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Der Israelit · 1897-05-31 · Heft 43 (31.5.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 43 (31.5.1897)
Date
1897-05-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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800 Oe ste rr.-Ungar. M oriarchie. Gisettstadt, im Mai. Wie wir mit Freude und Stolz vernehmen, ist der diesen rav hier bei seinem verehrten Schwiegervater, dem hiesigen Oberrabbiner Kuttna zn Gast gewesene Eperieser orth. Oberrabbiner F ü r st an diesem Tage zum Rabbiner der Wiener Schiffschul gewählt worden. Wir graluliren vom Herzen dieser vornehmen Rabbinerfamilie! EnranuelKohn. Rumänien. ** Bukarest 24. Mai. Bekanntlich haben im Jahre 1893 die gesetzgebenden Körper in Rumänien ein Gesetz über den Elementar- und gewerblichen Unterricht angenommen, laut welchem die Kinder der Fremden (Juden) einer Schultaxe von jährlich 30 Frcs. unterworfen sind und deren Zahl auf 20 Prozent der christlichen rumänischen Schüler, vorausgesetzt, daß in den Classen der öffentlichen Staatsschulen Freiplätze vorhanden sind, beschränkt wurde. Die rumänischen Juden, welche wohl wußten, daß dieses ungerechte und inhumane Gesetz sich direct auf sie beziehe, und daß dieses einerseits den Zweck verfolgt, die jüdischen Kinder selbst in den Schulen von den christlichen zu trennen, auf daß sie unter sich keine Beziehungen und Bekanntschaften anknüpfen, anderseits der Anfangsgründe des ganzen Unterrichts zu berauben und sie schließlich in craffe Unwissenheit zu führen, haben sofort mit aller Macht und allen gesetzlichen Mitteln in öffentlichen großen und stürmischen Bolksversammlungen, an denen auch zahlreiche Christen, ja selbst Deputierte, welche die unbestreitbaren Rechte der Juden an dem unentgeltlichen staatlichen Unterricht vertheidigten, theilgenommen hatten, gegen jenes Gesetz Stellung genommen. Sie haben gleichzeitig mit gut durchdachten und wohlbegründeten Petitionen sich an Se. Maj. König Karl, an die Regierung und an das Parlament gewendet mit der Bitte, diesen Streich aüzuwehren von den jüdischen Kindern, die ja auch Kinder des Vaterlandes sind und einst als Soldaten Vertheidiger desselben rumänischen Vaterlandes sein werden. Die jüdischen Abordnungen der meisten Städte des Landes haben sich beim Staatsoberhaupte eingefunden und ihm dieselben Bitten vorgetragen. Alle diese Wege waren vergeblich. Se. Maj. der König antwortete: „Die Juden sind reich, sie können sich Schulen gründen so viel sie bedürfen." Die Regierung antwortete den verschiedenen jüdischen Abordnungen, daß es ihre Pflicht ist, die christlichen Landeskinder den jüdischen Fremden vorzuziehen. Die Deputierten endlich und die Senatoren sagten zu denen, welche von dieser schreienden Ungerechtigkeit sprachen, daß der Staatsschatz Geld benöthige und daß man den Juden außergewöhnliche Steuern auferlegen müsse. Aber die Regierungspresse, welche den Auftrag hatte, die Handlungen der Gesetzgeber und^ Staatsmänner zu rechtfertigen, sprach noch deutlicher: sie gestand, daß die Regierungsmänner wahrgenommen haben, daß die Juden während der letzten dreißig Jahre wunderbare Fortschritte im Unterrichte gemacht haben, daß es verhältnismäßig unter den jüdischen Kindern weit mehr Unterrichtete gebe als unter den christlichen, daß die jüdischen jungen Männer nicht darnach streben, Staatsämter zum Nachtheile der jungen Rumänen zu erlangen, welche, wenn man betrachtet, daß die Inden durch ihre Intelligenz, ihr Wesen und durch ihre unermüdliche Thätigkeit mehr taugen als die Christen, im Hintergründe bleiben. Es ist Einmal, fügen die rumänischen Blätter hinzu, im Interesse der Rumänen gelegen, zu verhindern, daß die Inden unterrichtet werden u. s. w., u. s. w. Die Presse, welche sich derart ausdrückt, bereitete die öffentliche Meinung vor, dieses neue gegen die Juden erlassene einschränkende Gesetz ohne Murren anzunehmen und rieth der Regierung gleichzeitig, noch draconischere Maßregeln zu ergreifen und ein wirkungsvolleres, in seiner Anrvendung für die Juden schlimmeres Gesetz einzubringen. Und in der That ist dieses erbärmliche Gesetz angenommen worden, welches die Regierung durch eine Verordnung bezüglich seiner Anwendung und durch geheime Instructionen an die Directoren der Elementarschulen weit garstiger und verderblicher für die Juden gestaltet hat; denn es ist ihm eine rückwirkende Kraft verliehen worden. Bereits im September 1893, als die Schulen wieder eröffnet worden sind, sind die jüdischen Schüler, welche seitdem dieselbe ein, zwei oder drei vorangehende Jahre besucht hatten, ausgeschlossen worden, unter dem Vorwände, daß in den Classen keine Freiplätze mehr vorhanden seien, eine Erzlüge, welche schon oftmals constatiert und welche auch einen Schuldirector zu dem Geständnis gezwungen hatte, daß er auf Befehl des Ministers, seines Vorgesetzten, gelogen hat. Umsonst haben sich die jüdischen Eltern an den Minister mit Petitionen gewendet, worin sie erklärten, daß sie bereit seien, die Taxe von 30 Frcs. jährlich dafür, daß ihre Kinder den in den Staatsschulen schon begonnenen Unterricht beenden dürfen, zu entrichten. Ihre demüthige Bittensind geringschätzig abgewiesen worden und so sind tausende jüdische Kinder ohne regelmäßigen Volksschul- und gewerblichen Unterricht geblieben. Aber die Juden können ihre Nachkommenschaft nicht preisgeben und ihren grausamen Feinden kein Vergnügen bereiten. So haben sie einerseits durch verschiedene Opfer heimlich ambulante Schulen er-

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