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Der Israelit · 1897-05-26 · Heft 42 (26.5.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 42 (26.5.1897)
Date
1897-05-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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774 1 denen um Förster und Zimmermann sich weitern. Um so mehr suche er zu agitiren, und namentlich gehe das Bemühen der Antisemiten dahin, den Bund der Landwirthe für sich einzufangen. ** Lübeck, 11. Mai. Bei Gelegenheit der vor Kurzem dahier abgehaltenen ersten Sitzung des Vorstandes der Fleischerberufsgenossenschaft, die am 1. Januar d. I. ins Leben gerufen wurde, das heißt aus der Nahrungsmittelgenoffenschaft ausschied, wurde auch die Frage aufgeworfen, ob die Schächter, die in einem allgemeinen öffentlichen Schlachthause thätig sind, auch unfallversicherungspflichtig seien; einige Fälle sind der Genoffenschaft bereits bekannt geworden, in denen sich die Schächter der Unfallversicherungspflicht unterworfen haben. Oesterr.-Ungar. Monarchie. ** Wie« Unter dem Vorsitze der Präsidenten, Baurathes Stiaßny und in Anwesenheit der Vicepräsidenten Adolf Ritter v. Sonnenchal und Oberrabbiner Dr. Güdemann, sowie der übrigen Mitglieder des Curatoriums, fand am 8. d. M., im Festsaale des kaufmännischen Vereines die erste Generalversammlung,, der Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des JudenthumS" statt, welche sich die Schaffung eines jüdischen National-MuseumS zur Aufgabe gemacht hat. Der Präsident würdigte in schwungvollen Worten die Leistungen der Juden auf dem Gebiete der Kunst und besprach sodann die Thätigkeit der Gesellschaft. Derselben gehören trotz ihres erst kurzen Bestandes bereits 5 Stifter und 63 Mitglieder an. Die Gesellschaft war auch bereits in der Lage dank der Munificenz zahlreicher Gönner und Förderer inbesondere des Baron Nathaniel von Rothfchilv, ein Museum jüdischer Kunstdenkmäler in ihrem Vereinslokale in der Rathhausstraße anzulegen. Gewählt wurden: 1. In das Curatorium: Die Maler Leopold Horowitz und Isidor Kaufmann. 2. Zu correfpondirenden Mitgliedern: Rev. Dr. Adler, Chief Rabbi von England, London; Zadoc Cahn, Granv-Rabbin de France, Paris; Profeffor Dr. Ignaz Goldzieher, Budapest; Staatsrath Dr. A. Harkawy, St. Petersburg; Prof. Dr. David Kaufmann, Budapest; Dr. Adolf Neubauer, Bibliothekar der Bodleana, Oxford; Prof. Dr. Moriz Steinschneider, Berlin. Zu Revisoren: Leo Hildesheimer, Emil Jellinek, Arthur Edler v. Mises. UniversitätSpofeffor Dr. D. H. Müller berichtete über einen intereffanten Fund bei Ausgrabungen in Bosnien. Dort wurde nämlich eine Hagada (jüdische Chronik) gefunden, welche nach Art von MönchSchroniken Illustrationen enthält, die mit humoristischen Knüttelversen als Überschrift versehen sind. Im Anschluffe an die Versammlung las der erste Vicepräfident der Gesellschaft, Hofschauspieler Adolf Ritter von Sonnenthal, den vierzehnten Gesang von Heller's „Ahasver's Wanderungen" und die bekannten Charakterbilder S. Kohn's aus dsm Prager Ghetto. Nach den von glühender Begeisterung getragenen Versen der national-jüdischen Dichtung, welche mit einem Ausblick in eine glorreiche Zukunft des jüdischen Volkes schließen, wirkte die heitere Poesie der gemüthvollen Ghettoerzählung umso tiefer auf die zahlreiche Zuhörerschaft, als zu dem Effekte eines meisterhaften Vortrages sich die Pikanterie gesellte, welche in dem jüdischen Jargonvv'-trage des großen Burgtheater-Tragöden gelegen war. — Das überaus zahlreiche und distinguirte Publikum, welches den Saal und seine Nebenräume bis auf das letzte Plätzchen füllte, verfolgte mit größter Theilnahme den Verlauf der Generalversainmlung und begleitete die Vorträge Meister Sonenthal's mit stürmischem Beifall. ** Budapest, 20. Mai. Der Cardinalbischof Dr. Lorenz Schlauch war anläßlich seines 50jährigen Priester-Jubiläums Gegenstand herzlicher Ovationen. Die beiden jüdischen Cultusgemeinden und oer israelitische Frauenverein in Großwardein waren bei den Feierlichkeiten durch Abordnungen vertreten. Cardinal Schlauch antwortete auf jede der an ihn gerichteten Ansprachen und betonte, daß er Zeit seines Lebens sowohl als Geistlicher, wie als Patriot und Mensch bestrebt war, seine Pflichten zu erfüllen, die Wiffenschaft mit der Religion, den Idealismus in Einklang zu bringen, seinen Mitmenschen ohne Unterschied der Confession zum Wohle zu gereichen. Auf die Ansprache des Rabbiners Moritz Fuchs erwiderte der Kirchenfürft: „Das Judenthum und das Christenthum stehen auf einer Grundlage; sie werden niemals untergehen, um ewige Zeugen der Offenbarung und des Christenthums zu sein." Auf die Ansprache des Predigers Dr. Leopold Kescemeti erwiderte der Cardinal: „Tief empfinde ich die Wahrheit der Worte, daß Wiffenschaft und Religion in Harmonie seien, daß ihre Gegensätze ausgeglichen werden müffen. Gott schrieb zwei Bücher: die Bibel und die Natur. Die Harmonie zwischen beiden dem Verständniß der Menschen beizubringen, war mir leitendes Prinzip in meiner fünfzigjährigen Wirksamkeit." — Gelegentlich der Wahlen für den Trencsiner Comitatsausschuß entfaltete Pfarrer Josef Badik eine maßlose antisemitische Agitation. Er machte sehr häufig gehässige Ausfälle gegen die jüdische Confession, weßhalb die Staatsanwaltschaft die Anklage wegen Aufreizung gegen ihn erhob. Badik wurde zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt. Die königliche Curie bestätigte dieser Tage das Urtheil. — Der Cultus- und Unterrichisminister bewilligte der Klausenburger orthodoxen Cultusgemeinde zum Bau einer jüdischen Volksschule aus dem jüdischen Landesfond ein zinsensreies Darlehen im Betrage von 120.000 Kronen. — Auf Jni-

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