Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 42 (26.5.1897)
- Date
- 1897-05-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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VA'.'U j >Wt'. fl' - tMV»T •) f 7.-^*^vl •- «%* XXXV UI. Jahrgang. Erste Mage M M 42 -es „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Fk. Frankfurt a. M., 23. Jjar. Schon wieder hat die hiesige Religionsgesellschaft und mit ihr das gesammte gesetzcslreue Judenthum einen herben Verlust erlitten: Sonntag tk trs verschied plötzlich im Alter von 62 Jahren Herr Theodor H o m b u r g e r, eines der eifrigsten Mitglieder unserer Gemeinde. In ihm verlieren wir eine thatkräftige Stütze unserer Bestrebungen, einen Mann von unbeugsamer Festigkeit des Charakters, von aufrichtiger und lebendiger Begeisterung für alles echt Jüdische. Allzu jäh ist er seinem so ausgedehnten Wirkungskreise innerhalb der Gemeinde entrissen worden, und weithin klafft die Lücke, die sein Heimgang in der Reihe der Gottesfürchtige», von edlem Eifer für die Ideale des unverfälschten Judenthums getragenen Männer hinterlassen hat. Sein tugendhafter Lebenswandel möge Jenen zum Vorbilde dienen, die berufen sind, seinen Posten auszufüllen! Einer schlichten, frommen Familie in Karlsruhe entstammend, war er, der einzige Sohn seiner Eltern, nach dem frühzeitigen Hinscheiven seines Vaters schon im zarten Jünglingsalter aus die eigene Kraft verwiesen worden, um sich eine Existenz zu gründen. Vor niehr als vierzig Jahren war er hierher gekommen und hatte nach Beendigung der Lehrzeit in einem großen Bankhause sein gediegenes kaufmännisches Wissen so befestigt, daß er in kurzer Zeit seiner Mutter und seinen Schwestern, wie ein Vater zur Seite stehen konnte. Ein self-made-man im edelsten Sinne des Wortes, hat er durch die Biederkeit seines Charakters, seinen praktischen, weithin ausschauenden Blick bald die Aufmerksamkeit weiter Kreise auf sich gelenkt, und so war es leicht erklärlich, daß man sich eine so vielseitige Kraft für die Gemeindeverwaltung nutzbar machte. Schon im Jahre 5625 trat er in den Vorstand der Religionsgesellschaft ein und entfaltete hier eine überaus rege und Nutzen schaffende Thätigkeit, die sich auf fast alle ihre Institutionen erstreckte. So rechtfertigte er immer mehr das in ihn gesetzte Vertrauen der Gemeinde und verblieb iu dem Vorstande derselben bis zum letzten Augenblicke seines thatenreichen Erdenwallens. Unermüdlich war er im Dienste seines *rejt thätig, er scheute keine persönlichen und materiellen Opfer, wo es galt irgend eine rra® zu erfüllen. Und dabei war er so weit von jedem selbstsüchtigen Motive entfernt, daß er vielmehr dem rrora rrru rra® gemäß in dem stets wachsenden Wohlbehagen bei Ausübung der mo den schönsten Lohn erblickte. Er begnügte sich auch keineswegs sie nur als i-hei1?» onw» rro® zu erfüllen, sondern, als würdiges Glied der durch einen Samson Raphael Hirsch zu wahrhaft jüdischer Begeisterung herangebildeten Gemeinde, war er stets bemüht, die ms» als vergeistigte Lebensäußerungen zu bethätigen. Darum legte er noch im reifen Mannesalter eine Wißbegierde besonders auf jüdisch-religiösem Gcbiete an den Tag, die manchem Jüngling zur Zierde gereichen würde. Seine Jugendjahre hatten ihm nicht die Gelegenheit geboten, sich viel jüdisches Wissen anzueignen; um so lebhafter war sein Eifer, als rvn bvz noch rrmb dw snp zu fei«. Noch am letzten Tage seiner irdischen Laufbahn hat er es nicht versäumt, den üblichen nnw in mw und “piy beizuwohnen. Aber auch die beiden andern Seiten der jüdischen Aoelskrone, rrroy und v'-ivn jrfcnsa, prangten als herrliches Diadem auf seinem edlen Haupte. Die Synagoge unserer Gemeinde war ihm ein unverletzliches Heiligthum, in dessen Hallen er mit peinlichster Regelmäßigkeit und tiefster Andacht seine Gebete verrichtete. Und was er auf den verschiedensten Gebieten des ->Ln geleistet hat, das wohnt nicht blos in den Herzen der vielen Wittwen und Waisen, Armen und Kranken, für die er stets ein warmes, theilnehmendes Herz und eine offene, freigiebige Hand hatte, das ist auch mit ehernen Buchstaben verzeichnet in den Annalen der »Brip tnan, deren thatkräftiges, unerschrockenes Mitglied und zuletzt auch Präses er war. Das Central-Comit« zur Errichtung eines jüd. Krankenhauses in Jerusalem verliert in demselben ein seit Jahren eifrigst thätiges Mitglied, und wird demgemäß durch jede Förderung dieses von ihm angestrebten Zieles sein Andenken in schönster Weise geehrt. Bei allen diesen herrlichen Tugenden war er weit entfernt, sich irgendwie zu überheben, vielmehr zierte ihn eine wahrhaft rührende Bescheidenheit, die ihn zu einer Lebensauffassung führte, derzufolge dar hiniedige Dasein ihm als ein von Gott ihm zugewiesener Kampfesposten erschien, auf dem er als tapferer Streiter muthig und unentwegt auszuharren hatte. Mochten ihn noch so heftige Stürme umtosen und das Räthfel des 'b jm pnx sich ihm noch so unlösbar zeigen, er blieb standhaft und fest in seinem unerschütterlichen Gottvertrauen und schrieb als Mann von altem Schlage auf feine Fahne "rasn nw bz Tay zvb Kjorn. Diese seine gerade staunenswerthe Gottergebenheit hat er auf seine Familie, seine Kinder und Geschwister, seine Neffen und Nichten zu übertragen gesucht, so daß diese mit Recht in ihm ihre Krone, ihren allzeit hilfsbereiten Vater erblicken durften. Nun stehen sie alle tief gebeugt trauernd an seinem Grabe. Einen schwachen Trost darf ihnen die erhebende Thatsache gewähren, daß in ungeheuchelter Theilnahme die ganze Gemeinde sich in tiefer Trauer