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Der Israelit · 1897-05-26 · Heft 42 (26.5.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 42 (26.5.1897)
Date
1897-05-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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ft. jy py.-v■ 780 um den Verlust eines so ausgezeichneten Mannes mit ihnen vereinigt. nutan Oester r.U ngar. Monarchie. ** Wien. (Aus der Plenarsitzung des Vorstandes am 16. Mai.) Der am 3. Februar 1892 verstorbene Herr Sigmund Stern hat für den Fall des kinderlosen Ablebens seines Sohnes Benedict die Wiener Cultusgemeinde als Legatarin eines Capitales von 20.000 fl. mit der Bestimmung subftituirt, daß aus diesem Betrage auf seinen Namen lautende Wohlthätigkeitsstiftungen errichtet werden. Nachdem nun dieser Substitutionsfall eingetreten ist, wird gemäß den Subventionen des Erblaffers und im Sinne des Wunsches der erblasterischcn Wittwe Frau Marie Stern beschlossen, von dem Stiftungscapital nach Abzug sämmtlicher Gebühren, den Betrag von 12,000 fl. für zwei Bettstiftungeu im israelitischen Altersversorgungshause zu verwenden. Der verbleibende Rest von 6000 bis 8000 fl. wird zu einer Reconvalescentenstiftung für das Spital der Cultusgemeinde bestimmt. ** Pretzburg. Aus Anlaß der Anwesenheit Sr. Majestät in Preßburg gelegentlich der feierlichen Enthüllung des Maria-Theresien-Denkmals am Krönungshügel erschien unter den anderen Deputationen am 16. d. Mts. auch eine gemeinsame Deputation der beiden jüdischen Gemeinden Preßburgs, deren Führer Rabbiner Dr. David an Se. Majestät folgende Ansprache richtete: „Ew. k. u k. apostolische Majestät! Allergnädigster Herr und König! In tiefster Ehrfurcht und mit dankbaren Gefühlen erschienen wir als Vertreter der israelitischen Religionsgemeinde vor Ew. Majestät zur huldigenden Begrüßung. Es gehört zu den beglückendsten und glorreichsten Thaten Ew. Majestät, daß die Israeliten Ungarns gleichberechtigt und gemeinsam mit den übrigen t Staatsbürgern zum Gedeihen und Aufblühen des ' geliebten Vaterlandes beitragen, Freud' und Leid mit denselben theilen dürfen. Die Bekenner des jüdischen Glaubens werden sich aber auch stets der Huld und Gnade Ew. Majestät würdig erweisen. Der Allmächtige möge Ew. Majestät, den treuesten Vater des Vaterlandes, reichlich segnen und lange in ungetrübter Freude erhalten! Amen." (Begeisterte Eljenrufe.) Hierauf sprach Oberrabbiner Schreiber den rituellen Segen. Se. Majestät erwiderte: „Mit Dank nehme Ich Ihren huldigenden Gruß und rituellen Segen Ihrer Religion an. Ich zweifle nicht, daß Sie in Erfüllung Ihrer patriotischen Pflichten mit den übrigen Staatsbürgern wetteifern werden und in dieser Hoffnung versichere Ich Sie gern meiner ferneren Gnade." Nachdem der Kaiser die Antwort ertheilt und zum Rabbiner Schreiber gesagt hatte: „Sie sind von der orthodoxen Gemeinde!" wendete er sich zum Rabbiner der Religionsgemeinde, Dr. David, und frug ihn: Sie sind Rabbiner der andern Gemeinde? „Zu dienen, Majestät, der andern Gemeinde", erwiderte der Angesprochcne. „Haben Sie im Auslande studirt", frug ihn Se. Majestät weiter, worauf Dr. David antwortete: „Majestät, ich habe an der Wiener Universität meine Studien absolvirt." — Hierauf verabschiedete Se. Majestät, nochmals dankend und freundlich winkend, die israelitischen Deputationen. Rumänien. ** Bukarest. (E i n ru m ä n i scher P at rio t über die I u d e n f r a g e.) Vor einer Versammlung jüdischer Reservisten hat jüngst der Abgeordnete Vasile M. Kogalniceanu, der Träger eines Namens, der mit allen freiheitlichen Bestrebungen in Rumänien auf das Innigste verknüpft ist, einen Vortrag über die Judenfrage in Rumänien gehalten. Kogalniceanu hat das Wesen und die treibenden Kräfte des Wiener Antisemitismus viel bester durchschaut als manche der österr. Politiker. Er sagt in seinen einleitenden Worten über die Wiener Bewegung: „Ein beim Volke beliebter Agitator, ein Demagoge in des Wortes crassester Bedeutung hat, an die niedrigsten Jnstincte der Maste appellirend, die Religion als Mittel zum Zweck erwählt und unter lebhafter Unterstützung der Jesuiten daraus eine mächtige politische Waffe geschmiedet, die ausschließlich den persönlichen Zwecken des Agitators, seiner Ambition, etwas zu erreichen, dient." „Die Judenfrage in Rumänien", erklärt K., „ist eine sehr dornige Frage. Sie darf nicht mit religiösem Fanatismus, nicht mit politischer Leidenschaft und nicht mU falschem Patriotismus befyatibclt werden. Sie darf auch nicht als Parteiwaffe gegen politische Gegner benützt werden, nicht wenn man anr Ruder, nicht wenn man in der Opposition ist. . . . „Aus der Judenhetze darf sich Niemand eine Leiter machen, um auf ihr zur Macht zu gelangen, noch ein Fundament, auf welchem er sich erhalten will, sondern wir müssen Alle daran arbeiten, sie zu lösen; denn ihre Lösung bedeutet sür unser Vaterland ein Lebensintereffe." Man sieht, Kogalniceanu läßt sich nicht von Schlagworten blenden. Was die Feinde des Judenthums eine „sociale Frage" nennen, ist ihm lediglich eine Frage der Macht und des politischen Gaukelspiels. Auch der Phrase von den „Lastern der Juden" geht er herzhaft zu Leibe. „Warum nennen wir sie feige und erbärmlich", sagt er, „und haben andererseits eine solche Furcht vor ihrem Fleiß und ihren geistigen Fähigkeiten? In unserer Bestürzung

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