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Der Israelit · 1897-05-31 · Heft 43 (31.5.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 43 (31.5.1897)
Date
1897-05-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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801 richtet, Lehrer für die israelitische Jugend gewonnen, welche bei dieser Gelegenheit ihre innige und unerschütterliche Liebe zum Judenthum und seiner Ehre bewiesen, was bewirkt hat, daß die jüdischen Schüler in ihrer großen Mehrheit das Schuljahr 1893—94 nicht verloren haben. Anderseits während des Winters 1893—94 sind zahlreiche israelitische Versammlungen in der Hauptstadt sowohl als auch in vielen Städten des Landes abgehalten worden, Versamm lungen, welche zur Folge hatten, die unmittelbare Bildung einer großen Anzahl von Vereinen, die mit der Einleititng von Geldsammlungen, mit der Errichtung von Schullocalitäten betraut wurden, so daß im Schuljahre 1894—95 der Anfang gemacht werden konnte. Die neuen jüdischen Schulen waren alle fertig und mit allem materiell und didaktisch Nöthigem und damit in denselben die entsprechende Thätigkeit ausgenommen werden könnte, mit der durch dcv> neue Gesetz über den öffentlichen Unterricht erforderlichen ministeriellen Ermächtigung versehen. Was man. jedoch in Rumänien wahrgenommen hat, ist, daß die Juden trotz der unerhörten Verfolgungen, denen sie ausgesetzt sind, tief durchdrungen sind vom Gefühle für die heilige Religion Moses und daß sie, noch so sehr verachtet, auf die Unterweisung und das Wohl ihrer Kinder mehr Gewicht legen als aus alle anderen irdischen Güter und Herrlichkeiten. Hat man doch in der Thal wahrgenomnren, daß jüdische Väter sich des unentbehrlichsten Kleidungsstückes entäußerten, um nur mit 50 Frcs. zur Errichtung einer Schule, wo ihr Kind das Licht der Bildung empfangen könnte, beizutragen. Man hat gesehen, wie noch junge Frauen sich ihres Schmuckes entledigten und ihn in dem Vereine hinterlegten, damit dieser ihm zum Vortheile der Errichtung einer Schule verkaufe, wo ihr geliebtes Kind die Moral der wahren Religion Gottes, des Einigeinzigen (Ecliart) lernen werde. Und viele rumänische Christen, welche diese und andere ergreifende Scenen gesehen, so wie die enormen Opfer aller Art, welche von den Juden für den Unterricht ihrer Kinder dargebracht wurden, haben auch zur Errichtung jüdischer Schulen beigetragen, sv daß man sagen kann: „mn bi-i;n r:rt crn ny“. So kommt in Rumänien der Antisemitismus von oben, von der Negierung und den Staatsmänitcni, welche, wie ich schon mehreremal darauf hingewiesen, lauter Fremde sind und keineswegs das reine Blut der rumänischen Bevölkerung, welche im Gegentheile gut- und großmüthig ist, und den Juden, tvelche die Opfer unverdienter Verfolgungen sind, gut gesinnt ist. Die wahren Ursachen der gegen uns gerichteten Verfolgungen sind die uns auszeichnenden und anhasteildeu Eigenschaften. Zu diesen gehören: höhere Intelligenz, unermüdliche Thätigkeit, Fähigkeiten und ein gutes Auffaffungsvermögen. Und die höheren Regionen, wo die Eifersüchtigen sind, die fürchten, daß, wenn man eines Tages uns die politischen Rechte gewährt und wir, wohl unterrichtet, für unsere Befähigung und für unsere Verdienste, die hohen Würden und die Staatsmänner, welche sie, ohne sich um dieselben verdient gemacht zu haben, besetzt halten, an uns reißen und daß wir daran kommen würden, den rumänischen Staat zu beherrschen. Das ist das Gespenst der rumänischen Politiker und das ist auch die Waffe, mit der sie die rohe Bevölkerung zur Aufreizung gegen die Juden einschüchtern. Ich werde ein anderes Mal auf diese Frage zurückkommen. Für heute schließe ich mit der Behauptung, daß im September 1894 die Juden bereits in allen Städten Rumäniens Schulen errichtet hatten. Das hat jedoch in Regierungskreisen mißfallen und sofort dachte man daselbst daran, uns Hindernisse zu bereiten. Ich werde in meinem nächsten Berichte mittheilen, was dort erfunden wurde, um uns zu schaden und uns moralisch und materiell zu zerdrücken. Gemeindebl. Afrika. (L.) Algier, 19. Mai. Heute wurde in Moftaganem, wie uns der Telegraph von dort meldet, das Judenviertel von den Arabern, unter denen sich auch viele französische Antisemiten befanden, plötzlich überfallen und geplündert und ging dabei auch die schöne Synagoge mit allen ihren Thorarollen, Gebetbüchern und anderen Werthsachen in Flammen auf. Die Ursache dieser Katastrophe war folgende: Gestern machten etwa zwölf Radfahrer aus Oran, an deren Spitze sich der dortige als Antisemit wohl bekannte Gemeinderath Irr befand, einen Ausflug nach dem benachbarten Mostaganem, um an einem Rennen daselbst theilzunehmen. In Mostaganem kehrten nun die Herren in einem Gafthause ein, wo sie sich ein opulentes Mahl und mehrere Flaschen Wein auftragen ließen. So angeheitert machten sie sich nach dem Essen den Scherz einige Juden, denen sie auf der Straße begegneten, zu verhöhnen und zu verspotten. Die Juden mußten sich dies natürlich ruhig gefallen lasten. Plötzlich entschlossen sich diese Herren, es waren fast durchwegs französische Antisemiten, auf ihren Bicyeles hinabzuradeln nach der Altstadt, wo sich auch das Judenviertel befindet, um dort, wie sie sagten „die Söhne Israels" (168 fils d’Isiael) zu besuchen. Auf der Fahrt dorthin begegneten ihnen einige Juden, die sie in der unfläthigsten Weise beschimpften. Es kam nun zu einem Handgemenge zwischen den Juden und den Bicyclisten, an bcnt sich sogleich auch einige Araber, die für die Franzosen Partei ergriffen, betheiligten. Plötzlich schrie Herr Irr, er sei gestochen worden, worauf

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