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Der Israelit · 1897-05-31 · Heft 43 (31.5.1897) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 43 (31.5.1897)
Date
1897-05-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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'' ' -^ r 802 die Juden voller Angst die Flucht ergriffen. Wer eigentlich Herrn Irr gestochen hatte, das ist noch unbekannt. Es mag auch fein, daß einer der Radfahrer oder der Araber, die im Kampfe ihre Messer gezogen hatten, Herrn Irr unversehens einen Stich in die Seiten versetzte. In der Stadt verbreitete sich jedoch sogleich das Gerücht, daß Herr Irr von den Juden erstochen worden sei. Die Araber, die ohnedies die Juden hassen, weil diese mit ihnen jetzt gleich gestellt sind, begannen nun einige Juden zu attakiren und wollten sie auch einige jüdische GeschäftSläden plündern. Polizei und Militär waren jedoch sogleich zur Hand und stellten die Ruhe wieder her. Die Polizei hielt dann auch die ganze Nacht Wache im Judenviertel, während das Militär wieder in seine Kaserne abrückte. Heute Morgens kam es wieder zu einem Geplänkel zwischen Juden und Arabern und steckten Letztere dabei sogleich die Synagoge in Brand, aus deren Dach die Flammen rasch aufloderten. Andere plünderten wieder unterdeß die jüdischen Kaufläden und zerstörten sie. Die Polizei konnten den Hunderten von Arabern nichts au-richten. Als dann das Militär herankaiu, war die Zerstörung schon vollzogen. Leider hatten die Juden, als sie das Gotteshaus in Flammen aufgehen sahen, ganz vergessen, ihre Läden rasch zu sperren und so konnte der arabische Mob schnell in dieselben eindringen und sie ausrauben._ Vermischtes. Berlin. Nach dem neuesten Jahresbericht der Städtischen ^chutdeputation weist die Gesammtzabl der Schüler an den städtischen Schulen ein Mehr von 165:; nichtjüdischcn unb — 5 jüdischen Schülern und Schülerinnen auf. Berlin. „Eine kaiserliche Erziehung" betitelt F. Auma in Paris ein Buch, das sich mit unserenr Kaiser Wilhelm H. beschäftigt. Der Verfasser hat in den Jahren 1805 bis 1877 den damaligen Prinzen Wilhelm und Prinzen Heinrich in Kassel in der französischen Sprache unterrichtet und dürste wohl ein berufener Sckilderer des Eharakters^unservs Kaisers sein. Darum erscheint uns folgender Satz aus der Schrift der Reproduktion wert: „Er (Prinz Wilhelm) zog feinen Unterschied zwischen den Adligen und dem Volke, ebenso wenig zwischen den Juden und Andersgläubigen, und da er energisch und autoritativen Temperaments war, paßte er bereits, soweit ihm möglich, seine Thaten seinen Theorien an. So hatte er sich auf dem Gymnasium mit einem jungen Jsraeliteit befreundet. Er lud zum Skandal des Hofes und der Stadt (?! Red.) diesen freund ein, die Weihnachls'erien in Berlin und Postdam zu verbringen." Gießen Die Strafkammer verurtheilte, der .Volkszritung" zufolge, den Lieutenant a. D. Kaiser, ehemals Hofrath und Generalbevollmächtigter des Grasen Leiningen- Jlbensted, wegen Betrugs gegenüber dem Grafen zu vier Monat Gefängniß. Kaiser ivar ver Führer der deutschsozialen (antisemitischen) Reforn Partei im Kreise Friedberg und bei der letzten Reichstagswah'. anfangs für Friedberg-Büdingen als Kandidat ausersehen. Wien. (Rohe Gesinnungs-Bethätiguua.) Am 28. März spielten mehrere Knaben in der Thoreinfahrt des Hauses XVII., Klopfstockgasse 44. Mit einem schweren Ochsenzieiner bewaffnet, schlich der im selben Hanse ctablirte Gemischtivaareiihniidler Rupert Malnlla hinzu und nahtn den l I jährigen Schneidergehilfesohn Moritz Svis; fest Unbarmherzig liesz Matulka den Ochsenziemer ans den Rücken des sich vor Schmerz windenden Kindes niedersanscn, erst als sein Arm erlahmte, ließ er de» Knaben frei. Das mißhandelte Kind eilte in die Wohnung seiner Eltern Nach einer Weile klingelte die Wohnungsglocke. Der Kleine öffnete die Thür, taumelte aber im nächsten Augenblicke mit einem Schrei zurück, denn Matulka, der draußen stand, hatte ihm einen wuchtigen Fanstschlag ins (Besicht versetzt. Moritz Spitz, ein kränkliches, tu der Entwicklung äußerst zurückgebliebenes, schlecht genährtes Kind, war in Folge der erlittenen Mißhandlungen fünf Tage bettlägerig. Matulka stand heute vor dem Strafrichter des XVII. Bezirkes, Dr. G dich, und suchte durch hartnäckiges Leugnen die Verantwortung seiner Robbe.t von üch abzuwälzen Ein Schulknabe, der Zeuge des 'Vorfalles war, bestätigte vollinhaltlich die Anklage Dr. Heinrich Trictsch, als Vertreter des mißhandelten Kindes, deponirte, Matulka sei ein bekannter Ehristlich-Soeialer, der durch die Mißhandlung des Judenkindes seine Gesinnungstücktigkeit documentiren wollte. Matulka ivnrdc nach durchgeführter Verhandlung zu fünfundzwanzig Guld.n Geldstrafe und zmn Ersätze von 0 fl. 70 fr. Heilnngskosten verurtbeilt. Letzte Nachrichten. Gießen, 30. Mai. Mittwoch, den 26. d. M., wurde der Großherzogliche Provinzialrabbiner Herr Dr. L. Hirsch selb von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog in Audienz empfangen. Briefkasten der Redaktion. Auf mehrfache Anfragen. Die erste diesjährige Lieferung der Sprüche der Väter in Buchform von Dr. Lehmann wird unserer nächsten Donnerstagsausgabe beigelegt und dann regelmäßig jeden Donnerstag fortgesetzt werden. Briefkasten der (Expedition Herrn D S. in Oltynia: st. 2.50. Nicht Jeder vertragt Milch und doch läßt sich diese sehr nahrhafie Speise bedeutend leichter verdaulich machen, wenn mit Brown und Polsons Mondamin r»—10 Minuten durchgekocht, eben nur so viel von diesem, daß sie ein wenig seimig wird. Mondamin besitzt den Vorzug, das Gerinnen der Milch im Magen zu verhindern und wirkt außerdem durch seinen eigenen Wohlgeschmack anregend zum Genießen. Zusatz von etwas Salz und Zucker, wie auch Eitrone, Vanille :c, je nach Belieben, erhöhen den Geschmack. Für die gute O.nalitüt bürgt an» besten das mehr denn .50jährige Bestehen dieser weltbekannten, schottischen Firma. Es ist zu haben in Packeten 5 00, 00 _und 15 Pfennig_(228a ' 7 Meter Sommerstoff f. M. 195 Pfg. 6 Met. 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