Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 42 (26.5.1897)
- Date
- 1897-05-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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775 tiative des Rabbiners Dr. Venetianer wurde in Neupest ein „Jüdischer Handwerkergehilfen-Verein" gegründet, der schon 250 Mitglieder zählt. Der Rabbiner hält wöchentlich einmal einen Vortrag, um auch in diesen Kreisen den religiösen Sinn zu heben. — Der „Verein zur Förderung des Ackerbaues und Handwerks unter den Juden Ungarn's" erstattet seinen Jahresbericht. 441 Handwerkerlehrlinge standen unter der Obhut des Vereines, von denen 28 im Lehrlingsheim untergebracht waren. Achtzehn Zöglinge erhielten eine ausgiebige Unterstützung für ihre weitere Ausbildurg und 8 Meistern wurde die Errichtung einer Werkstätte ermöglicht. Sowohl der Verein, als auch viele Zöglinge erhielten Ausstellungs- Prämien. Verausgabt wurden nahezu 32.000 Kronen, die Einnahmen beliefen sich auf 26.000 Kronen. Frankreich. Paris, 33. Mai. Daß im außerordentlich genialen, erfindungsreichen Frankreich auch das religiöse Gebiet vom vorwärtsschreitenden, menschlichen Geiste mit neuen Entdeckrurgen bescheert wird, kann keinen Menschen wundern, zumal ja die Roth des Antisemitismus einem erfindnngslustigen Streben auch förderlich ist. So hat ein bescheidener, französischer Gelehrter herausgefunden, nachdem wir Juden eigentlich erst nur seit der Zerstreuung in die Welt zwei Festtage halten, man doch den zweiten überflüssigen Tag, der im alten Testament gar nicht vorkommt, streichen sollte, man würde dann zur schönen Gesetzgebung der Bibel zurückkehren und dem ersten Feiertag wenigstens zur herrlichen Pracht unserer reich geschmückten Tempel in großen Schaaren wallfahren. — Zu erreichen wäre diese Streichung des er seiner Ansicht nach, wenn die Herren Rabbiner sich zu einem gesetzgebenden Körper konstituirten und bei dieser Gelegenheit mit den zweiten Festtagen ähnliche veraltete Gebräuche in den Gebetbüchern und Machsorim, die in Frankreich zu finden sind (sonst ist nirgends mehr was abzuschaffen), zu streichen und über Bord zu werfen. Eine streng wissenschaftliche Begründung für diese Maßregel ist Folgendes: Von den doppelten Lehren, die wir Juden erhalten haben, muß die eine, weil sie — wie weiter unten — nicht sehr brav (gentil) ist, der Anderen, Besseren weichen, und da man der mündlichen Lehre und ihren Rabbinen viel Schlimmes nachzuerzählen weiß, so müssen wir ja endlich einmal der alten schönen schriftlichen Lehre (sainte Torali) zu ihrem Rechte verhelfen. Hatten ja die alten Rabbiner so wenig Pietätsgefühl für unsere erhabene Lehre, daß — wie man in hochwissenschaftlichen Kreisen weiß — ein sogenannter Hillel das Schemitagebot der Thora in flagranter Weise verletzte, noch mehr aber als die pietätslose Handlungsweise des berüchtigten Monsieur Hillel, weiß heute ein jeder gebildete Mensch, der nur einigermaßen mit der Herbert Spenzerischen Philosophie bekannt ist, daß die alten Rabbinen ein deutliches Gesetz des a. T. Levirat genannt, in ihrer rücksichtslosen Weise abschafften ilnd so — Schmach und Schande — eine Handlung dagegen einführten, die geradezu unhöflich, ja choking genannt zu werden verdient. Unsere Rabbiner müssen diese Unbill der Alten rächen, indem sie an commune action Front dagegen bilden, daß iit genannten Gebetbüchern und Machsorim irgend etwas von dieser odiosen rabbinischen Lehre enthalten bleibt. Die Sache hat nur einen Haken. Es hat nämlich ein gewisser Herr Pr. nied. Klein sich in den Kopf gesetzt, daß nur eine eraffe religiöse Ignoranz behaupten kann, was dieser geehrte Herr behaupten will und hat sich sogar der Mühe unterzogen, ihm wie einem unreifen Schüler mit bewunderungswürdiger Geduld uitb Methode den Standpunkt klar zu legen, allein Medizin, gesunder Menschenverstand und klare Ueberlegung des betreffenden Teiles allein genügen nicht, etwas zu beweisen, was gegen die Wissenschaftlichkeit dieser Herren spricht. Der Herr Doetor sei ein recht netter, braver Mann, heißt es, allein seine Behauptungen seien gar nicht modern, ja es sei sehr zu befürchten — de niediantes lang-ues — der Herr Doetor wäre fähig nachzuweisen, die ganze herrliche Erfindung vom Abschaffen des zweiten Tag er und anderer rabbinischer Gebräuche sei gar keine französische, sie käme vielmehr von Deutschland (Allemagne) und wäre sammt und sonders nur eine ganz schlechte Copie. — Dies glaube ich auch. Salomon Kohn. England. ** London. (Seine königliche Hoheit der Herzog von Cambridge im jüdischen Waisenhause.) Der neuerbante Flügel und die Centennarhalle im jüdischen Spital und Waisenhaus (Jews Hospital and Orphan Asyluni) sind vom Herzog von QambxldQd feierlich eröffnet worden. Die Feier war eine großartige. Eine ungeheuere Menschenmenge erwartete die Ankunft des erlauchten Gastes. Die London-Brigthon und Soulh-East-Eisenbahnen hatten Tour- und Retourbillets erster Classezu bedeutend ermäßigten Preisen für diesen Tag ansgegeben. Interessant ist, daß diese Billets auch eigens für die Feier gedruckt wurden und die Inschrift trugen: „Jews Hospital and Orphan Asylum.“ In vollem Staate kamen der Herzog von Cambridge, der Bürgermeister und seine Gemahlin und die Sheriffs zu Wagen daher. Eine Ehrenwache und die Militärkapelle des 1. Bataillons des West Surrep-Regiments erwarteten Seine königliche Hoheit. Unter den Anwesenden sah man: Sir Joseph Sebag Montefiore,