · 1897-06-03 · Heft 44-45 (3.6.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 44-45 (3.6.1897)
Date
1897-06-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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80g zusammenhält, wo es den Dienst des Allerhöchsten gilt, der kann nur in Rephidim herangediehen sein. Und darum hat es in unseren Tagen wiederum geheißen: rw» w» „Das Thor ist offen!" Den Feinden Israels war der Bosen bereitet, der Amalekgeift wehte mit verderbenbringenden Flügelschlägen heran, und wenn die Frage erscholl, die ja der Abfall geradezu herausforderte, die Frage: 'n sm sä „Ist Gott in unserer Mitte oder nicht?" leben wir unserer Aufgabe oder nichr, geberden wir uns als das Volk des Herrn oder nicht, ja, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn auch uns das grausige Echo verneinend entgegentönt. Denn wir haben verloren den Mittelpunkt, indem wir einig sind; eine Rotte von Einzelnen, deren jeder seinem Sinne nachjagt, so ziebt Israel seine Straße, umgeben von den Götzen der Habsucht und des Zweifels. Es mag wenig am Platze scheinen, die lieblichen Festtage zu Schilderungen des Abfalls zu benützen. Allein, wann denn soll sich unser die Entrüstung bemächtigen, wann soll uns das Wort der Mahnung nahe liegen, wenn nicht an den großen Gedenktagen, die uns neben der unversiegbaren Gnade Gottes so unvernünftig, so undankbar erscheinen lasten. Und an diesem Feste gerade leuchtet uns das G e g e n b i l d in so strahlendem Lichte entgegen, daß wir in seinem Glanze so recht eindringlich an unser wahres und einziges Heil gemahnt werden, das Gegenbild der Zerklüftung, das Bild der Einigkeit, des Friedens! Dasselbe Israel, welches eben noch die Straße von Rephidim gezogen war, den Staub von Masta und Meriba noch an Füßen, den Hader und die Zwietracht noch im Herzen, daffelbe Israel findet sich plötzlich am Fuße des Sinai zusammen; ja zusammen findet es sich, denn eben noch in den zertrennenden Gefühlen der Gottlosigkeit besangen, eben noch als eine Rotte von Einzelnen bezeichnet, — erweckt der Anblick des Gottesberges das friedsame Gefühl der Einigkeit und schließt die losen Glieder des Stammes zu einem unzerreißbaren Bunde — vrn -im vv> jrpi. Mit der Bereitwilligkeit aber, das Flammenwort vom Sinai aufzunehmen, zog auch Gott wieder in Israels Mitte ein. Unsere Alten werden nicht müde, in Bildern und Gleichnissen den erhabenen Moment der Erwählung auszumalen: Wie ein Verlierer den Gegenstand ausnimmt, den er verloren, und eben wiederfindet, so ging Gott seinem Volke entgegen; wie der Bräutigam die Braut empfängt, so zog der Herr aller Ewigkeit strahlend einher, Israel in die Heimath, in die festlich geschmückten Hallen der Thora einzuführen, r« ijikxd -aion D’Ujre Wie eine köstliche Frucht in unwirthlicher Steppe, „wie Trauben in der Wüste," so fand Gott unsere Väter in jenem hehren Augenblick, da er sein Wort ihnen kund that. Mit dem Rufe aber, der als heiliger Eidschwur das Bündniß besiegelte für ewige Zeiten, dem Rufe wmmi mm „wir wollen thun und hören", mit ihm wandelte sich ihnen die Steppe in einen Gottesgarten und die Wüste in ein wogendes Aehrenfeld, ringsum dufteten und blühten die Blumen des Friedens, und in vollen Halmen begann die Saat zu reifen, die Saat der Gottesfurcht und der Menschenliebe, die Saat der Wahrheit und der Sittlichkeit. Wenn wir auch den Segen der Religion, die friedenspendende, beglückende Kraft eines gottgefälligen Wandels nicht aus eigener Erfahrung bestätigen könnten, wenn wir es auch nicht bei jedem „Ach Gott", mit dem wir seufzend unsere Brust erleichtern, fühlten, wie trostreich uns der Gedanke an den Höchsten zu werden vermag, jenes Bild vom Fuße des Sinai würde es uns zu ewigem Gedächtniß künden. Im Antlitz den Gottesberg, so bannen auch wir den Geist von Rephidim. In alle Ewigkeit ist er vor uns aufgepflanzt, dieser Gottesberg, mit jedem neu erwachenden Morgen erblicken wir feine ragenden Felsen — im Banne des Unglücks und der Sünde bedarf es nur eines Aufblicks zu seiner trostreichen Höhe, und es ist uns geholfen! Deinen Gott im Herzen tragend und seine Lehre im Geiste, kannst Du da sandigen? Rein, Du wirst in jedem Augenblick, als stündest Du eben am Fuße des Sinai, die Schauer der Gottesnähe empfinden, die Gottesstimme vernehmen, die immer noch tönt: Fern von Gott — U nh eilund Zw i etrach t, in Gottes Nähe — Segen und Frieden! Zeitungsnachrichten und Correspondenze«. Deutschland. Hamburg, 31. Mai. Für diejenigen, welche ein Jntereffe an der kulturellen Entwicklung unseres Judenthums haben, dürfte folgender, dem „Hamburger Fremdenblatt" entnommener Artikel erfreulich sein. (Ausstellung jüdischer Colonien in P a l ä st i n a i n d e r G a r t e n b a u - A u s st e l l u n g.) Wenn der Besucher unserer Gartenbau-Ausstellung dieselbe vom Millernthor aus betritt, so fällt ihm ein in seiner Bauart fremdländisches Gebäude auf, das bisher seine Pforten dem Besucher noch nicht geöffnet hat. Dieses Gebäude ist bestimmt für die Aufnahme der Ausstellung der palästinensischen Colonien. Die Ausstellung bezweckt ein Zwiefaches, nämlich 1) die von gewisser Seite aufgestellte Behauptung, daß die Juden nicht befähigt seien, Ackerbau zu treiben, zu widerlegen, und 2) die Erzeugnisse der Cultur der jüdisch-palästinensischen Colonien

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