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Der Israelit · 1897-05-26 · Heft 42 (26.5.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 42 (26.5.1897)
Date
1897-05-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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772 Tiefe offenbart und das vollkommenste Wiffen der geoffenbarten Thora herrschte demgemäß zur Zeit der Gesetzgebung. Moscheh, der Gottesbote, ist der Mensch, der die Wiffenschaft der Thora, am vollkommensten beherrschte. Das Antlitz Moscheh's glich der Sonne und schon Jehoschuah verhält sich zu Moscheh, wie der Mond zur Sonne. In der Trauerzeit um Moscheh gerieth eine ganze Reihe von Halachoth in Vergessenheit; „Jehoschuah überlieferte die Thora den Aeltesten, die Aeltesten den Propheten, die Propheten den Männern der großen Versammlung." Die Männer, denen Gott in den verschiedensten Zeiten die Führung seines Volkes und die Erhaltung der Thora anvertraute, sahen ihre höchste Aufgabe darin, die Thora so zu bewahren, so der Nachwelt zu übermitteln, wie sie selbst dieselben von ihren Lehrern empfangen hatten pete io^ dix 2"n. Man ist verpflichtet die Lehrsätze der Thora in Form und Ausdruck gerade so wiederzugeben, wie man sie vom Lehrer gehört hat n2njt cnssn nnAn bv pbm rrw Auch bei den scheinbar gleichgiltigen Unterhaltungen der Gesetzesgelehrten soll man aufmerksam zuhören, man wird vielleicht daraus eine Lehre folgern können, die man vorher nicht gehört hat. Auf Schritt und Tritt begleiten unsere Amoraim ihre Lehrer, um durch das Benehmen der Meister zu erfahren, was die Thora den verschiedensten Verhältnissen des Lebens gegenüber gebietet p'&ba ->n-' brro, sie waren glücklich, durch den Umgang mit den Lehrern Vorschriften kennen zu lernen und ausführen zu sehen, von denen sie bei den Vorträgen im Lehrhause noch nichts vernommen hatten. Das große Lob, das Rabbi Jochanan ben Sakai dem Rabbi Elieser ben Horkinas gespendet, lautet uw? ne to nv'v i2Ko, er nimmt so treu und vollkommen die Thora aus, wie eine mit Cement ausgemauerte Grube, die nicht einen Tropfen verloren gehen läßt. Je vollkommener unsere Geiftesheroen die Worte ihrer Lehrer erfaßten und erhielten, um so näher waren sie dem Hochziel der Thoraforschung gekommen, und zu den ersten Mitteln, um diese Treue der Ueberlieferung zu erreichen, gehört v'v-n rro«, das vertrauensvolle Sichdahingeben an den Lehrer. Im nächsten.Kapitel wollen wir das Wesen und die Wirkung dieser B'Mn mit Gottes Hilfe schildern. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen Deutschland. ** Berlin, 24.Mai. (DieVerbilligung des Koscherfleisches.) Dem „Berliner Vereinsbote" wird geschrieben: Die bedenklichen, oft sehr erheblichen Preisdifferenzen des Koscherfleisches in den Geschäften unter RabbinatSaufsicht und solchen ohne diese Kontrolle, auf deren Firmenschildern aber das ominöse iikj allen denjenigen verlockend entgegen winkt, denen es keine große Ueberwindung kostet, sich von dem allzustrengen Speiserituell zum Vortheil ihres Geldbeutels zu emancipiren, stehen durchaus nicht im Verhältniß zu der belanglosen Steuer, welche die Gemeinde für die Beaufsichtigung erhebt. Wohl aber sind die hohen Fleischpreise nicht selten die Veranlaffung, daß Haushaltungen, welche wirthschaftlich rechnen muffen, gleichwohl aber dieses größten Ernährungsfaktors nicht entbehren mögen, zuletzt — wenn auch oft schweren Herzens — sich entschließen, die Koscherfleischhandlungen, deren Werth in Bezug auf nmw nur durch die bekannten drei Buchstaben am Schild repräsentirt wird, aufzusuchen und dort ihren Bedarf an Fleisch zu decken. Die Thatsache, daß die Fleischpreise nicht selten um den hohen Betrag von 25—30 Pfennigen pro Pfund gegen den üblichen Marktpreis differiren, ist eine Erscheinung, die an sich und auch mit Rücksicht auf diejenigen jüdischen Familien, zu deren religiösen Ueberzeugung auch ein streng koscherer Haushalt gehört, welchen zu erhalten, ihr innigster Wunsch ist, es der Gemeindeverwaltung zur dringendsten Pflicht macht, Reformen zur Beseitigung von Mißständen eintreten zu lasten, welche die Ernährung oer minder wohlhabenden jüdischen Familien unserer Gemeinde mit koscherem Haushalt so sehr beeinträchtigen und erschweren. Den Hebel der Reformen hier einzusetzen, ist die vornehmste Aufgabe aller derjenigen, die auf diesem Gebiete das entscheidenste Wort zu sprechen haben, und wenn sie sich dieser Aufgabe mit dem Ernst, dem Eifer und der Energie unterziehen, welche die Wichtigkeit dieses Gegenstandes erfordert, so werden sie nicht nur das Verdienst haben, einen langjährigen, die allgemeine Ernährung schwer schädigenden Uebelstand beseitigt und einen Mißbrauch, der mit dem Worte vielfach getrieben wird, ein für alle Mal abgeschafft zu haben, sondern auch jene Familien zu großem Danke sich verpflichten, denen es um einen koscheren Haushalt noch heiliger Ernst ist, nicht minder aber auch den Dank derjenigen, die in dieser Beziehung weniger Skrupel haben, sich aber gleichwohl freuen würden, eine Schranke fallen zu sehen, die denn doch bisweilen als leichter Alp das Gewissen drückt. Nichtig und hinfällig ist es, wenn die Herren „Koscherfleischhändler unter Aufsicht" anführen, daß die erhöhten Fleischpreise durch das Schächtgeld, das sie zahlen müsten und durch die Kosten der Aufsicht und der sogenannten Entaderung bedingt seien; denn einmal erhalten sie vom Großhändler das Schächtgeld zurückerstattet, und dann sind die Kosten für Transport und den Ausschnitt der nicht erlaubten Theile so minimal, daß sie die erheblichen Preisunterschiede zu' rechtfertigen nicht im Stande sind. Das sind Zustände, denen entgegenzu-

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